• Potsdam vor der OB-Wahl: AfD-Mann will Rathauschef werden

Potsdam vor der OB-Wahl : AfD-Mann will Rathauschef werden

Der 28 Jahre alte Geografie- und Geschichtslehrer aus Potsdam, Dennis Hohloch, der den AfD-Jugendverband Junge Alternative (JA) leitet, will Oberbürgermeister werden. Für Potsdam will er einen Zuzugsstopp von Flüchtlingen durchsetzen.

Foto: Sebastian Gabsch

Potsdam - Nach einer Kampfabstimmung hat die AfD erstmals einen Spitzenkandidaten für die Oberbürgermeisterwahl am 23. September bestimmt: den 28 Jahre alten und in Berlin tätigen Geografie- und Geschichtslehrer Dennis Hohloch, der auch die zweiköpfige Stadtfraktion der Partei und den brandenburgischen AfD-Jugendverband Junge Alternative (JA) leitet. Hohloch setzte sich am Samstag bei einer nicht-öffentlichen Mitgliederversammlung der Potsdamer AfD mit 60 Prozent der Stimmen gegen den Pensionär Herbert Heider durch, der schon als Sprecher der Potsdamer AfD und früher der fremdenfeindlichen Pogida-Märsche aufgetreten ist. Die Wahl fand nach PNN-Informationen in einem nicht näher genannten Lokal statt, es waren rund 20 Stimmberechtigte vor Ort.

Hohloch, einst Mitglied der Potsdamer SPD, gilt als Vertreter des rechten Lagers der Partei - was er selbst allerdings bestreitet. Am Sonntag teilte er auf PNN-Anfrage mit, ein Schwerpunktthema seines Wahlkampfs werde ein Zuzugsstopp für Flüchtlinge nach Potsdam sein – was freilich nur das Land Brandenburg verfügen kann. Hohloch begründete seine Forderung mit den „Ereignissen in Cottbus“, wo es wiederholt zu Auseinandersetzungen zwischen Syrern und Deutschen gekommen war. „In Potsdam müssen wir nicht warten, bis solche Ereignisse auch hier um sich greifen.“ Ebenso wolle er die Unterbringung von Asylbewerbern in Wohnungsverbünden stoppen – diese als Potsdamer Modell bekannte Politik soll für Integration sorgen. Hohloch sagte, ein OB sei zuallererst „seinen Potsdamern verpflichtet“. Als weitere Themen für seinen Wahlkampf nannte Hohloch die Ausweitung des sozialen Wohnungsbaus und die stärkere Digitalisierung und bessere Ausstattung von Potsdamer Schulen. Er setze auch auf eine „ganz klar autofreundlichere Politik“ und sei für eine „Forcierung der Havelspange“ – er will also, dass die rund neun Millionen Euro teure Brücke über die Havel gebaut wird, was schon vor Jahren am Widerstand unter anderem von Umweltschützern scheiterte. Er sei aber auch für die „schnellstmögliche Verlängerung der Straßenbahntrasse nach Krampnitz“, ergänzte Hohloch.

Hohloch verhöhnte in einem Flugzeug den Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime

Hohloch sitzt seit der Kommunalwahl 2014 im Stadtparlament. Seine Arbeit dort beschränkt sich bisher im Wesentlichen auf Kleine Anfragen an die Rathausspitze. Anträge der AfD haben Seltenheitswert – die letzte Forderung betraf die Sanierung eines Denkmals für im Ersten Weltkrieg gefallene Sanitäter, was aber von den Stadtverordneten als erledigt klassifiziert wurde, weil das Denkmal von der Stadt fortlaufend gepflegt wird.

Aufgefallen war Hohloch vor rund einem Jahr, als er in einem Flugzeug den zufällig in seiner Nähe sitzenden Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime, Aiman A. Mazyek, verhöhnte (PNN berichteten). Zudem hatte seine Fraktion 2016 gefordert, ein Theaterstück um Flüchtlingshelfer am Hans Otto Theater nicht aufzuführen. Später beschwichtigte er, es sei nicht bezweckt gewesen, sich in die künstlerische Freiheit einzumischen. Die JA von Hohloch war zuletzt wegen von ihr entworfenen „Merkel Jagd Club“-Shirts in die Kritik geraten. Auf den Shirts befinden sich im Hintergrund zwei Schusswaffen und zwei blaue Kornblumen, ein geläufiges Erkennungszeichen der Nazis im Österreich der 1930er-Jahre.

Auch in anderer Hinsicht stellte sich die Partei, die bei der Bundestagswahl in Potsdam 12,8 Prozent holte, neu auf. Als Kreisvorsitzender wurde der Bundestagsabgeordnete René Springer gewählt. Der 1979 geborene Babelsberger folgt auf den AfD-Landtagsabgeordneten Thomas Jung, der nicht noch einmal antrat. 

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