• Potsdam ist Corona-Risikogebiet: Verschärfte Regeln in der Landeshauptstadt

Potsdam ist Corona-Risikogebiet : Verschärfte Regeln in der Landeshauptstadt

Mit 30 Neuinfektionen hat die Stadt den kritischen Inzidenz-Wert von 50 deutlich überschritten. Nun gelten verschärfte Regeln. Von der Einigung der Bundespolitik auf strengere Corona-Maßnahmen sind auch viele Potsdamer Einrichtungen betroffen.

Christian Müller
Coronahinweise im Hauptbahnhof
Coronahinweise im HauptbahnhofFoto: Ottmar Winter

Potsdam - Die Stadt Potsdam gehört jetzt zu den mehr als zehn Corona-Risikogebieten im Land Brandenburg. Am Mittwochmittag meldete das Gesundheitsamt 30 Neuinfektionen in den vorangegangenen 24 Stunden – die Sieben-Tage-Inzidenz ist von 49,9 am Vortag auf 62,1 gestiegen. Damit gelten nun die schärferen Corona-Regeln des Landes, die allerdings schon am  Montag, dem 2. November, durch den bundesweiten Teil-Lockdown ersetzt werden.

Zunächst gelten noch die Regeln des Landes

Die Umgangsverordnung des Landes Brandenburg für Risikogebiete sieht vor, dass der gemeinsame Aufenthalt im öffentlichen Raum nur noch mit bis zu zehn Personen gestattet ist. Private Feiern in den eigenen vier Wänden dürfen nur noch mit maximal zehn Personen aus zwei Hausständen und in angemietetem Räumen mit maximal zehn Personen stattfinden. Wenn sechs oder mehr haushaltsfremde Personen teilnehmen, besteht weiterhin eine Anzeigepflicht drei Werktage im voraus beim Gesundheitsamt. Dies soll per  E-Mail an [email protected] erfolgen.
Für öffentliche Veranstaltungen, die nur mit einem genehmigten Hygienekonzept stattfinden dürfen, gibt es im Risikogebiet neue Teilnehmergrenzen: Es dürfen maximal 150 Personen im Freien und 100 Menschen in geschlossenen Räumen teilnehmen. Bestehen bleiben das Alkoholausschankverbot ab 23 Uhr und die von der Stadt schon verfügte Maskenpflicht, etwa in der Brandenburger Straße. Die Regelungen gelten, so sie nicht durch strengere des Bundes "ersetzt" werden, zunächst mindestens zehn Tage, sollte die Zahl der Neuinfektionen nicht signifikant sinken.

Was ab nächstem Montag alles schließt

Ab Montag kommen dann diese von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Länderchefs am Mittwoch beschlossenen Bestimmungen für das weitgehende Herunterfahren aller Freizeitaktivitäten dazu.

Schließen müssen Theater, Opern, Konzerthäuser, Messen, Kinos, Freizeitparks und Spielhallen, Kneipen und Gastronomie – davon sind in Potsdam  unter anderem Hans Otto Theater, Nikolaisaal, Filmpark, die kommunale Biosphäre sowie das UCI in den Bahnhofspassagen und das Kino Thalia in Babelsberg betroffen. Auch der Freizeitsport wird im November gestoppt, Schwimmbäder wie das Potsdamer blu sollen ebenso schließen wie Fitnessstudios. Gastronomiebetriebe sowie Bars, Clubs, Diskotheken, Kneipen und ähnliche Einrichtungen werden geschlossen, hieß es weiter. Nur der Außer-Haus-Verkauf soll erlaubt bleiben. 

Auch Gemeinschaftsunterkünfte betroffen

In Potsdam waren die Infektionszahlen zuletzt stark gestiegen – die am Mittwoch gemeldeten  30 Neuinfektionen waren der höchste Tageswert seit dem zu spät entdeckten Corona-Ausbruch im Klinikum „Ernst von Bergmann“ im vergangenen April. Noch vor einer Woche hatte die Stadt täglich um die zehn Infektionen melden können.
Nach PNN-Informationen sind aktuell in Potsdam auch zwei Gemeinschaftsunterkünfte von Corona-Infektionen betroffen – im Wohnheim in Groß Glienicke wurde ein Kind positiv getestet, dessen Eltern und eine weitere Familie befinden sich in Isolation. Zudem ist im Wohnheim An der Alten Zauche eine Frau positiv getestet worden, eine Kontaktperson ist ermittelt und in Quarantäne. Ferner sollen am heutigen Donnerstag in einer Kita in Eiche 20 Kinder und Erzieher abgestrichen werden, um weitere Corona-Infektionen einzudämmen.

Bald 1000 Infizierte in Potsdam

Damit steigt auch die Zahl der Menschen weiter, die sich in der Stadt als Kontaktpersonen von Infizierten in Quarantäne befinden. Das betraf am Mittwoch 336 Potsdamer, 28 mehr als am Dienstag. Ein Stadtsprecher sagte auf PNN-Anfrage, das Gesundheitsamt könne die Abfrage zu Kontaktpersonen von Infizierten derzeit sicherstellen.

793 Personen gelten in Potsdam als genesen – 15 mehr als am Dienstag. Insgesamt haben sich seit Beginn der Pandemie 992 Menschen in der Stadt mit dem Coronavirus angesteckt, am heutigen Donnerstag  wird vermutlich die 1000er-Marke erreicht.
Man müsse sich auf „weitere temporäre Einschränkungen in den kommenden Wochen einstellen, um den dynamischen Anstieg zu stoppen und uns zu schützen“, sagte Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD). Zugleich dankte er den Potsdamern für die bisherige Mitwirkung bei der Umsetzung der Regeln.

Maskenpflicht am Hauptbahnhof macht Probleme

Allerdings klagt nach PNN-Informationen das Ordnungsamt intern darüber, dass es bei der Um- und Durchsetzung der Maskenpflicht im Umfeld des Hauptbahnhofs erhebliche Probleme gebe. Auch PNN-Leser berichteten dieser Zeitung, dass gerade im Schülerverkehr in den Morgenstunden kaum Masken getragen würden. Verschärft wird die Lage offenbar dadurch, dass wegen des Umbaus des Leipziger Dreiecks fast alle Busse an einer Interims-Haltestelle an der Friedrich-Engels-Straße halten müssen. Normalerweise stoppen sie an zahlreichen Bussteigen vor dem Hauptbahnhof, die jetzt jedoch in weiten Teilen nicht zugänglich und nutzbar sind. So warteten am Interimshalt oft viele Menschen.

Maskenkontrolle in der Brandenburger Straße
Maskenkontrolle in der Brandenburger StraßeFoto: Ottmar Winter

Steigende Corona-Zahlen meldet auch das Bergmann-Klinikum. Dort werden derzeit  17 Corona-Patienten auf der Normalstation und zwei Menschen auf der Intensivstation behandelt, beide müssen beatmet werden. Vor einer Woche waren es noch elf Corona-Patienten im Klinikum. Wegen der Krise muss das Klinikum auch wieder seine Arbeit für normale Patienten einschränken: "Mehr Covid-Patienten bedeutet zwangsläufig weniger normale Patienten", hieß es bereits Anfang der Woche aus dem Haus. Auch die Sicherheitsstandards seien unverändert hoch, versicherte eine Sprecherin den PNN: "Die stationär aufzunehmenden Patienten werden grundsätzlich auf einen bekannten Kontakt zu einem Corona-Infizierten befragt", nannte sie eine geltende Regel. 

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