• Potsdam HEUTE, Freitag, 12. Juni 2020: Schwanenbrücke ohne Schwäne, Polizeigewalt in Bad Belzig und ein Ausflug in den Iran

Potsdam HEUTE, Freitag, 12. Juni 2020 : Schwanenbrücke ohne Schwäne, Polizeigewalt in Bad Belzig und ein Ausflug in den Iran

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Foto: Ottmar Winter

Guten Morgen,

Hendrix in Potsdam oder Freistoß in Rom? Das wäre heute die entscheidende Frage gewesen. Wenn, ja wenn die Coronakrise nicht auch die Sport- und Kulturwelt ordentlich auf den Kopf gestellt hätte. Bis zum Auftaktspiel der Fußball-Europameisterschaft, zu dem heute eigentlich die türkische Nationalelf in Rom gegen die Sqadra Azzurra auflaufen sollte, müssen Fans sich noch ein ganzes Jahr gedulden.

Musikliebhaber trauern den abgesagten Musikfestspielen Sanssouci, einem Höhepunkt im Potsdamer Kulturjahr, nach. Heute Abend wären beim Eröffnungskonzert in der Friedenskirche Variationen von Händel und Jimi Hendrix erklungen, Klassik sollte auf Flower Power treffen - Straßenfest auf dem Luisenplatz inklusive... Doch das passiert nun erst 2021.

Immerhin: Die Musikfestspiel-Macher haben ein Mini-Ersatzprogramm in petto, am morgigen Samstag geht es bei der familienfreundlichen "Jagd nach Professor Echo" durch den Park Babelsberg, am Sonntag auf den Spuren von Hirtengott und Nymphe zu musikalischen Stationen im Park Sanssouci. Ich erwähne das deshalb schon heute, weil Sie sich bei Interesse schleunigst Karten besorgen sollten - derer gibt es nämlich coronabedingt nicht viele. Reservieren kann man unter der Tickethotline, verkauft werden die Karten ausschließlich in der Ticket-Galerie des Nikolaisaals.

Und die Fußballfans? Die können sich jetzt lokalpatriotisch zeigen und Dauerkarten für die kommende Saison von Turbine Potsdam und SV Babelsberg 03 erwerben.

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Worüber spricht Potsdam heute?

In rund zwei Monaten geht für viele Potsdamer Kinder der Schulalltag los (Symbolbild).
In rund zwei Monaten geht für viele Potsdamer Kinder der Schulalltag los (Symbolbild).Foto: picture alliance / dpa

Datenschutz und Einschulung in Coronazeiten

Der Sommer hält Einzug in Potsdam, bis zu den Sommerferien ist es nur noch eine gute Woche. Für Schüler, Eltern und Lehrer geht ein bewegtes Schuljahr zuende - mit Unterricht per Video oder Arbeitsblatt und nicht zuletzt mit Kindern, denen die Krise auch Angst macht. Es stellen sich aber auch Fragen: Haben Brandenburgs Lehrer im Homeschooling alle Sicherheitsvorkehrungen zum Datenschutz eingehalten? Das prüft Brandenburgs Datenschutzbeauftragte jetzt nach Beschwerden von Eltern, wie meine Kollegin Marion Kaufmann recherchiert hat

Für die Familien der rund 2100 Potsdamer Schulanfänger fangen die Fragen erst an: Darf es in der Coronakrise Zuckertütenfeste an den Kitas geben? Sind Einschulungsfeiern erlaubt? (Spoiler: Ja, unter Auflagen). Wer kommt auf welche Schule und wie viele Eltern sind ohne Wunschplatz für ihr Kind geblieben? Meine Kollegin Katharina Wiechers hat die Antworten.

Was muss ich für heute wissen?

Joshua Acheampong, Pressesprecher der CDU-Fraktion Brandenburg
Joshua Acheampong, Pressesprecher der CDU-Fraktion BrandenburgFoto: Alex Habenicht

Das Corona-Update

Die Corona-Situation im Land und in Potsdam bleibt stabil. Das Land vermeldete am Donnerstag sechs Corona-Neuinfektionen, davon drei im Landkreis Oberhavel und je eine in Potsdam-Mittelmark, Brandenburg an der Havel und Oberspreewald-Lausitz. Die Zahl der aktiv Erkrankten liegt bei rund 60, das ist nochmal ein deutlicher Rückgang (um 20 Personen) im Vergleich zum Vortag. Landesweit werden noch 14 Covid-Patienten stationär behandelt, davon einer intensivmedizinisch. Noch besser sieht es in der Landeshauptstadt aus, wo seit Wochenbeginn keine Neuinfektion mehr registriert wurde. Fünf Covid-19-Patienten werden derzeit noch im Bergmann-Klinikum behandelt.

Für Angehörige von Patienten im Bergmann-Klinikum gibt es gute Neuigkeiten: Die Besucherregelung wird ausgeweitet. Der täglich erlaubte Besuch muss nun nicht mehr dieselbe Person sein, es darf auch jeden Tag ein anderer Angehöriger/Freund zu Besuch kommen. Das blu-Schwimmbad eröffnet am morgigen Samstag wieder. Und die Grenzen zum Nachbarland Polen sollten bereits seit Mitternacht wieder offen sein.

Über die aktuellen Entwicklungen in der Coronakrise in Potsdam und Brandenburg informieren wir Sie in unserem Newsblog.

Ermittlungen gegen Polizisten nach Übergriff in Bad Belzig

Weltweit wird gegen Polizeigewalt demonstriert, nachdem der 46-jährige Afroamerikaner George Floyd bei einer gewaltsamen Festnahme im US-amerikanischen Minneapolis starb. Nun hat Brandenburg seinen eigenen Polizei-Skandal: Zwei Beamte sollen in der Nacht auf Sonntag in Bad Belzig einen 70 Jahre alten stadtbekannten Obdachlosen schikaniert, bedrängt und dabei gefilmt haben. Anders als in den USA reagierte die Polizei schnell, wie mein Kollege Alexander Fröhlich berichtet. Gegen die beiden Polizisten laufen straf- und dienstrechtliche Ermittlungen, das Landeskriminalamt ist eingeschaltet, sie sind vorläufig beurlaubt.

Auseinandersetzung mit Rassismus

Die Ereignisse in den USA lassen auch Joshua Acheampong nicht unberührt: Der 26-jährige Potsdamer ist Sprecher der CDU-Landtagsfraktion. Während seiner Jugend in Baden-Württemberg erlebte der Sohn eines Ghanaers und einer Deutschen auch rassistische Beleidigungen wegen seiner Hautfarbe, wie er meinem Kollegen Benjamin Lassiwe sagte. Auch wenn er heute in Brandenburg keine Nachteile mehr spüre, gäben ihm die Vorfälle in den USA neuen Anlass "sich Gedanken zu machen". Dass Menschen auch im vermeintlich weltoffenen Potsdam täglich Rassismus erleben, darüber hatte mein Kollege Carsten Holm bereits im Februar geschrieben - und viele Stimmen von Betroffenen gesammelt.

Kalbitz klagt gegen Rausschmiss

Der Machtkampf in der AfD geht weiter: Der bisherige Brandenburger AfD-Landeschef Andreas Kalbitz will sich nun auch zivilrechtlich gegen seinen Ausschluss wehren - mit einer Klage beim Berliner Landgericht, wie er ankündigte. Kalbitz' Parteimitgliedschaft war vom Bundesvorstand per Mehrheitsbeschluss annulliert worden. Die Begründung: Er habe bei seinem Eintritt in die Partei eine frühere Mitgliedschaft in der inzwischen verbotenen rechtsextremen „Heimattreuen Deutschen Jugend” (HDJ) und bei den Republikanern nicht angegeben - die HDJ-Mitgliedschaft bestreitet Kalbitz. Auch das Bundesschiedsgericht der AfD ist mit dem Fall befasst.

Was soll ich heute lesen?

Die Schwanenbrücke in Potsdam ist derzeit Baustelle.
Die Schwanenbrücke in Potsdam ist derzeit Baustelle.Foto: Ottmar Winter

Schwanenbrücke ohne Schwäne

Seit einem halben Jahr ist die Potsdamer Schwanenbrücke - und damit der Eingang zum Neuen Garten von der Schwanenallee aus - gesperrt. Weil sie baufälliger war als zunächst angenommen, verzögerte sich die Sanierung um mehrere Monate. Ende Juni soll die Brücke wieder begehbar sein. Ende gut, alles gut? Nicht ganz. Denn es bleibt bei dem vergleichsweise schlichten Bauwerk, das 1945 vor der Potsdamer Konferenz eigens für Stalin errichtet wurde - zur großen Enttäuschung des Vereins Berliner Vorstadt, der bereits seit Jahren für eine Rekonstruktion der 1841 errichteten alten Schwanenbrücke mit den namensgebenden Schwanenskulpturen gesammelt hat. Was jetzt mit dem Spendengeld - immerhin 40.000 Euro - passiert, und wie es am Hasengraben weitergeht, hat meine Kollegin Steffi Pyanoe aufgeschrieben.

Welche Termine sind heute wichtig?

Dota Kehr mit Gitarrist Jan Rohrbach.
Dota Kehr mit Gitarrist Jan Rohrbach.Foto: Annika Weinthal/promo

Bilanz ziehen: Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) blickt heute um 10 Uhr mit den Chefs der Wirtschaftsförderung Brandenburg, Steffen Kammradt und Sebastian Saule auf das Jahr 2019 zurück. Sicher werden dabei die guten Ergebnisse beim Regionalranking des Instituts der deutschen Wirtschaft (DIW) eine Rolle spielen - das DIW hatte Potsdam unlängst als Aufsteiger des Jahres gekürt. Der Ausblick auf 2020 dürfte dagegen weniger amüsant ausfallen, Stichwort Corona.

Locker werden: Welche neuen Lockerungen es bei den Regeln zur Corona-Eindämmung im Land geben wird, ist heute Thema im Brandenburger Kabinett. Einiges steht auch schon fest, siehe hier. Anschließend, um 13 Uhr, stellt Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) die neue Verordnung vor. Im Newsblog halten wir Sie auf dem Laufenden.

Echt jetzt?! Der Nikolaisaal startet um 20 Uhr mit einem ersten Foyerkonzert mit der Liedermacherin Dota Kehr wieder in den Betrieb - der Abend ist ausverkauft. Aber die komplette Veranstaltungsreihe unter dem Titel "Echt jetzt?!" bietet noch bis 5. Juli täglich Abwechslung. Wegen der begrenzten Platzzahl gilt: Bei Interesse schnell reservieren.

Was könnte ich heute Unternehmen?

In der AE Galerie werden Fotos aus dem Iran gezeigt.
In der AE Galerie werden Fotos aus dem Iran gezeigt.Foto: Klaus D. Fahlbusch

Iran entdecken

Bilder aus dem Alltagsleben in iranischen Großstädten zeigt die Galerie AE in der Reihe Städteporträts. Es fotografierten der persische Künstler Hamid Sadighi Neiriz, Nicoletta Torcelli aus Freiburg, die Berlinerin Beatrice Minda, aus Potsdam Wolf Beyer und Klaus D. Fahlbusch: Streetfotografie, Menschen, Alltag und Architektur zwischen Moderne und Tradition.

„Durch den Iran zu Reisen war für mich ein sehr großer Aha-Effekt, wir haben hier oft völlig falschen Vorstellungen von dem Leben dort.“ Zur Vernissage heute von 17 bis 22 Uhr sind die Künstler anwesend.

Zu sehen bis 18. Juli in der Galerie AE, Charlottenstraße 13, geöffnet ist Freitag, Samstag und Sonntag ab 12 Uhr.

Heute schon ins Morgenland

Speisen der Assyrer, Armenier, Kurden und anderer Volksküchen aus dem Nahen Osten kommen im Restaurant De Lewante auf den Tisch. Gefüllte Blätterteigröllchen, viel Gemüse, darunter auch Ungewöhnliches wie Okraschoten, gewickelte Weinblätter, Gegrilltes oder aus der Pfanne, dazu Reis und Couscous –  am besten hingehen und probieren, die Inhaber beraten gerne. Levante ist übrigens die historische Bezeichnung für die Länder am Mittelmeer – das Morgenland.

De Lewante in der Gutenbergstraße 103, geöffnet Dienstag bis Sonntag 12 bis 22 Uhr.

Empfehlungen heute von Steffi Pyanoe.

Was kann ich heute Gutes tun?

Foto: Start with a Friend Potsdam/Facebook

Ein digitales Tandem starten

Die Initiative "Start with a Friend" will Kontakte zwischen Geflüchteten und Potsdamern vermitteln. Wichtig sind Austausch und Begegnung gerade auch in Zeiten physischer Isolation - trotz der Lockerungen ist die Lage angesichts der Coronakrise weiterhin ungewöhnlich, schreibt eine Mitstreiterin auf Facebook. Die Initiative hat nun digitale Tandempartnerschaften gestartet und sucht noch Interessenten. Infos und Anmeldung hier oder per E-Mail.

Wetter & Verkehr

Wetter

Schwülwarm mit Gewitterneigung: Nach Nebelauflösung scheint zunächst die Sonne, bis zu 30 Grad heiß könnte es werden. Später bilden sich dann Quellwolken, vereinzelt gibt es auch Schauer oder Gewitter

Verkehr

Wer heute nacht zwischen Berlin und Potsdam unterwegs ist, der kann sich nicht uneingeschränkt auf den RE1 verlassen: Von 23.30 Uhr bis 4.30 Uhr fällt die Linie zwischen Charlottenburg und Ostbahnhof aus, Fahrgäste müssen auf die S-Bahn ausweichen.

Zwei kleine gute Nachrichten gibt es für Autofahrer: Heute ist letzter Tag der Vollsperrungen im Reiherweg in Golm und in der Stadtheide. An beiden Orten waren Hausanschlüsse gebaut worden.

Person des Tages

Robert Gerwarth, Historiker am University College Dublin.
Robert Gerwarth, Historiker am University College Dublin.Foto: Siedler Verlag

Robert Gerwarth

Wissen ist Macht – und kann helfen, Frieden zu sichern. Das gilt besonders für den neuen Studiengang International War Studies, den Prof. Dr. Robert Gerwarth, Historiker am University College Dublin, gemeinsam mit dem Potsdamer Historiker Prof. Dr. Sönke Neitzel an der Uni Potsdam begründen wird. 

Gerwarth, soeben mit dem mit 60.000 Euro dotierten Reimar-Lüst-Preis ausgezeichnet, gilt als einer der profiliertesten Wissenschaftler auf dem Gebiet der Forschung zu militärischen Gewaltkulturen. Zuletzt erschien von ihm „Die Besiegten. Das blutige Erbe des Ersten Weltkriegs“ (2017, Siedler-Verlag). 

Im neuen Studiengang wird Gerwarth als Gastwissenschaftler die Ursachen, Dynamiken und Kontexte gewaltsamer Konflikte sowie deren Vorgeschichte, Verlauf und Folgen untersuchen – und er wird sich auch in die Lehre einbringen. Studierende aus aller Welt können den neuen Studiengang an beiden Unis, also in Dublin und Potsdam, absolvieren.

Bleiben Sie gesund und kommen Sie gut durch den Freitag! Wir lesen uns morgen früh wieder

Ihre Jana Haase

PNN-Redakteurin

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