• Potsdam HEUTE, Dienstag, 22. September 2020: Kita-Gebühren-Flickenteppich, Elche im Liebesstress und eine Auktion für die Arche

Potsdam HEUTE, Dienstag, 22. September 2020 : Kita-Gebühren-Flickenteppich, Elche im Liebesstress und eine Auktion für die Arche

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Der PNN-Newsletter - heute von Jana Haase.
Der PNN-Newsletter - heute von Jana Haase.Foto: Sebastian Gabsch

Guten Morgen,

heute vor 182 Jahren gab es eine Premiere in Potsdam: Am 22. September 1838 dampfte zum ersten Mal eine Eisenbahn nach Zehlendorf. Es war die erste Bahnstrecke in Preußen (und die dritte auf deutschem Boden), einen guten Monat später verlängert um das Teilstück Zehlendorf-Berlin als "Stammbahn" bekannt geworden. Der preußische König konnte dem modernen Transportmittel seinerzeit nicht viel abgewinnen, auch sein Generalpostmeister hielt Postkutschen für viel praktischer, weil flexibler. Wieso die Strecke trotzdem in der Rekordzeit von einem Jahr gebaut wurde und wie die Jungfernfahrt verlief, hat der Potsdamer Hobby-Historiker Christoph Janecke auf seinem Blog lesenswert zusammengefasst

Gerade einmal 22 Minuten soll die Bahn auf der schnurgeraden Strecke von Potsdam bis Zehlendorf gebraucht haben - zwei Minuten schneller als heute mit der S-Bahn. Selbst mit dem Auto wäre man laut der Berechnung eines einschlägigen Internetkartendienstes nicht schneller in Zehlendorf als mit dem Zwölf-PS-Zug von 1838. Was Wunder, dass die Pläne zur Reaktivierung der seit langem stillgelegten "Stammbahn" immer wieder diskutiert werden.

Ich habe mich ja neulich schon als Fan einer verkehrsberuhigten Innenstadt geoutet (vielen Dank für Ihre Zuschriften - sogar in Bremen haben wir Leser!). Heute nun wird international der "Autofreie Tag" begangen. Zwar gibt es in Potsdam - anders als im benachbarten Berlin - keine temporären Spielstraßen, aber profitieren können die Potsdamer trotzdem: Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) lässt Wochen-, Monats- und Jahreskarten-Inhaber (auch die vom Potsdamer Verkehrsbetrieb) kostenlos in ganz Berlin und Brandenburg fahren. Alle anderen können heute einen Einzelfahrausweis als Tageskarte nutzen. Sie haben gar keine Zeit für solche Ausflüge? Am Sonntag gilt dieses VBB-Angebot noch einmal. Für Sommerwetter kann ich dann allerdings nicht mehr garantieren.

Und nun: Einsteigen, bitte! Los geht's mit unserer morgendlichen Tour durch die Nachrichtenlage in Potsdam und Brandenburg

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Worüber spricht Potsdam heute?

Bei den Kita-Gebühren gibt es gravierende Unterschiede. 
Bei den Kita-Gebühren gibt es gravierende Unterschiede. Foto: dpa

200 Euro Differenz bei den Kita-Gebühren
Über die Rechtmäßigkeit der städtischen Kita-Gebührensatzung wird in Potsdam seit Jahren gestritten - das Nachsehen haben nun einmal mehr die Eltern: Seit diesem Kitajahr entscheidet jeder Träger selbst über seine Gebührensatzung. Das Ergebnis ist der befürchtete Flickenteppich: Etwa jede sechste Kita weicht von den Empfehlungen der Stadt ab, wie mein Kollege Henri Kramer recherchiert hat. In der Praxis führt das zu Preisunterschieden von bis zu 200 Euro pro Monat. Wie Träger und Stadt wieder zu einer gemeinsamen Satzung kommen wollen, lesen Sie hier.

Was muss ich für heute wissen?

Wie viele Elche in Brandenburg leben, ist unklar.
Wie viele Elche in Brandenburg leben, ist unklar.Foto: picture alliance / dpa

Das Corona-Update
Der Unterschied könnte größer nicht sein: Während in Berlin am Montag erstmals zwei Corona-Ampeln auf Gelb gesprungen sind und der Senat heute über Konsequenzen berät, hat Brandenburg eine Nullrunde hingelegt - keine neuen Infektionen im ganzen Land. Dabei muss jedoch - wie immer zum Wochenstart - mit einem gewissen Meldeverzug und in der Folge höheren Zahlen in den kommenden Tagen gerechnet werden. Die Zahl der aktiv Erkrankten im Land ist auf 175 zurückgegangen, 14 weniger als Sonntag. Das Potsdamer Gesundheitsamt meldete vom Wochenende zwei Neuinfektionen nach. 98 Kontaktpersonen sind derzeit in häuslicher Quarantäne. 

Was die viel beschworene "Zweite Welle" und ein Verkehrsstau miteinander zu tun haben und wie Deutschland durch den Corona-Winter kommen kann, hat der Charité-Virologe Christian Drosten unseren Berliner Tagesspiegel-Kollegen im Interview erklärt

Über die aktuellen Entwicklungen in der Coronakrise in Potsdam und Brandenburg informieren wir Sie fortlaufend in unserem Newsblog.

Zahl der Schweinepest-Fälle steigt auf 20
Weiter geht es mit der anderen Seuche, der für Wild- und Hausschweine zumeist tödlichen, für den Menschen aber ungefährlichen Afrikanischen Schweinepest. Hier gibt es wenig erfreuliche Nachrichten: Die Zahl der bestätigten Fälle in Brandenburg summiert sich rund anderthalb Wochen nach dem Fund des ersten Wildschweinkadavers auf nunmehr 20. Um weitere mögliche tote Tiere aufzuspüren, sind seit Montag im Landkreis Oder-Spree spezielle Kadaversuchhunde im Einsatz. Im Landkreis Spree-Neiße soll ab heute eine Hundestaffel in die Spur geschickt werden. Mehr dazu lesen Sie hier.

Elche ohne Liebesglück
Ganz andere Probleme haben Brandenburgs Elche: Wie viele Tiere es überhaupt sind, die aus Polen in die Lausitz und andere Regionen ausgewandert sind, ist nicht sicher. Forscher haben aber beobachtet, dass Elchbullen bei der Partnersuche in Brandenburg wenig Glück haben und dafür lieber zurück in die alte Heimat gehen. Eine Ausnahme macht ein liebevoll "Bert" getauftes Tier, das im Naturpark Nuthe-Nieplitz südlich von Potsdam heimisch geworden ist, und offenbar eine Vorliebe für Kuhherden hat. Hier erfahren Sie mehr.

Luxuswohnen im Bornstedter Feld
Kommen wir zurück nach Potsdam, nächste Station Georg-Hermann-Allee: Dort, am Volkspark, sollen unter dem Namen "Fontane Gärten" 108 Luxuswohnungen entstehen, die zu Preisen um die 6000 Euro pro Quadratmeter angeboten werden - das ist schon auf Hamburger Niveau. Wieso der Entwicklungsträger ProPotsdam das Projekt des Wohnentwicklers Instone Real Estate verteidigt, lesen Sie hier.

Was soll ich heute lesen?

Regisseur Michael Fetter Nathansky.
Regisseur Michael Fetter Nathansky.Foto: Manfred Thomas

Von Fliesen, Frauen und Fragmenten
Zwei Schwestern: Die eine, Silke, wohnt im Plattenbauviertel Am Stern, die andere, Moni, lebt eigentlich auf Mallorca, kehrt aber in ihre Heimatstadt an der Havel zurück - nach einem folgenschweren Unglück. Denn Silke wurde von einer Brücke gestoßen, ist nun versehrt und hilfsbedürftig. Doch liegen die Dinge wirklich so, wie sie zunächst scheinen? Seinen neuen Film "Sag du es mir" zeigt der Filmemacher Michael Fetter Nathansky, Absolvent der Babelsberger Filmuniversität, beim diesjährigen Studentenfilmfestival Sehsüchte, das morgen beginnt. Meine Kollegin Lena Schneider hat den bereits mehrfach ausgezeichneten Jungregisseur porträtiert - hier lesen Sie ihren Text.

Welche Termine sind heute wichtig?

Volker Schlöndorff präsentiert einen Kurzfilm über den Griebnitzsee-Uferweg.
Volker Schlöndorff präsentiert einen Kurzfilm über den Griebnitzsee-Uferweg.Foto: Andreas Klaer

Spenden für den Campanile. Die Schlösserstiftung, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und der Bauverein der Friedenskirchgemeinde starten heute eine Spendenkampagne zur Sanierung des Glockenturms der Friedenskirche. Zum Pressetermin 15 Uhr mit Schlösserstiftungschef Christoph Martin Vogtherr und Pfarrer Simon Kuntze werden als Mäzene auch der TV-Moderator Günther Jauch und seine Frau Dorothea Sihler erwartet.

Film für den U​​​​​​ferweg. Der Oscar-Preisträger und Griebnitzsee-Anwohner Volker Schlöndorff hat anlässlich des 30. Einheitsjubiläums für den Verein "Griebnitzsee für Alle" einen Kurzfilm zum Streit um den Uferweg am Griebnitzsee gedreht. Der Film wird heute 15.30 Uhr im Filmmuseum der Presse gezeigt. Anschließend läuft er bis 3. Oktober auf der Leinwand des "Neuen Potsdamer Toleranzedikts" vor dem Museum. Nach dem Mauerfall wurde der Uferweg, auf dem zuvor Grenztruppen patrouillierten, öffentlich zugänglich. Einige Anwohner sperren ihn seit 2009.

Entscheidung für das RAW-Gelände? Die Stadtverordneten im Bauausschuss diskutieren bei ihrer Sitzung ab 18 Uhr im Plenarsaal des Stadthauses zum wiederholten Mal den Auslegungsbeschluss für den Bebauungsplan für das RAW-Gelände. Das Thema ist schon mehrfach vertagt worden. Ob heute die Entscheidung fällt? Auch das geplante Depot für das Potsdam Museum ist Thema. Über die Ergebnisse halten wir Sie im Newsletter auf dem Laufenden.

Was könnte ich heute unternehmen?

Eines der Fotos in der Bienen-Ausstellung im Naturkundemuseum.
Eines der Fotos in der Bienen-Ausstellung im Naturkundemuseum.Foto: Andreas Klaer

Und diese Biene, die ich meine...
Alle reden jetzt über die Biene, sie ist in den vergangenen Jahren zum Gradmesser ökologischer Achtsamkeit geworden. Aus gutem Grund: Ohne die Bestäuber wächst bald nichts mehr auf unseren Feldern, in den Obstplantagen und Gärten. Und ihr Honig ist auch was Feines. Wie das alles zusammenhängt, wie die Biene lebt und vor allem, wie Biene und Mensch miteinander zurechtkommen können, zeigt die Mitmach-Ausstellung „Mensch Biene“ im Potsdamer Naturkundemuseum. Neben der Honigbiene werden auch Fotos aus dem Leben der Wildbienen gezeigt.
Dienstag bis Sonntag 9 bis 17 Uhr im Naturkundemuseum, Breite Straße 13. Erwachsene zahlen 4 Euro, Kinder 2 Euro Eintritt

Wer bin ich und wie viele? 
„Einigkeit und Recht und Freiheit“ heißt es in Deutschlands Hymne. Und dass das Deutsche Reich 1871 gegründet wurde, das hängt einem auch noch im Gedächtnis. Aber auch die Kriege von 1864 gegen Dänemark und 1866 gegen Österreich haben damit zu tun, dass am 18. Januar 1871 König Wilhelm I. von Preußen in Versailles zum Deutschen Kaiser ausgerufen wurde. Die Verfassung des neuen Reiches versprach unter anderem ein damals sehr modernes Wahlrecht und eine Reihe anderer Freiheiten. Aber war es denn ein Nationalstaat? Und wie war es um Demokratie und Wahlrecht tatsächlich bestellt? Dazu spricht Oberstleutnant Harald F. Potempa vom Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr heute in einem Vortrag „Wegmarken Potsdamer Demokratie: 1870/71: Krieg(e), Kaiserproklamation, Wahlrecht“ im Bildungsforum. 
18 Uhr in der Wissenschaftsetage des Bildungsforums Potsdam, Am Kanal 47. Anmeldung erforderlich per Mail oder Telefon.

Empfehlungen heute von Steffi Pyanoe.

Was kann ich heute Gutes tun?

Gianna Nannini sang 2007 in Potsdam.
Gianna Nannini sang 2007 in Potsdam.Foto: Manfred Thomas

Mitbieten für die Arche
Nena, Joe Cocker, Gianna Nannini, Jethro Tull und Kim Wilde: Ja, sie alle standen schon einmal beim Potsdamer Stadtwerkefestival auf der Bühne. Die Stadtwerke versteigern jetzt sieben signierte "Startafeln" von früheren Veranstaltungen - bedruckte Hartschaumplatten im Format 1,75 Meter mal 1,20 Meter - für einen guten Zweck: Die Erlöse aus fließen an das christliche Kinderprojekt Arche Potsdam. Mitbieten kann man bis zum 2. Oktober, hier stehen die Details.

Wetter und Verkehr

Wetter
Zum astronomischen Herbstanfang heute - Tag-und-Nacht-Gleiche! - wird es noch einmal sommerlich: Sonne bei bis zu 26 Grad sind vorhergesagt, nachts kühlt es auf neun Grad ab. Herbstlich wird es voraussichtlich erst ab Freitag.

Verkehr
Nichts Neues an der Verkehrsfront. Lediglich Nachtschwärmer, die zwischen 23.45 Uhr und 1 Uhr mit dem RE 1 aus Berlin zurück nach Potsdam wollen, müssen heute etwas mehr Zeit einplanen: Die Züge kommen wegen Instandhaltungsarbeiten an der Strecke bis zu zehn Minuten später an, die Details entnehmen Sie dem Baustellenfahrplan. Einen Überblick über die bestehenden Verkehrseinschränkungen auf Potsdams Straßen gibt die Stadt hier.

Person des Tages

Christian Ulmen

Ulmen (r.) mit "Jerks"-Co-Star Fahri Yardım.
Ulmen (r.) mit "Jerks"-Co-Star Fahri Yardım.Foto: picture alliance/dpa

Je peinlicher die Szene, desto befreiender das Lachen für die Zuschauer - auch wenn die manchmal selbst nicht so genau wissen, worüber sie eigentlich gerade gelacht haben: Mit "Jerks" hat Christian Ulmen gemeinsam mit seinem Co-Star Fahri Yardım Neuland betreten im deutschen Fernsehen. Sie spielen Christian und Fahri, irgendwie sich selbst, aber krasser, schambefreit. Zwei Freunde mit schicken Häusern in Potsdam, die nicht erwachsen sein wollen. Die Serie "veralltagt die Dinge, die ohnehin zum Leben gehören, aber sonst niemand sehen will", hat meine Kollegin Lena Schneider mal geschrieben. Wobei diese Dinge nicht selten unter der Gürtellinie liegen. 

"Jerks gibt all meinen Niederlagen nachträglich einen Sinn", hat Ulmen vor zwei Jahren im PNN-Interview gesagt. Derzeit wird die vierte Staffel gedreht, das Team war vergangene Woche unter anderem schon im Babelsberger Fotostudio Prokopy zugange. Eine Weihnachtsspezialfolge wird im Dezember zu sehen sein, hat Ulmen über Twitter angekündigt, der Rest kommt 2021, mittlerweile über den Internet-Streamingdienst Joyn. Heute feiert der in Potsdam lebende Schauspieler, Produzent, Regisseur, Tausendsassa, der in Hamburg beim Radio und beim Offenen Kanal seine Karriere begann, seinen 45. Geburtstag. Alles Gute!

Und damit sind wir an der Endstation, bitte alle aussteigen! Morgen früh sind Sie mit meiner Kollegin Marion Kaufmann unterwegs. Bleiben Sie gesund und bis bald!

Ihre Jana Haase
PNN-Redakteurin

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