• Potsdam HEUTE, Samstag, 18. Juli 2020: Schlägerei bei KfZ-Zulassung, der Weihnachtsmarkt soll weg - und Potsdamer Wochenendtipps

Potsdam HEUTE, Samstag, 18. Juli 2020 : Schlägerei bei KfZ-Zulassung, der Weihnachtsmarkt soll weg - und Potsdamer Wochenendtipps

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Foto: Sebastian Gabsch

Guten Morgen,

es ging handfest zur Sache gestern in Potsdams KfZ-Zulassungsbehörde. Hatten wir gerade noch über Herrn Ferrari berichtet, der die Stadt auf einen Termin zur Zulassung seines Wohnmobils verklagte, ging ein anderer Potsdamer mit dem Terminfrust wesentlich weniger souverän um. Der Mann, Identität bislang unbekannt, rastete in der Behörde in der Helene-Lange-Straße aus, weil er keinen Termin bekommen hatte. Als der Sicherheitsmitarbeiter ihn der Räumlichkeiten verweisen wollte, schlug der Mann dem 26-jährigen Sicherheitsdienstler mit der Faust ins Gesicht. Dieser wehrte sich prompt - und schlug zurück. Dabei blieb es zum Glückjetzt ermittelt die Kripo. Natürlich rechtfertigt keine, aber auch wirklich keine einzige Behördenmisere den Einsatz von Gewalt. Was allerdings nichts daran ändert, dass endlich Abhilfe geschaffen werden muss. Gerade habe ich noch einmal den Test gemacht: Online-Terminvereinbarung, fabrikneues Fahrzeug neu zulassen. Termine: bis Ende August keine. Was läuft da nur falsch? Die Antwort weiß sicher die zuständige Beigeordnete Brigitte Meier (SPD).

Was könnte ich am Wochenende unternehmen?

Für Furchtlose
Jeff ist ein Monster mit rostrotem Fell, großen Augen und gefährlichen Hörnern. Fürchten muss man ihn aber nicht. Im Gegenteil, er verliebt sich gerne und redet viel – mit Hilfe der Bauchrednerin Luise Fuhr. Außerdem kann Jeff zaubern, tanzen und singen. „Alltag aus – Glückseuphorie an“ heißt die Kindervorstellung mit Luise und Monster Jeff.
Sonntagnachmittag ab 15 Uhr Open Air am Waschhaus. Der Eintritt ist frei.
 

Streetfood Festival in Potsdam.
Streetfood Festival in Potsdam.Foto: Andreas Klaer


Für Hungrige
Alle reden über den Weihnachtsmarkt auf der Brandenburger Straße mit Würstchen und Glühwein – jetzt kommt erstmal das Streetfoodfestival im Lustgarten mit schneller internationaler Küche. In den Wagen wird geschnippelt und gemixt, gebrutzelt und gegrillt, und spätestens seit den Coronaschließungen der Restaurants zeigt sich ein Vorteil der Wagenburgen: Sie sind flexibel und günstiger als ein herkömmliches Lokal. Ob es auch schmeckt und die Stimmung stimmt, müssen Sie selber testen.
Samstag und Sonntag im Lustgarten, Breite Straße, 3 Euro kostet der Eintritt, Kinder unter 14 Jahren dürfen kostenlos mit.

Oder Eierkuchen?
Der neue Mieter im Haus ist ein Känguru mit kommunistischer Weltanschauung. Es bleibt nicht lange beim gemütlichen nachbarschaftlichen Eierkuchenbacken – das Känguru mischt alles gründlich auf und legt sich mit Immobilienspekulanten an. Im Film „Die Känguru Chroniken“ (2020) nach den Büchern von Marc-Uwe Kling spricht dieser natürlich sein Känguru. Dimitrj Schaad spielt den trägen Kleinkünstler und Nachbarn Marc-Uwe und Henry Hübchen gibt einen schmierigen rechtspopulistischen Unternehmer. Hier der Trailer zum Reinschnuppern. Und bitte nicht mit diesem ausgebüxten Beuteltier verwechseln!  
Am Samstag ab 22 Uhr Open Air im Waschhaus Kinosommer, der Eintritt kostet 10 Euro.

Gemischtes
Über seine Arbeit sagt der Tenor Billy Andrews: „Ich nehme altes Material, komponieren Neues dazu, mixe das miteinander und hoffe, dadurch klassische Musik für junge Leute interessanter zu machen.“ So kommen schon mal Beethoven, Mozart, Led Zeppelin und Gothic zusammen. Der gebürtige US-Amerikaner Andrews wuchs in Deutschland auf, sang im Dresdener Knabenchor und ist heute ausgebildeter Opernsänger. Vor zwei Jahren tourte er mit „Unheilig“, heute ist er mit seinem Programm als „The Dark Tenor“ beim Kultursommer auf der Bismarckhöhe zu Gast. 
Samstag auf der Picknickwiese der Bismarckhöhe Werder, Hoher Weg 150, 14542 Werder (Havel). Einlass ab 17.30 Uhr, Konzertbeginn 19 Uhr.  Karten gibt es hier.

Alle Empfehlungen heute von Steffi Pyanoe.

Welche Termine sind am Wochenende wichtig?

  • Im Garten gelesen: Der Zweite Weltkrieg ist beendet, die Waffen schweigen, doch die Menschen trauen der unheimlichen Stille nicht. Militärs und Zivilisten, Politiker und Künstler, Kriegsgefangene und Überlebende des Holocaust, Sieger und Besiegte, Täter und Opfer schildern in Notizen, Tagebucheintragungen und Briefen, wie sie diese Zeit zwischen Krieg und Frieden erleben. Daraus ist das kollektive Tagebuch "Das Echolot" von Walter Kempowski entstanden, aus dessen letzten Teil "Abgesang" Schauspieler des Neuen Globe Theater heute Abend ab 20 Uhr im Garten des Museums Alexandrowka, Russische Kolonie 2, lesen. Der Eintritt zur Veranstaltung des Brandenburger Themenjahrs "Krieg und Frieden" kostet 12 Euro, weitere Termine zum Vormerken: 22. August und 5. September.
Hausgarten von Renate und Werner Lüscher.
Hausgarten von Renate und Werner Lüscher.Foto: Manfred Thomas
  • Den Garten genießen: Wegen Corona musste der klassische Termin für die "Offenen Gärten" im Mai ausfallen - doch dabei wollten es Initiatorin Renate Bormann und ihre Mitstreiter nicht belassen. Daher öffnen an diesem Wochenende 30 Gärten in Brandenburg und Berlin für Besucher, mit einer Plakette für einmalig drei Euro ist jeder überall willkommen. Einen Überblick über alle geöffneten Gärten finden Sie hier - und dies sind unsere Favoriten: Waldgarten am See von Dr. Wiebke Balk-Bindseil und Dr. Kai Bindseil, Rosenweg 9 in Wilhelmshorst (heute und morgen 11 bis 18 Uhr), Hostagarten von Joachim Kraatz, Thomas-Müntzer-Straße 28a in Golm (Sonntag), Blütengarten von Christa und Dr. Konrad Näser, Amundsenstraße 9 in Bornim und der Hausgarten von Renate und Werner Lüscher im Ravensbergweg 7 in der Teltower Vorstadt (alle Sonntag).
  • Herzattacke ohne Ende: Das ist der Titel der Ausstellung, die heute um 17 Uhr im Kunsthaus sans titre in der Französischen Straße 18 eröffnet wird. Gezeigt werden Arbeiten von 42 Künsterinnen und Künstlern der Kunst- und Literaturzeitschrift "Herzattacke". Ab 19 Uhr spielt die sans-titre-Hausband "Zirko Soni", der Eintritt ist frei.

Mehr Empfehlungen der Redaktion für das Wochenende in Potsdam lesen Sie hier.

Was soll ich heute lesen?

Hans-Hendrik Grimmling.
Hans-Hendrik Grimmling.Foto: Ottmar Winter

Farbe der Erinnerung
Er ist ein Verstörer, ein Rebell, ein Maler des explosiven Aufschreis: Hans-Hendrik Grimmling. Die Potsdamer Sperl Galerie zeigt ab morgen die Schau "Teilbares Refugium" mit Werken des Künstlers, der bereits im November 1985, kurz bevor er aus Leipzig in den Westen übersiedelte, beim legendären Friedensfest in der Nikolaikirche dabei war. Was Grimmling heute bewegt, was seine Kunst ausmacht und auslöst, dem hat PNN-Autorin Heidi Jäger nachgespürt - in einem Text, so intensiv wie die Bilder des Malers. 

Worüber spricht Potsdam heute?

"Ballermann light" zu Weihnachten
Zumindest wenn es nach Ihnen geht, liebe Leserinnen und Leser, müsste der Potsdamer Weihnachtsmarkt schon bald aus der Brandenburger Straße verschwunden sein. Denn das ist nahezu einhellig der Wunsch aller, die uns dazu gestern geschrieben haben. Hier ein paar Auszüge: "Der ‚Weihnachtsmarkt‘ ist einfach nur peinlich und wirkt wie ein ‚Ballermann light‘", schreibt Reinhard B. "Andererseits passt er wie die notorische Faust aufs Auge zum räudigen Gesamtzustand der Brandenburger Straße. Es dürfte keine andere Landeshauptstadt geben, die ihre Innenstadt so lieblos verlottern lässt wie Potsdam und das dann ausgerechnet in der Adventszeit noch mit einer derart stillosen Fress- und Saufmeile krönt. Zum Fremdschämen." 

Potsdamer Weihnachtsmarkt 2019.
Potsdamer Weihnachtsmarkt 2019.Foto: Andreas Klaer

Jörg G. findet: "Am besten wäre es, diesen immer erbärmlicher wirkenden Weihnachtsmarkt aus der Brandenburger Straße zu verbannen und mit neuem Konzept an einem anderen geeigneten Marktplatz in Potsdam neu zu beleben. Motto: klein aber fein." Ähnlich sieht es Adelheid M.: "Höchste Zeit, dieses fünfwöchige Ärgernis abzuschaffen", schreibt die Potsdamerin. Alexandra L. schildert ihre Erfahrungen so:  "Wir sind früher öfter mal für einen stimmungsvollen Snack an den Ständen gewesen. Aber jetzt unter diesem schrecklichen Blaulicht sind alle Snacks grau... Und die Stimmung ebenfalls. Macht keinen Spaß mehr!" Auch sie hätte den Weihnachtsmarkt gern woanders: "Am Neuen Markt wäre toll, aber bitte ohne Blaulicht sondern ganz traditionell und gemütlich. Allerdings müsste dann auch das Niveau des Angebots entsprechend steigen. Weniger Massen-Gastro, dafür mehr echtes Handwerk und Delikatessen. Als Sahnehäubchen könnte man sich noch live Chormusik und/oder kleine Konzert-Ensembles vorstellen. Das wäre dann richtig weihnachtlich... Träumen darf man!" Ja, das darf man. Und manchmal werden Träume ja sogar wahr. Dazu passt: Auch die Bürgerinitiative Freies Tor will den Weihnachtsmarkt vom "Broadway" verbannen. Und hatte Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) nicht gerade im Zuge der Karstadt-Rettung angekündigt, 2,5 Millionen Euro in die Brandenburger Straße zu stecken und das "Profil zu schärfen"? Die Zeit scheint reif.


Was muss ich für heute wissen?

• Corona-Update
Auch heute ist die Corona-Lage in Brandenburg stabil. Freitagmorgen meldete das Land zwei Neuinfektionen, sie wurden im Havelland und im Barnim erfasst. Potsdam und Potsdam-Mittelmark registrierten jeweils keine neuen Corona-Fälle. Aktiv erkrankt sind landesweit rund 70 Menschen, fünf von ihnen werden im Krankenhaus behandelt. Um Folgen der Coronakrise zu mindern, stellt Brandenburgs Wissenschaftsministerium rund 500.000 Euro für Studenten bereit, die finanziell in Not geraten sind. Mit der Summe werden die Härtefallfonds der Studentenwerke in Potsdam und Frankfurt (Oder) aufgestockt, wie Wissenschaftsministerin Manja Schüle (SPD) am Freitag mitteilte. Über die aktuellen Entwicklungen in der Coronakrise in Potsdam und Brandenburg informieren wir Sie in unserem Newsblog.

Luftbild der Baustelle der Garnisonkirche mit der Plantage als Brache - mit Herz.
Luftbild der Baustelle der Garnisonkirche mit der Plantage als Brache - mit Herz.Foto: Lutz Hannemann

• Im Herzen der Stadt 
Der Anfang dieses Jahres, an dem fast niemand ahnen konnte, welch einschneidende Krise es bringen würde, scheint sehr lange her zu sein. Doch Corona zum Trotz wächst und gedeiht vieles, was vor der Pandemie begonnen wurde. Dazu gehört das neue Kunst- und Kreativzentrum auf der Plantage hinter der Garnisonkirche, für das Potsdams Stadtverordnete im Januar grünes Licht gegeben hatten. Jetzt stehen schon die Architekten bereit, das Areal der ehemaligen Feuerwache neu zu gestalten. 85 Millionen Euro wollen Christopher Weiß und Andreas van der Bel vom Berliner Projektentwickler Glockenweiß investieren. Alles zum aktuellen Stand der Dinge bei Potsdams großer Innenstadt-Brache hat Marco Zschieck hier wohlsortiert aufgeschrieben.

• Stübgen will keine Studie
Rassismus und Polizeiarbeit will Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) mit einer Länder-Studie untersuchen lassen. Sein Amtskollege in Brandenburg Michael Stübgen (CDU) sieht dafür allerdings in der Mark "keine Notwendigkeit". Das so genannte Racial Profiling sei schließlich verboten und würde streng geahndet. Zudem habe sich die Kenia-Regierung darauf geeinigt, einen Polizeibeauftragten und eine unabhängige Beschwerdestelle aufzubauen. Ob das ausreicht, darf angesichts mancher Umtriebe märkischer Beamter wie in Cottbus oder einiger Brandenburger im Dienste der Berliner Behörde allerdings bezweifelt werden. Da ist es gut, dass die Beratung der Bundesinnenministerkonferenz zum Thema noch aussteht.

• Es wird getanzt
Lange schien es, als könnten sie gar nicht stattfinden - und das ausgerechnet im 30. Jubiläumsjahr. Jetzt klappt es doch, wenigstens ein bisschen: Am 5. August starten die Tanztage der Potsdamer fabrik in der Schiffbauergasse. "Weiter tanzen" heißen sie, der Situation sehr angemessen. Zwölf Aufführungen, die Hälfte davon Deutschland-Premieren, viele davon Open Air - das sind die Corona-Tanztage. Der Ticketverkauf hat begonnen, einen fachkundigen Überblick zum Programm von PNN-Autorin Astrid Priebs-Tröger lesen Sie hier.

Wetter & Verkehr

Wetter
Anfangs scheint häufig die Sonne, im Tagesverlauf kommen bei maximal 26 Grad Quellwolken auf.  Aber es regnet voraussichtlich nicht. Der Wind weht nur schwach. Auch der Sonntag wird sommerlich

Verkehr
Wer doch mal gern mit dem Auto durch Potsdam kurvt, sollte dieses Wochenende vielleicht nutzen, das noch einmal weitgehend ungestört zu tun. Montag geht es nämlich los mit zahlreichen Baustellen: Geschwister-Scholl-Straße, Leipziger Straße, Nuthewinkel, Potsdamer Straße, Zeppelinstraße, Am Drachenberg, Georg-Hermann-Allee, Im Bogen, Rembrandtstraße. Montag erfahren Sie an dieser Stelle alles ganz genau. Der Verkehrsbetrieb schickt ab heute die touristischen Buslinien wieder auf reguläre Fahrt: Der 603er wird an Wochenenden und Feiertagen über den Platz der Einheit hinaus bis zum Hauptbahnhof verlängert und auch die an Wochenenden verkehrende Linie X15 zwischen Hauptbahnhof und Schloss Sanssouci wird wieder eingerichtet.

Person des Tages

Der britische Star-Violinist Daniel Hope.
Der britische Star-Violinist Daniel Hope.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Daniel Hope
Es ist das Finale: Am morgigen Sonntag wird Star-Violinist Daniel Hope das letzte Konzert seiner Corona-Reihe Hope on tour aufzeichnen - und zwar in Potsdam. Würdige Kulisse für das Spiel des Deutsch-Briten, der seit einigen Jahren in Berlin lebt, ist das Palais Lichtenau. Angeblich ist das frühklassizistische Schloss am Heiligen See einst für Gräfin Wilhemine von Lichtenau errichtet worden, die Geliebte von Friedrich Wilhelm II. Heute gehört es Tanja und Axel Fischer, die das Denkmal regelmäßig für Konzerte und Kulturveranstaltungen öffnen. Nun spielt dort also Daniel Hope, geboren in Durban in Südafrika, der familiäre Bande nach Potsdam hat: Einer seiner Vorfahren war der erste Rabbi der Stadt. Für alle zu erleben ist das Potsdam-Konzert des Violinisten natürlich auch. Am Sonntag, dem 26. Juli, wird es ab 18 Uhr bei Arte Concert und ZDFkultur gezeigt und auch bei Facebook. Klicken und genießen.

Nicht vorenthalten möchte ich Ihnen zum Schluss diese wichtige Mitteilung der Potsdamer Staatskanzlei. Denn wie heißt es da: "Zu den Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit braut sich was zusammen." Das ist dieses Mal allerdings wörtlich gemeint. Denn es soll ein "Jubiläumsbier ,Potsdamer Stange 30' das Licht der Welt erblicken". 24.000 Flaschen, einige für Ehrengäste der Einheits-Expo, den Rest dürfen auch Sie käuflich erwerben. Immerhin, in dem Gebräu steckt Potsdam durch und durch. Eingemaischt wurde es in der Potsdamer Braumanufaktur, und drin ist echter Naturdoldenhopfen aus dem Potsdamer Lustgarten. Dass der da überhaupt wächst, war wohl etwas in Vergessenheit geraten. Die Staatskanzlei behauptet jedenfalls, er sei 2001 zur Potsdamer Bundesgartenschau gepflanzt und seitdem nie geerntet worden. Alles hat eben seine Zeit.
Genießen Sie Ihre - ein gutes Wochenende wünscht

Ihre Sabine Schicketanz
PNN-Chefredakteurin

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