• Potsdam: Potsdamer klagen über Variobahn

Potsdam : Potsdamer klagen über Variobahn

Schmale Durchgänge, enge Sitze, lautes Quietschen: Verkehrsbetrieb will auf die Kritik reagieren

Guido Berg

Die Variobahn soll besser werden: Nach breiter Kritik von Fahrgästen an der neuen Potsdamer Tram will der Verkehrsbetrieb (ViP) nun reagieren. Gemeinsam mit der Firma Stadler, dem Hersteller der Niederflurstraßenbahn, prüft der ViP derzeit Verbesserungen. Konkrete Maßnahmen will ViP-Chef Martin Grießner aber erst nach der nächsten Aufsichtsratssitzung Ende Mai bekannt geben.

Die Fahrgäste kritisieren vor allem die engen Sitzplätze, eine als zu klein empfundene Durchgangsbreite und störende Fußbodenschrägen. Gering sei auch das Verständnis für die Eltern-Kind-Sitze, sogenannte „Eineinhalb-Stuhler“, die für zwei erwachsene Personen zu schmal sind. „Wir sitzen das Problem nicht aus“, erklärte ViP-Chef Grießner gestern vor Journalisten. Die von Fahrgästen wahrgenommen laut quietschenden Geräusche bei der Kurvenfahrt ließen sich jedoch aufgrund der Niederflurbauart nur abmindern, nicht ausschalten. „Es gibt Dinge, die können wir ändern, andere nicht, weil sie technisch vorgegeben sind“, so Grießner.

Bereits sicher ist, dass die bislang als reine Gepäckablagen genutzten Sitze an den Türen – als sogenannte „Fakir-Sitze“ bislang nur mit groben Gummistollen überzogen – nun gepolstert werden. Die Fahrgäste hätten da ohnehin Platz genommen, da können sie es auch bequem haben, so der Tenor. Wie schon zu einem früheren Zeitpunkt angekündigt, soll die Variobahn zudem mit mehr Haltestangen und Halteseilen ausgerüstet werden. Passagiere hatten mehr Festhaltemöglichkeiten angemahnt (PNN berichteten). Bei der Innengestaltung der Variobahn hat der ViP eigentlich Erfahrungen einfließen lassen, die Fahrgäste und Verkehrsbetrieb mit der Combino-Tram des Herstellers Siemens gemacht haben, wie die Variobahn ebenfalls eine hundertprozentige Niederflurstraßenbahn. „Wir haben das Beste gewollt“, sagte Grießner und ergänzte: „Plötzlich sind alle mit den Combinos sehr zufrieden.“ Das sei nicht immer der Fall gewesen.

Der ViP-Chef sowie der Leiter der Fahrzeuginstandsetzung des ViP, Rainer Monack, warben gegenüber den PNN für Verständnis hinsichtlich technisch-baulicher Unabänderlichkeiten. Die höhere Geräuschintensität sei der hundertprozentigen Niederflurbauweise geschuldet. „Das gilt für die Variobahn wie für den Combino“, sagte Monack. Anders als die hochflurige Tatra-Bahn besitzen komplette Niederflurbahnen „keine reinen Drehgestelle“. Monack: „Die laufen härter durch die Kurven als die Tatra-Bahn.“ Mit Spurkranzschmieranlagen in den Fahrzeugen, aber auch stationären Schmieranlagen „vor brisanten Stellen“ werde versucht, die Fahrgeräusche zu mindern, sagte Monack weiter. Zudem könnten bei Hochflurbahnen wie der Tatra-Bahn aus Platzgründen „viel mehr Dämmung verbaut werden“, sagte der Instandhaltungschef. ViP-Chef Grießner ergänzte, der Einsatz von Niederflurbahnen werde von gehbehinderten Fahrgästen, aber auch von Eltern mit Kinderwagen gefordert und sei daher alternativlos.

Monack zufolge ist es ebenfalls nicht möglich, den Mittelgang im vorderen und hinteren Bereich zu verbreitern. Die Durchgangsbreite werde bestimmt durch Sitzkästen, die nicht verkleinert werden könnten. Der Grund: Im Inneren dieser Kästen befinden sich die Radnarbenmotoren für den Antrieb der Bahnen.

Die erste der in Berlin hergestellten Variobahnen hatte am 17. September vergangenen Jahres in Potsdam ihren Fahrgastbetrieb aufgenommen. Gegenwärtig sind sieben der insgesamt 18 zum Stückpreis von etwa 2,5 Millionen Euro bestellten Straßenbahnen an Potsdam ausgeliefert worden. Sechs Variobahnen befinden sich Grießner zufolge im täglichen Fahrgastbetrieb, die siebente werde gerade dafür zugelassen. „Übernächste Woche kommt die achte Variobahn“, informierte ViP-Chef Grießner.