• Potsdam wächst: Niemand baut wie Potsdam

Potsdam wächst : Niemand baut wie Potsdam

Bei Bevölkerungswachstum und Wohnungsneubau liegt Potsdam im bundesweiten Vergleich der Landeshauptstädte an der Spitze. Das zeigt ein neuer Statistikbericht. Ein Überblick

Pendlerstadt. 47 800 Menschen pendeln zum Arbeiten nach Potsdam, 32 000 fahren beruflich aus der Stadt heraus.
Pendlerstadt. 47 800 Menschen pendeln zum Arbeiten nach Potsdam, 32 000 fahren beruflich aus der Stadt heraus.Foto: Andreas Klaer

Wohnen, arbeiten, lernen: Der statistische Bericht zum Vergleich der Landeshauptstädte, der am gestrigen Montag im Potsdamer Rathaus vorgestellt wurde, deckt alle Lebensbereiche ab. Seit 22 Jahren wird der Bericht in jedem Frühjahr veröffentlicht. Mehrere Monate arbeiten die Potsdamer Statistiker daran, in allen Bundesländern die Daten einzuholen, zu vergleichen und aufzubereiten. Potsdam, so kommentierte Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) die Ergebnisse, brauche sich nicht zu verstecken. Ab dem heutigen Dienstag steht der Bericht „Landeshauptstädte im Vergleich“, der mit Zahlen von 2016 arbeitet, auch zum Download auf der Homepage der Stadt unter www.potsdam.de zur Verfügung.

PROFIL DER POTSDAMER

Die Potsdamer sind besonders jung, bekommen viele Kinder, die sie betreuen lassen, und sind selten arbeitslos: Das sind zusammengefasst einige der Fakten über das Profil der Bewohner der Stadt. Das Durchschnittsalter von 42,4 Jahren bringt Potsdam einen fünften Platz im Bundesvergleich ein. Bei der Geburtenrate landet die Stadt sogar auf Platz drei. Bei der Betreuungsquote reicht es für den Spitzenplatz: 67,5 Prozent der null bis 14-jährigen Potsdamer Kinder werden in Kita, Kindergarten oder Hort betreut. Zum Vergleich: In Berlin sind es nur 33,8 Prozent. Die Arbeitslosenquote ist mit 6,2 Prozent ebenfalls unter dem Bundesschnitt, Platz drei unter den Landeshauptstädten. Bei der Studentendichte reicht es sogar für Platz zwei.

BEVÖLKERUNGSWACHSTUM

Potsdam wächst. Das ist nicht neu, aber im Bundesvergleich trotzdem beeindruckend: 2016 nahm die Bevölkerung um 2,4 Prozent zu, auf fast 171 600. Das war die größte Steigerungsrate aller Hauptstädte. Gefolgt wird Potsdam von Wiesbaden, Mainz und Berlin, alle mit einem Wachstum von 1,7 Prozent. In Potsdam setzt sich der Bevölkerungszuwachs zusammen aus einem positiven natürlichen Saldo – es gab über 370 Geburten mehr als Todesfälle – und einem deutlichen Zuzug. Es zogen mehr als 3500 Menschen mehr in die Stadt als aus ihr weg.

Für diese Kennzahl liegen auch die Daten für 2017 bereits vor und sie zeigen, dass sich der Trend fortsetzt: Ende des Jahres lebten in Potsdam 175 700 Menschen, 4100 mehr als im Vorjahr. Noch ist Potsdam die zweitkleinste Landeshauptstadt, aber in wenigen Jahren könnte sie Saarbrücken überholen. Oberbürgermeister Jakobs wertete das rasante Wachstum positiv: „Das ist ein Ausdruck von Attraktivität.“ Um den positiven Trend fortzusetzen, müsse die Infrastruktur wie Schulen, Kitas, Wohnungen und öffentlicher Nahverkehr mitwachsen.

Jens Werthwein, Geschäftsführer Wirtschaft der Industrie- und Handelskammer Potsdam, mahnt, im Interesse der regionalen Wirtschaft bei den Planungen das schon jetzt erhebliche Verkehrsproblem in der Innenstadt zu berücksichtigen. Auch müsse die Ausgewogenheit von Wohnen und Arbeiten beispielsweise in Krampnitz eine größere Rolle spielen.

BAU VON WOHNUNGEN

Zumindest beim Neubau von Wohnungen geht es schnell voran: In Potsdam wird im Verhältnis zu seiner Einwohnerzahl so viel gebaut wie in keiner anderen Landeshauptstadt. 2016 wurden über 1600 Wohnungen fertiggestellt, 30 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Zahl der Baugenehmigungen ging zwar im Vergleich zu 2015 leicht zurück, war aber trotzdem im Bundesvergleich besonders hoch. Besonders deutlich wird der Bauboom, wenn man die Zahlen ins Verhältnis setzt zum Bestand: Je 1000 Wohnungen wurden 21,5 Baugenehmigungen erteilt. Damit ist Potsdam einsame Spitze, es folgen Düsseldorf mit 13,7 und München 12,3. Bei den Fertigstellungen ist es ähnlich. Je 1000 Wohnungen wurden in Potsdam 18,3 neue Wohnungen fertig, gefolgt von Dresden und München mit 9,9. „Das ist sensationell“, sagte Jakobs über den Wohnungsneubau. „Dafür beneiden uns alle – wir werden vielfach gefragt, wie wir das schaffen.“ Jakobs klopft sich selbst auf die Schulter: „Wir sind richtig fix gewesen im Ausweisen von Bauflächen.“

WIRTSCHAFT UND ARBEIT

Die gute konjunkturelle Lage Deutschlands 2016 schlug sich auch in den Zahlen für Potsdam wieder. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Erwerbstätigem stieg um 2,9 Prozent auf knapp 60 000 Euro, der höchste Wert in Ostdeutschland. Doch der Vergleich mit anderen Hauptstädten zeigt, wie sehr die ostdeutschen Städte noch immer hinter den westdeutschen herhinken: In München lag der Wert bei 98 000, in Stuttgart sogar bei 100 000.

Auch die Löhne sind gestiegen. Rund 30 000 Euro brutto verdiente jeder Potsdamer Arbeitnehmer im Schnitt pro Jahr, 3,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Im ostdeutschen Vergleich ein guter Wert, aber in Düsseldorf, München und Stuttgart lag der Bruttoverdienst jeweils deutlich über 40 000 Euro.

Der Rückstand auf den Westen ist ein Punkt, für den sich Jakobs in Zukunft weiteren Fortschritt wünscht: „Natürlich würde ich beim BIP gerne weiter vorne liegen, auch bei der Steuerquote, und noch mehr Kaufkraft vor Ort halten“, so Jakobs. „Da ist noch Luft nach oben.“ Allerdings habe die Stadt bei diesen Faktoren nicht so viel Gestaltungsspielraum.

PENDELVERKEHR

Potsdam bleibt eine Pendlerstadt – in beide Richtungen. 47 800 Menschen pendeln nach Potsdam. Das bedeutet, dass über die Hälfte der Arbeitsplätze in der Stadt, 58,5 Prozent, von Personen besetzt sind, die nicht hier wohnen. Im Bundesvergleich rangiert Potsdam damit unter den vorderen Rängen. Zugleich ist die Stadt, bedingt durch den großen Nachbarn Berlin, Spitzenreiterin bei den Auspendlern: über 32 000 Potsdamer pendeln zum Arbeiten in eine andere Stadt.

GESUNDHEIT UND VERWALTUNG

Beim Thema Gesundheit, so betonte die Leiterin des Statistischen Informationsdienstes, Heike Gumz, „ist Potsdam sehr gut aufgestellt“. In keiner Landeshauptstadt sei der Versorgungsgrad durch frei praktizierende Ärzte so hoch. Auch wenn das subjektiv anders wahrgenommen werde, wie Jakobs betonte – Stichwort Ärztemangel in Potsdams Norden.

Im Vergleich zu anderen Bundesländern hat die Potsdamer Verwaltung eher weniger Mitarbeiter – und bundesweit den niedrigsten Anteil an Beamten.

WAHLEN

Erstmals untersucht wurde in diesem Jahr für den statistischen Bericht das Thema Wahlen. Die Wahlbeteiligung bei den Bundestagswahlen 2017 war in Potsdam verhältnismäßig hoch, beim Anteil der Briefwähler landet die Stadt dagegen im Mittelfeld.