• Potsdamer Blogger: Tram-Fans, Hausbesetzer und Kiezreporter

Potsdamer Blogger : Tram-Fans, Hausbesetzer und Kiezreporter

In Potsdam gibt es lesenswerte Blogs. Zwischen Reiseberichten und Alltagsbeobachtungen ist die Vielfalt groß. Eine Übersicht über Potsdams beste, spannendste und meistgelesene Blogs

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09.09.2013 22:45

Reiseberichte, politische Statements, Veranstaltungshinweise, witzige Netzfunde, Buchrezensionen, Alltags-Beobachtungen oder Spezial- und Fach-Themen – dies und vieles mehr kann der Inhalt von Internet-Blogs sein. Auch in und über Potsdam gibt es eine ganze Reihe von Blogs, die zu entdecken sich lohnt.

Gen Potsdam

Ihren ganz eigenen Blick auf die Landeshauptstadt präsentieren die Zugezogenen Jessy und Uwe Große-Wortmann auf „Gen Potsdam“ (www.genpotsdam.blogspot.de): „Wir sind nach Potsdam gezogen und waren als gebürtige Ostwestfalen von der Stadt und den vielen neuen Befindlichkeiten derart fasziniert, dass wir unsere Erfahrungen gerne an andere weiterreichen wollten“, sagt Jessy Große-Wortmann. In dem 2012 gestarteten Blog finden sich unter Kategorien wie „Easter Eggs“, „Alltag für Dummys“ oder „Mampftime“ Erfahrungsberichte über die erste getrunkene „Potsdamer Stange“, die Benutzung eines Kunst-Automaten oder die Empfehlung des holländischen Cafes „Poffertjes en Pannekoeken“. Unter dem Titel „Kann man das essen?“ haben die Autoren für sie ungewohnte Begriffe wie „Fettbemme“, „Knast haben“ oder „Sättigungsbeilage“ aufgelistet und „übersetzt“. Auch Kuriositäten wie ein altes VEB-Schild in der Werner-Seelenbinder-Straße werden fotografiert und gepostet.

PotsTram

Der Blog „PotsTram“ (www.tram2000.blogspot.de) konzentriert sich auf ein ganz bestimmtes Stück Potsdams: seine Straßenbahnen. Der seit 2007 existierende Blog ist ein Seitenprojekt von www.tram2000.de, einer Webseite, die sich den Potsdamer Trams von 1900 bis heute widmet, während „PotsTram“ aktuelle Ereignisse bloggt. Das reicht von Hintergründen zu Verkehrsstörungen und Unfällen über Einschätzungen zum Tramausbau nach Stahnsdorf bis hin zu Meldungen, dass die kasachische Stadt Temirtau ihr Tram-Netz mit dem Ankauf von Potsdamer Straßenbahnen retten wollte: „Besonders die funktionierende Wagenheizung fand in der örtlichen Presse große Begeisterung“, heißt es im Artikel. Komplettiert wird der Blog durch viele Fotos moderner und historischer Straßenbahnen aus Potsdam und aller Welt, die Autor Robert Leichsenring auf seinen Reisen entdeckt.

Velo Jello Bike-Blog

Einem anderen Fortbewegungsmittel ist der seit März 2013 bestehende „Velo Jello Bike-Blog“ (www.velojelloblog.wordpress.com) gewidmet: Die Potsdamerin Veronica Cacean schreibt hier regelmäßig über ihre Rennrad-Leidenschaft. „Auf die Idee, einen Blog zu schreiben, hat mich mein Mann gebracht, der wahrscheinlich langsam müde wurde, sich täglich mein Gerede über Fahrräder anzuhören“, scherzt sie. Neben Berichten von Wettkampf-Rennen dokumentiert die passionierte Schrauberin auch, wie sie Oldtimer-Rennräder wiederaufarbeitet und dafür auf die Jagd nach Ersatzteilen geht. Technische Fragen erörtert Cacean ebenso wie Trends, etwa gestrickte Woll-Überzüge für Lenker und Sattel, die die Bikerin in Potsdam gesichtet hat.

Einfach raus

Mit 57 Jahren zählt Dieter Weirauch zu den wenigen älteren Bloggern Potsdams: Auf „Einfach raus“ (www.dieterweirauchblog.de) schreibt der für den Axel-Springer-Verlag tätige Journalist seit zwei Jahren für die Generation 50-Plus über Freizeitaktivitäten und Ausflugsziele in und um Potsdam und gibt Verbrauchertipps („Welches Handy für Senioren?“). Da Weirauch der Bürgerinitiative zur Verlegung der Hochspannungsleitung durch Marquardt angehört, berichtet der Blog oft über aktuelle Entwicklungen zum Thema. Obwohl Weirauch mit zwei bis drei Artikeln pro Woche bereits sehr aktiv ist, betreibt er auf dem Axel-Springer-Reiseportal „My-Entdecker“ zusätzlich den Blog „Weirauchs Potsdam“ (www.potsdam.my-entdecker.de), der Ereignisse wie das „Luisenfest“ oder die ersten Flugversuche der Störche am Schlänitzsee behandelt.

Voll im Leben mit Behinderung

Wie es sich in Potsdam mit einer Behinderung lebt, erfährt man auf „Voll im Leben mit Behinderung“ (www.voll-im-leben-mit-behinderung.blog.de): Hier schreibt die Potsdamerin Anke Landeck seit 2012 unregelmäßig über ihre Alltagserfahrungen; etwa darüber, wie schwierig sich die Besichtigung der Stadtschloss-Baustelle im Rollstuhl gestaltet.

Potsdamer Köpfe

Auch die Universität Potsdam bloggt: „Potsdamer Köpfe“ (www.uni-potsdam.de/db/up_blog/) heißt der offizielle Uni-Blog, auf dem Veranstaltungen auf dem Campus vom Uni-Kino bis zu Ankündigungen von Antrittsvorlesungen hingewiesen wird. Inhalte können von allen Universitätsangehörigen an das Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit herangetragen werden.

Ohne Garnisonkirche

Anfang 2012 nahm der Blog der Bürgerinitiative für ein Potsdam ohne Garnisonkirche (www.ohnegarnisonkirche.wordpress.com) seinen Betrieb auf und löste damit die alte Webseite ab, die noch nicht in Blog-Form gehalten war. Verschiedene Autoren der Initiative kommentieren hier den umstrittenen Kirchenneubau und berichten über aktuelle Entwicklungen und Protestaktionen.

Antifaschistische Recherche

Ein weiterer politisch engagierter Blog ist die „Antifaschistische Recherche_Potsdam/Umland“ (www.arpu.blogsport.eu), welche unregelmäßig die Aktivitäten rechter Gruppierungen wie von den „Freien Kräften Potsdam“ ins Visier nimmt, über Neonazis in Potsdamer Sport- und Fußballvereinen sowie über das Erscheinen Potsdamer Neonazis beim NSU-Prozess in München berichtet. Der seit 2011 bestehende Blog nimmt zudem Meldungen über Neonazi-Aktivitäten in Potsdam entgegen.

La Datscha

Bloggen tun auch die Bewohner des seit 2008 besetzten Hauses „La Datscha“ am Babelsberger Park (www.ladatscha.blogsport.de): Die Autoren informieren regelmäßig über links-alternative Initiativen, Zwangsräumungen und Ereignisse rund um die Hausbesetzer-Szene in Potsdam, etwa über den Stiftstraßen-Prozess.

Das Netzgrummeln

Brandenburgs vielleicht bekannteste Bloggerin kommt aus Potsdam: Martina Wilczynski äußert sich sowohl als Moderatorin des Lokalradios „SchlaatzFM“ als auch über ihren 2007 gestarteten Blog „Das Netzgrummeln“ (www.martinawilczynskimeinung.blog.de) über Politisches. Besonders bei homophoben Ausfällen der Bild-Zeitung oder sexistischen Fernseh-Trailern zur Frauenfußball-EM zieht es die stellvertretende Bundesvorsitzende des AK Lesben und Schwule in der SPD zur Tastatur.

Kiezreporter

Gleichzeitig gehört Wilczynski zu den „Kiezreportern“ (www.schlaatz.de/kiezreporter.de) von der Initiative „Schlaatzer Allianz“, der unter anderem der Verein Soziale Stadt angehört. Seit 2012 berichten hier Schlaatzer über Spaziergänge an der Nuthe, abgedrehtes Warmwasser im Otterkiez, die Einweihung eines „Schnullerbaumes“ oder Themen wie „Altbürger und Neubürger in Potsdam – Wie geht das zusammen?“.

 

Fazit: Es gibt einige lesenswerte Blogs aus Potsdam, aber es könnten mehr sein. „In Potsdam entwickelt sich alles sehr langsam im Vergleich zu Berlin“, findet Dieter Weirauch. Der Blogger würde sich freuen, wenn mehr ältere Menschen bloggen würden, und wünscht sich ein „altersunabhängiges Bloggertreffen“ für Potsdam. „Vielleicht gibt es ja mal beim Hasso-Plattner-Institut eine Initiative, die die Grundlagen des Bloggens vermittelt“, sagt Weirauch.

Auch PNN-Autor Erik Wenk bloggt: Unter dem Motto „Unser Denken soll schöner werden“ veröffentlicht er auf www.elfenbeinbungalow.de philosophische Essays und Comics

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