• Potsdam HEUTE, Montag, 27. Juli 2020: Straße der Jugend, Helden der Arbeit und Gärten des Grauens

Potsdam HEUTE, Montag, 27. Juli 2020 : Straße der Jugend, Helden der Arbeit und Gärten des Grauens

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PNN.Newsletter - heute von Marion Kaufmann.
PNN.Newsletter - heute von Marion Kaufmann.Foto: Sebastian Gabsch

Guten Morgen,

kennen Sie Egon, den Affenarsch? Wenn nicht, hatten Sie wohl noch keinen Urlaub und keine Zeit für längere Lektüre. Falls Sie wissen wollen, warum dieser Egon ein Affenarsch ist, müssen Sie "Die Leben der Elena Silber" von Alexander Osang lesen. Darin verarbeitet Osang die Geschichte seiner Großmutter und zeichnet, wie man es von ihm gewohnt ist, ein präzises Bild des Ostens. Etwas gibt es aber zu bemängeln: Mal wieder steht Berlin im Zentrum, Brandenburg spielt fast gar keine Rolle. Auf 617 Seiten wird Potsdam nur ein einziges Mal erwähnt. Wie wäre es dann vielleicht mit einem frühen Kubiczek fürs Handgepäck? Der Potsdamer Autor André Kubiczek geht in seinem Buch "Die  Guten und die Bösen" von 2003 der Frage nach, ob Berlin auf einem gigantischen Schwindel gründet. Wir Potsdamer - wir sind schließlich die Guten - können das schlicht mit "Ja" beantworten. Vielleicht wollen Sie mit diesem Anti-Berlin-Roman die Zeit bis zum 18. August überbrücken. Dann erscheint der Nachfolger von Kubiczeks meisterhaftem Potsdam-Roman "Skizze eines Sommers". In "Straße der Jugend" begegnet uns René wieder, der im Potsdamer Stadtteil Am Stern aufgewachsen ist, und im Spätsommer 1985 auf ein Internat in Halle an der Saale geschickt wird.  Bei Kubiczek sind schon die ersten Exemplare seines neuen Werks eingetroffen, wie er am Wochenende bei Facebook postete.  Dass in Brandenburg politisch und kulturell mächtig was los ist, lesen auch Sie, liebe Berliner, jetzt in unserem PNN-Newsletter. 

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Worüber spricht Potsdam heute?

Der Kalbitz-Ausschluss und die Folgen 

Andreas Kalbitz.
Andreas Kalbitz.Foto: Patrick Pleul/dpa

Das politische Potsdam beschäftigt heute eine Frage: Was bedeutet der endgültige Ausschluss von AfD-Rechtsaußen Andreas Kalbitz, Wortführer des inzwischen offiziell aufgelösten "Flügels", aus seiner Partei? Führende Politiker von SPD, CDU, Grünen und Linken in Brandenburg reagierten verhalten auf die Entscheidung des Bundesschiedsgerichts. SPD-Generalsekretär Erik Stohn etwa erklärte, die Partei bleibe gefährlich und es sei gut, dass der Verfassungsschutz die AfD im Fokus habe. „Die AfD wird die Geister, die sie rief, nicht los. Ein Rauswurf ändert da noch nichts.“ Kalbitz selbst sieht sich auch als Nicht-AfD-Mitglied weiterhin an der Spitze der Brandenburger Landtagsfraktion. Daran habe sich rechtlich nichts geändert, sagte er. 

Tagesspiegel-Kollegin Maria Fiedler mit einer Analyse nach dem AfD-Entscheid vom Wochenende. 

Was muss ich für heute wissen?

Das Corona-Update
Am Wochenende gab es in Brandenburg nur einen bestätigten neuen Covid-19-Fall. Das geht aus den Mitteilungen des Gesundheitsministeriums hervor. Demnach wurde am Sonntag ein Fall im Landkreis Oder-Spree registriert. Insgesamt liegt die Zahl der bestätigten Covid-Fälle seit Beginn der Pandemie damit bei 3544, davon gelten rund 3280 Menschen als genesen. Die Zahl der aktiv Erkrankten gibt das Ministerium mit rund 90 an. Nach wie vor sind aus der Landeshauptstadt Potsdam mit 658 derzeit landesweit die meisten bestätigten Corona-Fälle gemeldet worden, gefolgt vom Kreis Potsdam-Mittelmark mit 554 und dem Kreis Barnim mit 450 Fällen. Mit 31 Infizierten wurden in der Prignitz die landesweit geringsten Zahlen registriert.
Probleme gibt es landesweit immer wieder mit der Einhaltung der Abstandsregeln. So musste am Freitagabend eine Party im Neuen Garten in Potsdam aufgelöst werden

Über die aktuellen Entwicklungen in der Coronakrise in Potsdam und Brandenburg informieren wir Sie weiterhin in unserem Newsblog.

Bankfiliale schließt
Die Coronakrise hat auch Auswirkungen auf Bankkunden in Babelsberg: Die bisher wegen der Pandemie geschlossene Commerzbankfiliale in der Karl-Liebknecht-Straße öffnet nicht wieder, wie ein Sprecher den PNN bestätigte. Kunden müssen künftig in die Innenstadt oder auf Online-Banking ausweichen. In Babelsberg hatte vergangenes Jahr bereits die Deutsche Bank ihre Filiale geschlossen. Der Rückzug der Commerzbank ist mehr als nur die Aufgabe eines Geldinstituts in einem Stadtteil, schreibt Kay Grimmer in seinem Kommentar. "Es ist ein Verlust für das Leben im Kiez."

Stadt droht mit Zwangsgeld
Ein Verlust für die ganze Stadt wäre es, wenn der Kitabauernhof in Groß Glieniecke dauerhaft dichtmachen müssten. Der Streit um das Areal geht weiter. Allerdings droht zumindest kurzfristig kein Abriss der Anlagen im Eichengrund. Wie die Stadtverwaltung auf PNN-Anfrage mitteilte, sind seit der Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts Berlin-Brandenburg (OG) im Juni zugunsten der Stadt keine neuen bauordnungsrechtlichen Verfügungen erlassen worden. Dennoch hält die Stadt an den Plänen zur Schließung fest und droht mit Zwangsgeld. Wie der rechtliche Stand der Dinge ist und was Lutz Boede von der Fraktion Die Andere dazu sagt, lesen Sie hier

Kohle für die Lausitz

Klaus Freytag.
Klaus Freytag.Foto: Ralf Hirschberger/dpa (Archiv)

"Wir können nicht einfach mit der Kreditkarte zum Bankschalter gehen und das Geld abheben", sagt Klaus Freytag und meint damit nicht die geschlossene Bankfiliale in Babelsberg, sondern die Schwierigkeit,  die Millionen des Bundes für den Strukturwandel  im Braunkohlerevier in konkrete Projekte zu investieren. "Strukturhilfen für die brandenburgische Lausitz können nicht in Teltow-Fläming oder in Potsdam ausgeben werden", stellt Freytag, der Lausitz-Beauftragte der Brandenburger Landesregierung, im Gespräch mit Nora Marie Zaremba klar. Was Freytag plant und warum der Ausbau des DB Bahnwerkes in Cottbus dabei wie ein Sechser im Lotto ist, lesen Sie im ausführlichen Interview

Was soll ich heute lesen?

Brandenburg Unplugged 

Ausstellung "Brandenburg Unplugged" in Potsdam mit Fotos von Ralph Gräf.
Ausstellung "Brandenburg Unplugged" in Potsdam mit Fotos von Ralph Gräf.Foto: Ralph Gräf

Als aus Bayern stammende Wahlpotsdamerin empfehle ich Ihnen heute die Ausstellung des aus Bayern stammenden Wahlpotsdamers Ralph Gräf - und den Text von Andrea Lütkewitz darüber. „Als ich von München nach Potsdam zog, war ich sofort fasziniert von den Veränderungen, die dieses Bundesland bis heute durchlebt“, sagt Gräf. 2006 beginnt er, im Land Brandenburg zu fotografieren. Er hält fest, was langsam verschwindet oder sich wandelt: aufgegebene landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften, leere Ladengeschäfte, verwaiste Straßenzüge, Plattenbauten. Im Frühjahr 2020 ensteht daraus der Bildband „Brandenburg Unplugged“. Die Corona-Pandemie verhindert zunächst die schon für März geplante dazugehörige Ausstellung im Potsdamer Treffpunkt Freizeit. Doch jetzt kann sie besichtigt werden, noch bis zum 7. August ist die Schau zu sehen.

Welche Termine sind heute wichtig?

  • Aufsichtsrat tagt: Zur Aufklärung der Vorgänge rund um den Corona-Ausbruch vor gut vier Monaten im Potsdamer Bergmann-Klinikum hatte der Klinikum-Aufsichtsrat eine Untersuchungskommission eingesetzt. Wegen der Ermittlungen durch die  Potsdamer Staatsanwaltschaft sollen die Aufgaben der von Brandenburgs früherer Gesundheitsministerin Anita Tack (Linke) geleiteten Kommission um strafrechtliche Aspekte reduziert werden. Am Montag soll der Aufsichtsrat diese Kompetenzbeschneidung beschließen. Über die Ergebnisse der nichtöffentlichen Sitzung informieren wir Sie zeitnah auf www.pnn.de.
Das Klinikum "Ernst von Bergmann".
Das Klinikum "Ernst von Bergmann".Foto: Ottmar Winter
  • Azubis gesucht: Wenige Wochen vor Beginn des neuen Ausbildungsjahres ist etwa die Hälfte der gut 12.000 betrieblichen Ausbildungsplätze in Brandenburg noch nicht besetzt. Daher wollen Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD), die Bundesagentur für Arbeit, der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), Unternehmensverbände und Kammern auf einer Pressekonferenz am Montag  um 10 Uhr in Potsdam gemeinsam für eine Ausbildung in Brandenburg werben. 
  • Öffentliche Aktion: Die Mitarbeiter der Schlösserstiftung in der Fridericus-Servicegesellschaft fordern mehr Lohn und bessere Arbeitsbedingungen. Gemeinsam mit der Gewerkschaft verdi wollen sie ab 11 Uhr an der Badestelle am Heiligen See (Ostufer im Neuen Garten) mit einer öffentlichen Aktion auf die noch nicht laufenden Tarifverhandlungen aufmerksam machen. 
  • Kunst am Bau: Im Rahmen der Herrichtung des Nordtorgebäudes und der Orangerie für den zukünftigen Sitz der School of Jewish Theology, des Abraham- Geiger-Kollegs sowie des Zacharias Frankel College am Neuen Palais wurde das Kunst- am-Bau-Projekt realisiert. Norbert John, Technischer Geschäftsführer des Brandenburgischen Landesbetriebes für Liegenschaften und Bauen (BLB), die Architektin Elisabeth Rüthnick und die Künstlerin Eva Leitolf zeigen heute um 20 Uhr am Neuen Palais vor Pressevertretern das fertiggestellte Kunstwerk „This is not a Thornbush.“, das nun die Glasfront der Südseite der ehemaligen Orangerie schmückt. Das Werk wird anlässlich des Fototermins festlich erleuchtet.
  • Warnung für Warmduscher: In der Nähe des Heizkraftwerkes Potsdam-Süd wird an der Nuthe an vier Stellen die Rohrleitung instandgesetzt. Dazu muss für mehrere Stadtteile die Fernwärmeversorgung für die Raumheizung sowie für die Warmwasserbereitung, beispielsweise zum Duschen, unterbrochen werden. Die Arbeiten sind für Montag 2 Uhr bis Dienstag 16 Uhr geplant. Betroffen sind die Gebiete SternDrewitz, Kirchsteigfeld, Industriegebiet Rehbrücke, Waldstadt 1, Waldstadt 2 und Gluckstraße

Was könnte ich heute unternehmen?

Empfehlungen heute von Steffi Pyanoe.

Heldenhaftes I 

Das wäre auch ein Thema für einen Roman von Osang oder Kubiczek: Vor 70 Jahren wurde in der DDR der Titel Held der Arbeit eingeführt. Etwa 3700 Mal wurde diese Auszeichnung, bunte Medaille fürs Revers und eine durchaus lohnenden Geldprämie, bis zum Ende des Arbeiter- und Bauernstaats vergeben, an vorbildliche Normübererfüller, Erfinder oder irgendwie in der Produktion verhaftete Genossen. Wie die Welt der Arbeit in der DDR aussah oder vielmehr, wie sie in der Öffentlichkeit und den Medien widergespiegelt wurde, beleuchtet aktuell eine Ausstellung im Brandenburger Landtag: „Arbeit, Arbeit, Arbeit. Serien zur sozialistischen Produktion in der DDR“. Gezeigt werden Fotos aus Magazinen und Zeitungen, Karikaturen und Plakate zum sozialistischen Wettbewerb.   
Landtag, Am Alten Markt, Besichtigung Montag bis Freitag 8 bis 18 Uhr, der Eintritt ist frei.

Foto aus der Ausstellung "Arbeit, Arbeit, Arbeit" im Landtag: Marion Wenzel, ohne Titel, 1989, Stand: Kunstarchiv Beeskow
Foto aus der Ausstellung "Arbeit, Arbeit, Arbeit" im Landtag: Marion Wenzel, ohne Titel, 1989, Stand: Kunstarchiv BeeskowFoto: Promo

Heldenhaftes II
Schwere Zeiten für Eltern: Wochenlang waren wegen Corona die Blagen ständig zu Hause, denn wo sollten sie auch hin, als Kitas, Schulen, Klubs und Sportplätze geschlossen hatten? Jetzt kommt ein Film ins Kino, der zusätzlich den Finger in die Wunde legt: „Wir Eltern“ fragt, was tun, wenn die Pubertiere sich zu Hause auch noch so wohl fühlen, dass sie gar nicht ans Ausziehen denken? Die Eltern Vero und Michi ziehen in dieser Situation schließlich sehr unkonventionell die Notbremse. Die Familienkomödie (2019) wurde vom Schweizer Ehepaar Eric Bergkraut und Ruth Schweikert, frei nach eigenen Erlebnissen, in den eigenen vier Wänden mit den eigenen drei Söhnen gedreht – hier eine Vorschau.
Um 17 Uhr im Kino Thalia, Breitscheidstraße 50, Karten kosten 11,50 Euro. 

Was kann ich heute Gutes tun?

Auf Schotter verzichten
Viel Schotter zu haben macht nicht immer glücklich. Schon gar nicht Insekten. Wenn Sie also Gutes für die Natur tun wollen, verzichten Sie auf Kieselsteine im Beet und bestücken Sie Ihren Vorgarten lieber mit Blumen. Denn nicht umsonst werden sie auch „Gärten des Grauens“ genannt, jene Schotterbeete, in denen nichts mehr blüht und grünt: statt Pflanzen gibt es nur Steine. In Baden-Württemberg sind solche Anlagen verboten, auch in Brandenburg diskutieren Umweltschützer nun über ein Verbot. Vielleicht geht es aber auch über den freiwilligen Weg, wie Brandenburgs SPD hofft. Sie können ja den Anfang machen und Ihren Garten diese Woche entsteinen. 

Schottergarten: Einige wenige Pflanzen ragen aus grauen und schwarzen Kieselsteinen.
Schottergarten: Einige wenige Pflanzen ragen aus grauen und schwarzen Kieselsteinen.Foto: Carmen Jaspersen/dpa

Wetter & Verkehr

Wetter

Am Montag ist es zunächst noch neblig. Doch im Laufe des Tages wird die Sonne zunehmend scheinen, Temperaturen zwischen 20 und 28 Grad werden erreicht.

Verkehr

Wegen Gleisbauarbeiten wird die Geschwister-Scholl-Straße zwischen Sellostraße und Nansenstraße ab heute für Autos komplett gesperrt. Der Verkehr wird über Zeppelinstraße und Nansenstraße umgeleitet. Staugefahr besteht in der Zeppelinstraße und der Breiten Straße stadtauswärts. Weitere Verkehrsinfos finden Sie unter www.mobil-potsdam.de.

Person des Tages

Christian Stückl

Christian Stückl.
Christian Stückl.Foto: Angelika Warmuth/dpa

Der Regisseur Christian Stückl ist am Sonntag in München mit dem Abraham-Geiger-Preis 2020 geehrt worden. Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung erhielt er für seine Inszenierungen der international bekannten Oberammergauer Passionsspiele. Dem 58-Jährigen sei es gelungen, „weg von christlichem Judenhass hin zu einer ausgewogenen Darstellung innerjüdischer Konflikte“ zu kommen, hieß es in der Begründung des an der Universität Potsdam angesiedelten Rabbiner-Seminars Abraham-Geiger-Kolleg. Die Auszeichnung ist benannt nach dem Vordenker des liberalen Judentums, Abraham Geiger (1810-1874), und würdigt „Persönlichkeiten, die sich um den Pluralismus verdient gemacht haben und sich für Offenheit, Mut, Toleranz und Gedankenfreiheit einsetzen“. Stückl habe einer wichtigen Botschaft Gewicht verliehen: „Dass wir in unserem Land gegen Rassismus und Antisemitismus eintreten müssen, um eine pluralistische Gesellschaft zu sichern.“


Allen Helden der Arbeit wünsche ich schon jetzt einen frühen Feierabend, damit noch genug Zeit zur Bücherlektüre bleibt. Von mir lesen Sie morgen wieder in Ihrem Mailfach. 

Ihre Marion Kaufmann
PNN-Vizechefredakteurin

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