• Potsdam landet hinter Cottbus und Frankfurt: Versorgung mit Fachärzten nur mittelmäßig

Potsdam landet hinter Cottbus und Frankfurt : Versorgung mit Fachärzten nur mittelmäßig

Die niedrigsten Werte weist die Landeshauptstadt laut einer Analyse bei den Augenärzten, Gynäkologen und Hautärzten auf. Die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg kritisiert die Untersuchung.

Im Deutschlandvergleich landete Potsdam auf Platz 86 (Symbolbild).
Im Deutschlandvergleich landete Potsdam auf Platz 86 (Symbolbild).Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Potsdam - Im Vergleich zu Cottbus und Frankfurt (Oder) schneidet Potsdam bei der Versorgung mit Fachärzten deutlich schlechter ab. Das hat ein Vergleich des Onlineportals Doctolib ergeben. Zwar erreicht Potsdam bei allen neun untersuchten Fachrichtungen den von der Kassenärztlichen Vereinigung ausgegebenen Soll-Wert der Zahl der Ärzte im Verhältnis zur Einwohnerzahl – doch die beiden anderen untersuchten Städte in Brandenburg verzeichnen höhere Werte. Die niedrigsten Werte beim Versorgungsgrad weist Potsdam bei den Augenärzten, Gynäkologen und Hautärzten auf.

Im Deutschlandvergleich landet Potsdam bei der Facharztversorgung damit auf Platz 86 von 194 untersuchten Städten, also im Mittelfeld. Zum Vergleich: Cottbus rangiert mit Platz 26 im vordersten Sechstel, Frankfurt (Oder) ergatterte sogar Platz 21. Gerade bei Chirurgen und Orthopäden, Kinderärzten sowie HNO-Ärzten liegt der Versorgungsgrad hier deutlich höher als in der Landeshauptstadt. Auf Platz eins des Rankings landet Dessau-Roßlau in Sachsen-Anhalt.

KVBB hält Analyse für „methodisch fragwürdig“

Die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg (KVBB) kritisiert die Analyse von Doctolib. Er halte diese für „methodisch fragwürdig“, sagte Christian Wehry auf Anfrage. „Die plakativen Ergebnisse erwecken einen falschen Eindruck.“ Die Zahlen der Bedarfsplanung zeigten, dass die Versorgung mit grundversorgenden Fachärzten in Potsdam generell gut sei. Die Zahlen von Doctolib griffen zu kurz, da sie regionale Besonderheiten nicht berücksichtigten, beispielsweise demografische Faktoren. Zudem erfülle die Stadt Potsdam „auch für das Umland eine wichtige Versorgungsfunktion“ – und Potsdamer gingen auch in Berlin zum Arzt.

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In der Mitteilung zur Studie von Doctolib heiße es dagegen: „Für Patient:innen wird es immer schwieriger an einen Termin zu kommen und sie müssen teils lange Wartezeiten in Kauf nehmen.“ Die Versorgung in Potsdam erreiche zwar den genannten Soll-Wert. „In der Theorie gibt es genug Ärzte“, erläutert Doctolib-Sprecher Tobias Rösner. Doch es könne dennoch zu Engpässen kommen, je nachdem, wie die Ärzte aufgestellt sind. „Die Pandemie überfordert viele Praxen“, so Rösner. Auch bei der Digitalisierung hinke ein Teil der Ärzte hinterher, so gehe Zeit bei der Terminbuchung verloren. Er empfiehlt eine Onlinebuchung – das Geschäftsmodell des Studienerstellers Doctolib.

Als Kennzahl gibt die Kassenärztliche Bundesvereinigung ein Verhältnis von einem Facharzt pro 1280 Einwohner aus. „Die Frage der Ressourcenplanung ist alles andere als trivial“, betont KVBB-Sprecher Wehry. Ziel der Bedarfsplanung ist es laut Homepage der KVB, „flächendeckende, wohnortnahe vertragsärztliche Versorgung der Bevölkerung zu gewährleisten und Fehlversorgung zu vermeiden“. Liegt der Versorgungsgrad bei mehr als 110 Prozent, wird die Niederlassung weiterer Ärzte gesperrt. 

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