• Potsdam HEUTE, Montag, 17. Mai 2021: Die Ministerin und der Hohenzollernstreit

Potsdam HEUTE, Montag, 17. Mai 2021 : Die Ministerin und der Hohenzollernstreit

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Der PNN-Newsletter - heute von Jana Haase.
Der PNN-Newsletter - heute von Jana Haase.Grafik: TSP

Guten Morgen,

heute vor 172 Jahren, am 17. Mai 1849, kam es in Iserlohn zu grausamen Szenen. Preußische Truppen waren zur Niederschlagung von Aufständischen und einer Gruppe von meuternden Landwehrsoldaten, die nicht gegen Revolutionäre kämpfen wollten, am Himmelfahrtstag in die Stadt gekommen. Als der Kommandeur der Preußen erschossen wurde, wüteten seine Truppen offenbar auch unter Zivilisten, von einem Massaker mit mehr als 100 Toten ist laut Wikipedia die Rede. Der blutig beendete Iserlohner Aufstand reiht sich ein in die 1848/49 in vielen deutschen Ländern aufflammenden Bestrebungen, einen demokratischen Staat zu errichten. Sie blieben ohne Erfolg. Erst rund 70 Jahre und einen Weltkrieg später wurde Deutschland zum ersten Mal Demokratie und Republik. Im November 1918 war auch in Potsdam "Kaiserdämmerung", wie es in der Ausstellung der Schlösserstiftung zum 100. Jahrestag der Abdankung Wilhelm II. hieß.

Mit den Nachkommen des letzten Kaisers, der Familie Hohenzollern, streiten sich die Länder Brandenburg und Berlin sowie der Bund noch um die Rückgabe tausender Kulturgüter und die Entschädigung für Enteignungen in der sowjetisch besetzten Zone nach 1945. Juristisch entscheidend ist dafür die Frage, inwiefern die Familie dem NS-Regime "erheblichen Vorschub" geleistet hat. Aber der Rechtsstreit ruhte in der beiderseitigen Hoffnung auf einen Vergleich schon länger, verhandelt wurde stattdessen hinter verschlossenen Türen, wie PNN und Spiegel 2019 erstmals öffentlich machten. Die außergerichtlichen Gespräche sind nun gescheitert, schreibt Kulturministerin Manja Schüle (SPD) in einem PNN-Gastbeitrag. Seitens des Hauses Hohenzollern seien drei Bedingungen nicht erfüllt worden: Das Ende der Klagewelle gegen Wissenschaftler*innen und Journalist*innen

Die Begleitung der Verhandlungen durch einen breiten öffentlichen Diskurs. Und eine gemeinsame Verhandlungsbasis mit dem Angebot der öffentlichen Hand aus dem Jahr 2018. Es gehe bei dem Verfahren aber nicht nur um eigentumsrechtliche Fragen, vielmehr werde hier "deutsche Geschichte und damit auch deutsche Identität verhandelt", betont die Ministerin: "Daher gehört diese Verhandlung auch in die Mitte unserer Gesellschaft." Eine konsequente und richtige Entscheidung, mit der Schüle gleichzeitig einen neuen Ball zu den Hohenzollern spielt: Ob sich die Familie an einer öffentlichen Debatte auch jenseits des Rechtsstreits beteiligt? Hier lesen Sie den ganzen Gastbeitrag als Plus-Text.

Wie man sich gewinnbringend einer Debatte öffnen und vermeintlich Selbstverständliches in neuem Licht sehen kann, das zeigt die Schlösserstiftung derzeit mit ihren Anstrengungen, die Spuren der kolonialen Vergangenheit in den Schlössern und Gärten aufzuarbeiten. Eines der ersten sichtbaren Ergebnisse gibt es im Park Sanssouci: Das Rondell, zu dem auch Büsten von Menschen schwarzer Hautfarbe gehören, hat seinen ursprünglichen Namen zurückerhalten: "Erstes Rondell". Meine Kollegin Sandra Calvez war dabei und hat aufgeschrieben, was die Stiftung noch vorhat.

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