• Potsdamer Brauhausberg : Baustart am „Kreml“ noch dieses Jahr?

Potsdamer Brauhausberg : Baustart am „Kreml“ noch dieses Jahr?

Nach Verzögerungen hofft der Investor auf den Umbau zu einem Wohn- und Gewerbequartier bis 2026. Rund 60 Millionen Euro sollen in das Projekt fließen.

Zuletzt war es auf dem Brauhausberg still geworden.
Zuletzt war es auf dem Brauhausberg still geworden.Foto: Ottmar Winter

Potsdam - Nach coronabedingten Verzögerungen könnte der Umbau des früheren Landtags auf dem Brauhausberg zu einem Wohn- und Gewerbequartier noch Ende dieses Jahres beginnen. Wie der Investor, die Berliner Sanus AG, über einen Sprecher auf PNN-Anfrage mitteilte, werde im Potsdamer Rathaus gerade noch der Bauantrag bearbeitet, allerdings sei der „weitreichend abgestimmt“. Man rechne mit einem Bescheid noch im ersten Quartal dieses Jahres – also bis Ende März.

Dann soll es losgehen. Laut dem Sprecher sei zunächst der Bau einer neuen Erschließungsstraße erforderlich – danach könnte mit den Baumaßnahmen im letzten Quartal dieses Jahres begonnen werden, also irgendwann ab Oktober. Mit der Gesamtfertigstellung rechne die Sanus AG im vierten Quartal 2026. Ursprünglich hatte man mit einer Fertigstellung Ende 2021 gerechnet, noch Anfang 2020 war die Vollendung des Ensembles für das erste Quartal 2024 beabsichtigt. Auch eine Rathaussprecherin bestätigte, derzeit laufe noch das Baugenehmigungsverfahren – weitere Auskünfte könne man dazu nicht geben, wegen des laufenden Verfahrens.

Vermarktung soll im dritten Quartal beginnen

Zu den Gründen für die Verschiebung hieß es von der Sanus AG, das Projekt sei komplex und auch abhängig von der „öffentlichen Planung“, etwa für besagte Erschließungsstraße zur Baustelle, die in Verantwortung des Rathauses fällt. „Ferner hat die Corona-Pandemie – wie leider in fast allen Wirtschaftszweigen – die Prozesse verlangsamt“, hieß es von dem Investorensprecher weiter. Im dritten Quartal dieses Jahres wolle man nunmehr mit der Vermarktung des Großprojekts beginnen.

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Rund 70 Millionen Euro sollten nach früheren Angaben von der auf denkmalgeschützte Immobilien spezialisierten Sanus AG in Wohnungen und Gewerberäume im sanierten Altbau sowie einem dreigeschossigen Neubau investiert werden – nun ist laut Unternehmen von 60 Millionen Euro die Rede. Zu den genauen Gründen dafür machte man keine näheren Angaben. Vorgesehen sind aber laut dem Sprecher weiterhin unter anderem Eigentumswohnungen auf 8000 Quadratmeter Nutzfläche des Altbaus sowie auf 3000 Quadratmeter ein sogenanntes Boardinghaus, also eine Art Langzeithotel, etwa für Gastforscher. Gleich in der Nähe befindet sich schließlich der Wissenschaftspark auf dem Telegrafenberg.

Äußerliche Verjüngungskur

In einem Neubau im früheren Landtagshof sollen weitere 66 Zwei- bis Fünfzimmerwohnungen mit insgesamt 5500 Quadratmetern Fläche entstehen. Dazu gehört auch eine Tiefgarage mit rund 130 Stellplätzen. Weitere 25 Stellplätze sind im Außenbereich eingeplant. Äußerlich solle das altehrwürdige Gebäude, das Ende des 19. Jahrhunderts als Preußische Kriegsschule errichtet wurde, eine Verjüngungskur bekommen, erklärt die Sanus AG auf ihrer Internetseite – tiefgreifende Veränderungen, beispielsweise an der Fassade, sind aber nicht vorgesehen.

Ein Investor will den sogenannten Kreml sanieren und einen zusätzlichen Neubau im hinteren Teil errichten.
Ein Investor will den sogenannten Kreml sanieren und einen zusätzlichen Neubau im hinteren Teil errichten.Foto: Ottmar Winter

Das Projekt in dem einstigen Sitz der Potsdamer SED-Bezirksleitung, im Volksmund „Kreml“ genannt, hat eine schlagzeilenträchtige Vorgeschichte. Von 2015 bis September 2018 hatte die Stadt das Gebäude nämlich als Flüchtlingsunterkunft angemietet. Zeitweise lebten mehrere Hundert Geflüchtete in Potsdams größter Gemeinschaftsunterkunft. Das Engagement hat sich für den Investor durchaus ausgezahlt: 1,63 Millionen Euro Miete wurden dafür jährlich fällig. Der Mietvertrag lief über drei Jahre. 

Gut für den Investor war der Deal auch vor folgendem Hintergrund: Erst kurz zuvor war das Grundstück vom Land an den neuen Inhaber für 8,65 Millionen Euro verkauft worden. Danach gab es Zweifel sowohl am Vergabeverfahren als auch am tatsächlichen Wert der Immobilie. Die damalige CDU-Opposition im Landtag kritisierte, dass das Land bis zu 24 Millionen Euro hätte einnehmen können – was freilich bestritten wurde. Ferner stimmten die Stadtverordneten in der Zeit der Projektplanung auch einem städtebaulichen Vertrag zu, mit dem auf dem Areal deutlich mehr gebaut werden kann, als ursprünglich vorgesehen. (mit mar)

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