• Potsdam HEUTE, Donnerstag, 5. Juni 2020: Ein Besuch auf der Baustelle, warten auf den alten Meister und über den Tod hinaus denken

Potsdam HEUTE, Donnerstag, 5. Juni 2020 : Ein Besuch auf der Baustelle, warten auf den alten Meister und über den Tod hinaus denken

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Der an der Breite Straße gelegene Sockelbau der Garnisonkirche - heute können sich dort Journalisten über den Baufortschritt informieren.
Der an der Breite Straße gelegene Sockelbau der Garnisonkirche - heute können sich dort Journalisten über den Baufortschritt...Foto: Soeren Stache/dpa

Guten Morgen,

der Freitag beginnt mit einer guten Nachricht: Die Tage des Homeschoolings und damit der ungleichen Bildungschancen wegen der Coronakrise sind hoffentlich gezählt. Nach den Sommerferien am 10. August will Brandenburg seine Schulen wieder öffnen, wie Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) am Donnerstag im Bildungsausschuss des Potsdamer Landtags ankündigte. „Mir fällt ein Stein vom Herzen“, kommentierte die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Petra Budke, früher selbst Lehrerin, im Ausschuss. Das dürfte vielen Eltern genauso gehen, die seit Wochen neben dem Homeoffice so etwas wie Unterricht für ihre Kinder stemmen müssen. Auch für die Kitas will das Kabinett in Kürze ein Konzept vorlegen. Die SPD, größter Partner in der Kenia-Koalition, drängt auf eine komplette Wiederöffnung ab 15. Juni. Voraussetzung für die Öffnungen: Das Infektionsgeschehen in Brandenburg muss niedrig bleiben. Deshalb: Weiter Abstand halten und Masken auf! Wir alle haben es jetzt mit in der Hand, wie es für die Kinder weitergeht. 

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Worüber spricht Potsdam heute?

Neue Klinikchefs setzen Ärztlichen Direktor ab 
Nicht mehr in der Hand hat Thomas Weinke die Geschicke im Potsdamer Klinikum „Ernst von Bergmann“. Nach dem schweren Corona-Ausbruch in dem kommunalen Klinikum haben die Interimschefs jetzt Konsequenzen gezogen und den bisherigen Ärztlichen Direktor Thomas Weinke mit sofortiger Wirkung von diesem Posten abberufen. 

Prof. Dr. med. Thomas Weinke auf einer Pressekonferenz zum Corona-Geschehen Ende März 2020.
Prof. Dr. med. Thomas Weinke auf einer Pressekonferenz zum Corona-Geschehen Ende März 2020.Foto: Sebastian Rost

Weinke, der als enger Vertrauer des beurlaubten Klinikum-Geschäftsführers Steffen Grebner gilt, bleibt jedoch Chefarzt der Infektiologie und Gastroenterologie. Die Abberufung Weinkes sei „ein bewusster Neuanfang nach dem Corona-Ausbruch“, sagte Interimschef Hans-Ulrich Schmidt. Wer Weinkes Nachfolger wird, hat PNN-Chefredakteurin Sabine Schicketanz aufgeschrieben. Sie ist der Meinung: Die Abberufung Weinkes ist ein wichtiges Signal für den Neustart

Was muss ich heute wissen?

Das Corona-Update
Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus bewegt sich in Brandenburg weiter auf niedrigem Niveau. Seit Anfang März seien im Land 3290 Covid-19-Fälle registriert worden, teilte das Gesundheitsministerium am Donnerstagmorgen mit. Das sind sieben Erkrankte mehr als am Vortag. Aktiv erkrankt seien etwa 90 Menschen im Land. 23 Patienten werden stationär behandelt, davon zwei intensivmedizinisch. Die Zahl der Menschen, die im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben sind, liegt bei 170, das ist ein Todesfall mehr als am Vortag. 
Corona-Schwerpunkt des Landes ist nach wie vor Potsdam mit 637 Infektionen seit Anfang März. Am Donnerstag gab die Stadt - wie schon am Mittwoch - eine Neuinfektion bekannt. 487 Menschen gelten als genesen - eine mehr als am Vortag. Nach Potsdam folgt in der landesweiten Statistik Potsdam-Mittelmark mit 555 Fällen. In der Mittelmark ist  ein weiterer Mensch im Zusammenhang mit dem Coronavirus gestorben, er kommt aus Werder (Havel)
Die wenigsten Fälle wurden mit 25 im Landkreis Prignitz erfasst.


Die Landesregierung unterstützt die Landkreise, Städte und Gemeinden mit gut 580 Millionen Euro, um die finanziellen Folgen der Coronakrise abzumildern. Damit sollen bis zum Jahr 2022 die Ausfälle bei den Gewerbesteuern und dem Anteil an den Steuereinnahmen des Landes zu einem großen Teil ausgeglichen werden, wie Finanzministerin Katrin Lange (SPD) am Donnerstag in der Potsdamer Staatskanzlei berichtete. Zudem gibt es einen Ausgleichsfonds für Mehrausgaben und Einnahmenausfälle.

Über die aktuellen Entwicklungen in der Coronakrise in Potsdam und Brandenburg informieren wir Sie in unserem Newsblog.

Rembrandt kommt später
Für 2020 war im Museum Barberini neben Monet ein weiterer Star angekündigt: RembrandtDer Alte Meister wird nun aber erst im nächsten Jahr nach Potsdam kommen, wie das Museum nun mitteilte. Der Grund: Corona. Ursprünglich sollte Rembrandt Ende Juni auf die aktuelle Schau „Monet. Orte“ folgen. Aber diese wurde aufgrund der coronabedingten Schließzeit bis zum 19. Juli verlängert. Die gemeinsam mit dem Kunstmuseum Basel geplante Ausstellung zu dem niederländischen Künstler ist nun unter dem Titel „Rembrandts Orient“ für die Zeit vom 13. März bis zum 27. Juni 2021 angekündigt. 

Rembrandts Orient. Das Porträt aus der Hand des Alten Meisters stammt von 1635.
Rembrandts Orient. Das Porträt aus der Hand des Alten Meisters stammt von 1635.Foto: Image Courtesy National Gallery

Wohnungen für Flüchtlinge

Sie teilen Küche, Bad und Zimmer. Den wegen Corona gebotenen Abstand zu halten, fällt Flüchtlingen in Gemeinschaftsunterkünften schwer. Das Infektionsrisiko in Heimen schätzen Experten deshalb als hoch ein.  „Mehr Platz für die Bewohnerinnen und Bewohner ist nicht nur infektionsschutztechnisch zu begrüßen“, hatte unlängst auch Brandenburgs Gesundheits- und Sozialministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) erklärt.  „Auch für eine gelungene Integration von Geflüchteten ist die Unterbringung in Wohnungen und Wohnverbünden den großen Gemeinschaftsunterkünften in jedem Fall vorzuziehen.“ In Potsdam leben nach Rathausangaben rund 400 Geflüchtete in  Unterkünften, in denen sie sich Küchen und Bäder teilen. Das will die Stadt nun ändern. Potsdam wird einen Plan erarbeiten, um langfristig alle Geflüchteten in Wohnungen unterzubringen. Die Stadtverordneten beschlossen einen entsprechenden Antrag der Fraktionen SPD, Linke, Grüne und Die Andere mit deutlicher Mehrheit. Wie Potsdam die Situation von Flüchtlingen verbessern will, lesen Sie hier.  
Auch in Potsdam-Mittelmark fehlen Unterkünfte, vor allem aber Wohnungen für Flüchtlinge. Michendorf geht das Problem jetzt an, wie meine Kollegin Eva Schmid berichtet.

Brandenburg boomt

Halleluja Berlin! Alle wollen dahin! Dieses Metropolen-Credo besang Rainald Grebe einst in seiner (Anti)-Brandenburg-Hymne. Aber die Zeiten haben sich geändert. Jetzt wollen viele nach Brandenburg - und stärken so die Wirtschaftskraft, was in der Coronakrise durchaus zuversichtlich stimmt.  Das Umland der großen deutschen Metropolen punktet zunehmend mit guten Wirtschaftsdaten. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Das gilt auch für die südlich an Berlin grenzenden Brandenburger Landkreise. Mit Dahme-Spreewald schaffte es sogar erstmals ein ostdeutscher Landkreis in die Top Ten der erfolgreichsten Regionen. Unter den insgesamt 401 Landkreisen und kreisfreien Städte in Deutschland liegt der Landkreis Dahme-Spreewald auf Platz sieben. Potsdam schafft es auf Rang 49, Potsdam-Mittelmark liegt auf Platz 64. Zum Vergleich: Berlin belegt den 132. Platz. Frei nach Rainald Grebe:  Es gibt Länder, wo was los ist. Es gibt Länder, wo richtig was los ist - und Brandenburg zählt jetzt auch dazu. 

Was sollte ich heute lesen?

Nationalpark in Gefahr 

Brandenburgs Reichtum beschäftigt nicht nur die Wirtschaftsforscher, sondern auch die Umweltschützer.  Denn die Mark ist reich an Natur - aber nun ist ein grünes Paradies in Gefahr. Ein polnisches Vorhaben bedroht den Nationalpark Unteres Odertal. Das machte Nationalparkleiter Dirk Treichel im Umweltausschuss des Potsdamer Landtags deutlich. 

Sonnenuntergang im Poldergebiet an der Westoder. 
Sonnenuntergang im Poldergebiet an der Westoder. Foto: Patrick Pleul/dpa

Polen plane einen umfänglichen Ausbau der Oder, um die Schiffbarkeit des Flusses zu verbessern und größere Tauchtiefen zu erreichen.  Aus Sicht der Nationalparkverwaltung sind die polnischen Pläne nicht mit der Wasserrahmenrichtlinie und den Naturschutz-Richtlinien der Europäischen Union vereinbar. Benjamin Lassiwe hat aufgeschrieben, worum es bei dem Streit geht

Welche Termine sind heute wichtig?

  • Nutzungskonzept für Garnisonkirche:  Für den wachsenden Turm der Garnisonkirche in der Breiten Straße soll heute um 11 Uhr in der Nagelkreuzkapelle das künftige Betriebs- und Nutzungskonzept vor Journalisten erläutert werden. Das kündigte die Stiftung für den Wiederaufbau an.  Platz in dem Turm könnten etwa ein Café, ein großer Ausstellungsraum und Seminarräume für die politische Bildungsarbeit finden. Über die Details informieren wir Sie heute zeitnah online auf www.pnn.de.
  • Woidke leitet Bundesratssitzung: Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) leitet  heute ab 9.30 Uhr in seiner Funktion als Bundesratspräsident eine Plenarsitzung des Bundesrates in Berlin. Die Ministerin der Finanzen und für Europa, Katrin Lange (SPD), Sozialministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) und die Bevollmächtigte des Landes beim Bund, Staatssekretärin Jutta Jahns-Böhm, nehmen an der Sitzung teil. 
  • Ausstellung zur Stadtplanung: Um 13 Uhr wird heute in Brandenburg an der Havel die Ausstellung „Spiegel der Gesellschaft: Stadtplanungen in Brandenburg“  eröffnet. Die Ausstellung ist Teil des Gesamtprojektes der Arbeitsgemeinschaft Städte mit historischen Stadtkernen des Landes Brandenburg zum Jahresthema  „Zerstört - Erhalten - Gerettet. Lebenswerte Altstädte“ im Rahmen der Kulturland-Brandenburg-Kampagne. Die Ausstellung im öffentlichen Stadtraum lädt zum Rundgang zu verschiedenen Orten in Brandenburg an der Havel ein. 
  • Das Schadstoffmobil kommt: Heute ist das Potsdamer Schadstoffmobil wieder an mehreren Standorten in Bornstedt, Eiche, Golm, Grube, der Jägervorstadt sowie der Brandenburger Vorstadt anzutreffen. Die genauen Termine finden Sie hier. 

Was könnte ich heute unternehmen?

Empfehlungen heute von Steffi Pyanoe

Der Bonsaigarten in Ferch.
Der Bonsaigarten in Ferch.Foto: Andreas Klaer

Abwarten und Tee trinken
Letzter Tag vor der nächsten großen Lockerung: Am Wochenende dürfen endlich wieder öffentliche Veranstaltungen stattfinden – aber da verraten wir noch nichts. Heute können Sie noch mal Kraft tanken, zum Beispiel im Japanischen Bonsaigarten in Ferch. Beim Spaziergang durch den Garten, in dem gerade Kamelien und Satsuki-Azaleen blühen, lässt sich gut entspannen. Im Teehaus wird natürlich feiner japanischer Tee angeboten und dazu das passende filigrane landestypische Kleingebäck: Klebreisbällchen oder Knabbereien aus Reis, Dora-Yaki-Küchlein und Nashi-Birne an Vanillesauce.
Bonsaigarten Ferch, In der Fercher Str. 61, 14548 Schwielowsee.
Anreise mit dem Bus 607 ab Potsdam Hauptbahnhof bis Endhaltestelle Ferch, dann eine Minute Fußweg in Richtung Ortsgrenze. Wer mit dem Wassertaxi anreist, steigt in „Ferch Haus am See“ aus, dann 800 Meter den Uferweg entlang Richtung Petzow.
Geöffnet ist Dienstag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr, der Eintritt kostet 6, ermäßigt 5 Euro.

Sport für alle in Potsdam-West
Mal einen Rückblick aufs Wetter: Vor einem Jahr hatten wir in Potsdam 35 Grad. Da war an Sport im Freien kaum zu denken. Die heutigen etwa 19 Grad sind dagegen ideale Trimm-Dich-Temperaturen. Senioren machen das am besten mit altersgerechten Sportgeräten, wie sie die Gewoba zum Beispiel im Kiez zwischen Stormstraße und Haeckelstraße aufgestellt hat - seinerzeit getestet und für gut befunden vom damaligen Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD). Enkelkinder haben dort bestimmt auch ihren Spaß. 
Beweglichkeitstrainer sowie Geräte für Schulter, Bein und Massage findet man in der Stormstraße 26. Im Hof der Galileistraße 23-31 kann man auch sporteln. 

Was kann ich heute Gutes tun?

Über Organspende nachdenken 
Brandenburgs Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) hat zum „Tag der Organspende“ am 6. Juni dazu aufgerufen, sich mehr mit dem Thema auseinanderzusetzen. „Jede und jeder kann für sich oder nahe Angehörige auf ein Spender-Herz oder eine Niere angewiesen sein. Deswegen bitte ich darum: Denken Sie darüber nach, ob Sie im Fall der Fälle spenden würden“, erklärte die Ministerin am Donnerstag. Es gehe darum, Leben zu retten. Ein einzelner Organspender könne bis zu sieben schwerkranken Menschen helfen. Nur rund ein Drittel der Bürger in Deutschland besitze aber einen Organspendeausweis, sagte Nonnemacher. 

Foto: Daniel Maurer/dpa

Nach Angaben der Deutschen Stiftung Organspende stagniert die Zahl der postmortalen Organspender in Brandenburg seit Jahren auf niedrigem oder sogar rückläufigem Niveau: So wurden im Jahr 2018 noch 37 Organspender registriert, im vergangenen Jahr waren es nur 20. Brandenburg belegt damit im Bundesvergleich einen der hinteren Plätze. Rund 9000 Menschen in Deutschland warten derzeit auf ein Spenderorgan. Weitere Informationen gibt es im Internet. 

Wetter & Verkehr

Wetter
Das Wetter macht heute Sommerpause: Wechselnde bis starke Bewölkung bringt örtliche Regenschauer
und vereinzelt auch noch mal Gewitter bei einer Höchsttemperatur von 19 Grad. Das Wochenende wird zur Freude aller Frischluftfans wieder freundlich.

Verkehr

Auf Potsdams Straßen sind neben den üblichen Baustellen keine Staus für Freitag gemeldet. Für Brückenbauarbeiten des Landesbetriebes beispielsweise ist die Friedrich-Engels-Straße Höhe L40 weiterhin halbseitig gesperrt. Aktuelle Verkehrsmeldungen finden Sie hier. Auch BusseStraßenbahnen und die S-Bahn fahren planmäßig. 

Person des Tages

Merle Barth
Merle BarthFoto: imago

Merle Barth
Neuzugang Nummer drei für Turbine Potsdam: Der Frauenfußball-Bundesligist, der sich diese Woche beim Viertelfinale des DFB-Pokals geschlagen geben musste, gab am Donnerstag die Verpflichtung von Merle Barth bekannt. Die 26 Jahre alte Defensivspielerin kommt vom Ligarivalen Bayer 04 Leverkusen. „Ich bin überzeugt davon, mit der Mannschaft nächste Saison viel erreichen zu können und möchte meinen Teil dazu beitragen, die sportlichen Ziele zu erreichen“, wird Barth in einer Vereinsmitteilung zitiert. Potsdams Trainer Matthias Rudolph traut dem Neuzugang viel zu: „Merle verfügt über ein gutes Auge und kann neben der Spielverlagerung exakte Bälle in die Tiefe spielen.“ Vor Barth konnten die Turbinen mit Lena Uebach und Selina Cerci  bereits zwei Nachwuchstalente verpflichten.


Kommen Sie trocken und ohne Rettungsschirm durch den Tag. Morgen Früh lesen wir uns wieder. 

Ihre Marion Kaufmann
PNN-Vizechefredakteurin


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