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Potsdamer Elite-Sportschule in Coronazeiten : Schwieriger Neubeginn im Internatshochhaus

Auch die Elite-Sportschule in Potsdam geht schrittweise ans Netz. Doch der Wiederbetrieb des Internats gestaltet sich als problematisch.

Das Internat der Sportschule "Friedrich Ludwig Jahn" in der Zeppelinstraße.
Das Internat der Sportschule "Friedrich Ludwig Jahn" in der Zeppelinstraße.Foto: Andreas Klaer

 Potsdam-West - Zum Weiterbetrieb des 14 Etagen umfassenden Internats der Elite-Sportschule am Luftschiffhafen gibt es in Corona-Zeiten erhebliche Debatten zwischen dem Bildungsministerium und der Stadt Potsdam. „Das vom Ministerium vorgeschlagene Konzept zum Betrieb des Wohnheimes der Sportschule wird von der Stadt abgelehnt“, hieß es bereits zum Wochenanfang in der Corona-Krisenlage der Stadt, die täglich an die Fraktionen gesendet wird.

Es geht um ein Hochhaus für hunderte junge Sportler

Demnach sind die vom Ministerium angewiesenen Hygienestandards offensichtlich zu schwierig umsetzbar in dem DDR-Hochhaus und dem zusätzlichen Anbau, in beiden Häusern sind rund 400 Jungsportler untergebracht – was schon in Normalzeiten eine Herausforderung darstellt. Nun kommen noch die neuen Hygieneregeln dazu. Offiziell bemühen sich Stadt und Ministerium dabei, möglichst Einigkeit zu vermitteln. So teilte das Ministerium bereits am Dienstagabend auf PNN-Anfrage mit, für diese „pflichtige Aufgabe“ der Stadt bestehe nun die Herausforderung, alle auswärtigen Schüler unterzubringen – und zwar unter den Bedingungen der Corona-Hygieneregeln. Daher sei die Kapazität des Heims nach einer Entscheidung des Gesundheitsamts der Stadt auch reduziert worden. Man unterstütze die Stadt bei der Unterbringung, sagte Ministeriumssprecherin Ulrike Grönefeld – gebe aber keine eigene Konzeptidee vor. Es gebe dabei auch um die Unterbringung der Schüler in anderen Quartieren.

Eltern müssen mögliche Quarantäne genehmigen

Die Stadt Potsdam wiederum teilte am Mittwochmittag auf PNN-Anfrage mit, derzeit würden noch Abstimmungen mit dem Ministerium laufen, auch zur Betriebserlaubnis. „Es ist vorgesehen, dass die Eltern die neue Hausordnung unterschreiben und sich zudem damit einverstanden erklären, dass ihr Kind im Falle einer Ansteckung in Potsdam isoliert wird“, sagte Stadtsprecherin Christine Homann. Nur wer beides unterschreibe, dürfe sein Kind wieder nach Potsdam ins Wohnheim bringen. „Außerdem werden im Wohnheim die Gemeinschaftsräume und die Küchen gesperrt, reguläres Training findet nicht statt“, so Homann.

Keine Zimmerbesuche mehr erlaubt

Bereits Ende April hatte Luftschiffhafen-Betreiber Andreas Klemund in einem den PNN vorliegenden Brief die Eltern der Eliteschüler informiert, wonach die Einhaltung der notwendigen Hygienestandards in den bisherigen Strukturen „nicht umsetzbar“ sei. Daher müssten die Eltern nun Änderungen der Hausordnung zustimmen. So müssten Mindestabstände von 1,50 Metern eingehalten werden, die gemeinsamen Aufenthaltsräume würden geschlossen, Besuche auf den Zimmern seien verboten und es erfolge auch keine Freizeit- und Wochenendbetreuung mehr. In einem weiteren Elternbrief vom 5. Mai teilte der Luftschiffhafen-Betreiber auch mit, Schüler könnten – wenn der Mietvertrag aufgelöst wird – alternativ auch in Hotels untergebracht werden, um nötige Kapazitäten zu schaffen, nach PNN-Informationen geht es um die Klassenstufe 13. Denn längst nicht alle Schüler könnten im Internet angesichts der neuen Regeln noch untergebracht werden. Ferner werde es im Wohnheim eine Maskenpflicht geben – und auch der Fahrstuhl in dem Hochhaus sei außer Betrieb gesetzt. Nach Schulschluss müssten die Schüler auch nach Hause fahren, wenn danach wie an Wochenende zwei Tage kein Unterricht angesetzt sei, so der Luftschiffhafen-Betreiber weiter. Dabei soll das Internat eigentlich „optimale Bedingungen für die Athleten“ bieten, wie es in der Selbstbeschreibung des Hauses heißt – in Zeiten von Corona ein offensichtlich schwieriges Unterfangen.

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