• Potsdam Stiftung Kremer: Verliebt in Potsdam

Potsdam Stiftung Kremer : Verliebt in Potsdam

Ein Mann aus Westfalen gründete vor 15 Jahren eine Stiftung, um Häuser in Potsdam zu sanieren. Heute kann Hermann Kremer auf einige Projekte schauen, die er realisiert hat: Unter anderem das Museum der Kolonie Alexandrowka und zwei Häuser am Bassinplatz.

Mag alte Häuser. Hermann Kremer vor dem Museum Alexandrowka.
Mag alte Häuser. Hermann Kremer vor dem Museum Alexandrowka.Foto: A. Klaer

Potsdam - Es war Mitte der 1990er-Jahre, Hermann Kremer aus Westfalen war in Potsdam zu Besuch und stieß beim Spazierengehen auf die Kolonie Alexandrowka. Er war einigermaßen irritiert über das russische Dörfchen mitten in der Stadt. „Aber da war niemand, den ich fragen konnte, es gab auch nichts zu besichtigen, kein Museum, kein Café“, sagt Kremer. Mit seiner Spürnase für besondere Objekte war ihm dennoch klar, dass das hier etwas Besonderes ist, etwas, was man erhalten – und vor allem instand setzen – musste. Also gründete der heute 75-jährige Arzt aus Haltern in Westfalen am 15. Dezember 2001 aus privaten Mitteln eine Stiftung. Das Ziel: Förderung von Kunst, Kultur und Denkmalpflege in Brandenburg.

Museum der Kolonie Alexandrowka eröffnete 2005

Heute, nach 15 Jahren, kann Kremer auf einige Projekte schauen, die er mithilfe der Potsdam Stiftung Kremer realisiert hat, darunter das Mozarthaus fertig, Am Bassin 10. Hier wurden im Obergeschoss sogar originale Fresken aus der Erbauungszeit entdeckt, freigelegt und wiederhergestellt. Kremer ist regelmäßig vor Ort, betreut und überwacht die letzten Arbeiten. Eigentlich wäre es nun Zeit, ein neues Projekt zu beginnen. Aber Hermann Kremer schüttelt den Kopf. Er ist sich nicht ganz sicher, ob er weitere Sanierungsvorhaben alleine stemmen kann. Dazu bräuchte er Hilfe – finanzieller und personeller Art. Es würde ihn freuen, wenn sich jüngere Mitstreiter für die Arbeit der Stiftung finden würden.

Kremer war selber sehr jung, noch ein Schüler, als er sich für Architektur zu interessieren begann. Tatsächlich hatte er nach dem Abitur einen Studienplatz für Architektur in der Tasche. Doch eine Woche vor Semesterbeginn entschied er sich für Medizin. „Ich wollte immer was mit Menschen machen und hatte Angst, dass ich hinterm Schreibtisch im Architekturbüro vereinsamen würde“, sagt er.

Als die russische Kolonie noch ein verlottertes Durcheinander war

Aber das Interesse blieb. Als er nach der Wiedervereinigung bei Reisen in den Osten die marode Bausubstanz entdeckte, darunter die vielen Baudenkmale, war er erst entsetzt und bekam dann Lust. Er suchte nach einem Objekt, das er sanieren konnte und kaufte zunächst eine alte Ziegelei in Päwesin (Potsdam-Mittelmark), die er vor dem Abriss rettete, indem er zunächst dafür den Denkmalschutzstatus beantragte und dann sanierte. Der ruhige Ort am Beetzsee wurde auch Familienferiendomizil. Kremer fuhr von hier aus oft nach Potsdam, wo er die russische Kolonie entdeckte. Die damals ein verlottertes Durcheinander war, sagt er, heruntergekommene Häuser, Garagen, Schuppen, wilde Gärten. Er kaufte Haus Nummer acht, sanierte und vermietete anschließend an Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD). Danach kam das Museumsprojekt. Und dann wurde er eines Tages angesprochen. Er sei doch dieser verrückte Mann, der immer alte Häuser sucht. Man hätte da was für ihn.

„Das war Am Bassin 3, ein Haus von Gontard“, sagt Kremer. Kaputt wie viele damals noch. „Aber so schlimm ein Haus auch immer aussieht, ich kann mir immer vorstellen, dass es gut wird“, sagt er zu seiner Motivation. In diesem Haus ließen sich alle sieben originalen Kamine und Züge instand setzen, das sei schon etwas Besonderes, erzählt er begeistert.

Manchmal war er "der reiche Wessi", der plötzlich vor der Tür stand

Diese Fantasie brauchte er auch, als er das Haus für das künftige Museum sanierte und den historischen Garten wieder in Ordnung brachte. Dazu kamen – verständlicherweise – Querelen mit Bewohnern, die vor der Sanierung natürlich ausziehen mussten. Er war dann doch manchmal der reiche Wessi, der hier plötzlich vor der Tür stand. Aber Kremer hatte Zeit und Geduld. Das half und hilft ihm bis heute bei der Zusammenarbeit mit Bauamt und Denkmalschutzbehörde. „Es ist gut, wenn man sich bei Meinungsverschiedenheiten auch mal in die andere Seite hereinversetzt“, sagt Kremer.

Das Museum, Herzstück der Stiftung, die es finanziert und gemeinsam mit dem Förderverein betreibt, läuft heute gut. 8000 Besucher kommen jedes Jahr. „Natürlich gibt es noch Potenzial“, sagt Kremer. Vor allem, was die Aufarbeitung der Geschichte betrifft, es gebe noch viel unerforschtes Material, das noch keiner untersucht hat. „Da ist unendlich viel zu tun.“

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