Potsdam : Wechsel auf den Chefsesseln

In den kommenden Jahren gehen viele Führungskräfte in Potsdam in Rente, viele Chefposten in Behörden und wichtigen Einrichtungen werden frei. Ein Überblick.

In Potsdam werden in den kommenden Jahren viele Chefposten frei.
In Potsdam werden in den kommenden Jahren viele Chefposten frei.Foto: dpa

Potsdam - Generationswechsel in Potsdams Großverwaltungen: Behörden und andere wichtigen Einrichtungen bekommen immer stärker den demografischen Wandel zu spüren. In den kommenden Jahren hören viele Führungskräfte auf, gerade auch in der Stadtverwaltung. Die PNN geben einen Überblick zu dem Thema – und zeigen, wie mit dem absehbaren Problem umgegangen wird.

 

Das Potsdamer Rathaus

Ihre Namen sind vielen Potsdamern inzwischen geläufig: Kulturdezernentin Iris Jana Magdowski (CDU), Marina Kluge, die langjährige Chefin des Ordnungsamts, Feuerwehroberst Wolfgang Hülsebeck, Straßen- und Grünflächenmanager Norbert Praetzel oder der Chef des Fachbereichs Soziales und Gesundheit, Frank Thomann. Gemeinsam haben sie, dass sie nach PNN-Informationen in wenigen Jahren, teils sogar Monaten in Rente gehen.

Genaue Auskünfte zu einzelnen Rathaus-Mitarbeitern wollte Stadtsprecherin Christine Homann aus Datenschutzgründen zwar nicht geben. Allerdings werde sich gerade auf der Fachbereichsleiter-Ebene – also bei den Ämterchefs – bis 2023 ein „Generationenwechsel“ vollziehen. Für rund 40 Prozent der rund 20 Fachbereiche in der Stadtverwaltung müssten wegen Altersrente neue Chefs gesucht werden, so Homann. Auf Bereichsleitungsebene liege der Anteil bei rund 34 Prozent. „Damit verbunden sind entsprechende Anstrengungen zur Nachwuchsentwicklung und zur Rekrutierung von Führungskräften“, sagte Homann. So bestünden Programme zur Qualifizierung von Beschäftigten zur Vorbereitung auf künftige Führungsaufgaben, die intern und ausdrücklich gewollt auch probeweise übertragen werden könnten.

Ebenso verwies Homann auf knapp zwei Jahre alte Statistiken für die mehr als 2000 Mitarbeiter der Stadtverwaltung. Diese Analysen würden gerade überarbeitet. Demnach war bereits Ende 2014 rund ein Viertel des verfügbaren Personals der Stadt über 55 Jahre alt. Damit liege Potsdams Rathaus im öffentlichen Dienst zwei Prozentpunkte über dem bundesdeutschen Durchschnitt, der einen Ü55-Anteil von 24 Prozent besitzt. Bis einschließlich 2023 würden mindestens 370 Mitarbeiter altersbedingt das Rathaus verlassen. „Dies wird insbesondere ab dem Jahr 2020 eine Herausforderung darstellen.“ Denn dann würden jährlich mehr als 60 Mitarbeiter gehen. Zur Einordnung: Derzeit besetzt die Stadt im Schnitt zehn Ausbildungsplätze neu.

 

Die Universität Potsdam

Mit dem demografischen Wandel kämpft auch die Universität Potsdam. 248 Mitarbeiter sind aktuell über 60, bei knapp 2130 Mitarbeitern entspricht das einem Anteil von elf Prozent. Dazu kommen 472 Angestellte und Beamte, die älter als 50 Jahre sind – 22 Prozent. Diesen stehen aber immerhin 961 Mitarbeiter gegenüber, die zwischen 20 und 30 Jahre alt sind – das sind 45 Prozent.

Zugleich werden nach Angaben der Universität bis Ende 2020 voraussichtlich 30 Professuren oder Institutsleitungen altersbedingt aus dem Arbeitsleben ausscheiden. Allerdings lägen schon jetzt 52 Leitungsposten in der Ü60-Gruppe – also mehr als eigentlich gehen. Uni-Sprecherin Silke Engel erklärte, gerade im Professoren-Bereich würde der Ruhestand herausgeschoben oder sogenannte Seniorprofessuren eingerichtet, um den Generationenübergang zu gestalten. Aber auch vorgezogene Nachbesetzungen, Doppelbesetzungen oder Lebenszeitprofessuren für den wissenschaftlichen Nachwuchs kämen zum Einsatz.

 

Kommunale Unternehmen

Die kommunale Bauholding Pro Potsdam kommt bei der Altersstruktur ihrer 40 Führungskräfte auf ähnliche Werte wie das Rathaus. Demnach sind 25 Prozent – also zehn Personen – älter als 55 Jahre. Allerdings seien auch zehn Führungskräfte unter 40 Jahre alt, sagte Sprecherin Jessica Beulshausen. Insgesamt seien von 285 Mitarbeitern rund 38 Prozent älter als 50 Jahre, 62 Prozent aber auch unter 40 Jahre alt. „Wir beginnen schon frühzeitig, eigene Fachkräfte auszubilden und aufzubauen“, so Beulshausen. Unter anderem setze man auf laufende Qualifizierung und eine familienfreundliche Gestaltung der Arbeitswelt. „Der Anteil der Auszubildenden an der Belegschaft ist überdurchschnittlich hoch und liegt dauerhaft bei zehn Prozent“, so Beulshausen. Zusätzlich bietet man die Möglichkeit an, ein duales Studium zu absolvieren. „Wir versuchen, auch viele Führungspositionen mit eigenem Personal zu besetzen.“ Im kommenden Jahr wird demnach der langjährige Pro-Potsdam-Chef Horst Müller-Zinsius das Unternehmen verlassen. Ein Nachfolgeduo steht mit den beiden weiteren, deutlich jüngeren Geschäftsführern Bert Nicke und Jörn-Michael Westphal aber schon bereit.

Die Pro Potsdam hatte auch – zusammen mit dem Klinikum „Ernst von Bergmann“ und der Stadt Potsdam – an einem vor drei Jahren beendeten Verbundprojekt „Neue Horizonte und Balancen“ teilgenommen, bei dem unter der Ägide des Potsdamer Vereins „Selbstbewusst altern in Europa“ diverse Strategien und Verfahren „demografiefester Personalbindung“ konzipiert wurden. Ein Ergebnis war laut Abschlussbericht ein Vertrag der Stadt mit der Krankenkasse AOK, wonach Leitungskräften einmal im Jahr ein zweitägiger Kurs „Gesund führen“ angeboten wird. Grund sei auch die Zunahme von Gesundheitsgefahren – etwa Burn-out –, gerade für Führungskräfte, wie es in dem Bericht heißt.

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