• Potsdam HEUTE, Dienstag, 16. Juni 2020: Unter Extremismusverdacht, Limo statt Badewasser und ein Leuchtturmprojekt

Potsdam HEUTE, Dienstag, 16. Juni 2020 : Unter Extremismusverdacht, Limo statt Badewasser und ein Leuchtturmprojekt

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Jana Haase
Foto: Sebastian Gabsch PNN

Guten Morgen, 

es waren Bilder, die an den Mauerfall 1989 erinnerten: Als am Wochenende die deutsch-polnische Grenze nach knapp drei Monaten coronabedingter Schließung wieder geöffnet wurde, war auf der Brücke zwischen Frankfurt (Oder) und Słubice Feststimmung, Oberbürgermeister René Wilke (Linke) und sein polnischer Mariusz Olejniczak fielen sich sogar in die Arme. Und wer könnte es ihnen verdenken! Aber es sind besondere Zeiten und deshalb hat die herzliche Geste nun ein juristisches Nachspiel: Wilke zeigte sich am Montag selbst an, weil er das Corona-Abstandsgebot nicht eingehalten hat. „Die Geste war nicht geplant, aber wichtig. Allerdings war sie auch ein Regelverstoß, für den ich einzustehen habe“, erklärte er. Das Ergebnis der Prüfung durch das Gesundheitsamt wird noch in dieser Woche erwartet. Im Potsdamer Rathaus dürfte man angesichts solcher Corona-Probleme nur müde lächeln. Der Landeshauptstadt steht nach dem Corona-Ausbruch am Bergmann-Klinikum noch viel Aufklärungsarbeit bevor... 

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Worüber spricht Potsdam heute?

Das Klinikum "Ernst von Bergmann" in Potsdam.
Das Klinikum "Ernst von Bergmann" in Potsdam.Foto: Sebastian Gabsch

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Bergmann-Chefs 
Der Skandal um den (zu) lange unerkannt gebliebenen Corona-Ausbruch am Bergmann-Klinikum hat die Stadt seit dem Frühjahr erschüttert - 47 Menschen sind im Klinikum an oder mit dem Coronavirus gestorben, wochenlang musste das Haus geschlossen bleiben. Nach gut zweimonatiger Prüfung hat die Staatsanwaltschaft nun Ermittlungen gegen die bereits beurlaubte Geschäftsführung aufgenommen. Es geht um den Verdacht der fahrlässigen Tötung und der fahrlässigen Körperverletzung

Ebenfalls im Fokus der Ermittlungen stehen drei leitende Ärzte, die möglicherweise gegen das Infektionsschutzgesetz verstoßen haben. Die Stadtpolitik will unterdessen auch die politische Verantwortung aufgeklärt sehen. Besonders laut war das nicht nur aus der CDU-Opposition im Rathaus, sondern auch aus der SPD zu hören: Pete Heuer, Vorsitzender der Stadtverordnetenversammlung, ging am Montag auf Konfrontationskurs zu seinem Parteifreund, Oberbürgermeister Mike Schubert. PNN-Chefredakteurin Sabine Schicketanz wundert sich über solche politischen Machtspiele: Schon aus Respekt vor den Angehörigen der Opfer sollte sich die Stadtpolitik jetzt ehrlich um Transparenz und Aufklärung bemühen, schreibt sie in ihrem Kommentar.

Was muss ich für heute wissen?

Keine von den beiden Parteien hat zu einer Versammlung am Samstag am Alten Markt aufgerufen.
Keine von den beiden Parteien hat zu einer Versammlung am Samstag am Alten Markt aufgerufen.Foto: Ottmar Winter

Das Corona-Update
Die Corona-Lage im Land Brandenburg und in Potsdam bleibt weiter stabil: Am Montag vermeldete das Landesgesundheitsministerium lediglich eine Neuinfektion - im Landkreis Potsdam-Mittelmark, in Bad Belzig. In Potsdam gab es laut Stadt keine neuen Fälle. Die Zahl der aktiven Corona-Fälle brandenburgweit liegt bei zirka 70 Menschen, in Potsdam gibt es aktuell 22 aktiv Erkrankte. Landesweit werden 13 Personen mit einer Covid-19-Erkrankung in Krankenhäusern behandelt, davon vier in Potsdam.
Über die aktuellen Entwicklungen in der Coronakrise in Potsdam und Brandenburg informieren wir Sie in unserem Newsblog.

Neues im Synagogenstreit
Seit einem guten Jahrzehnt schon schwelt der Streit um den Neubau der Potsdamer Synagoge in der Schloßstraße; die erst im April verkündete Einigung zwischen der Jüdischen Gemeinde, der Synagogengemeinde und dem Land Brandenburg als Bauherr ist mittlerweile schon wieder passé. Während Ud Joffe von der Synagogengemeinde nun im CDU-Videoformat "Potsdamer Kieztalk" den kompletten Prozess in Frage stellt, bringt sich eine neue jüdische Gemeinde als möglicher Vermittler ins Spiel: „Kehilat Israel“ ist im April hauptsächlich von Einwanderern aus Israel gegründet worden, mein Kollege Christoph M. Kluge hat mit dem Gemeindevorsitzenden Albert Bravo gesprochen.

Wirbel um gefälschte Plakate
Für Rätselraten sorgen in Potsdam mehrere gefälschte Plakate, die zu einer vermeintlichen Veranstaltung am Samstag 13.30 Uhr auf dem Alten Markt einladen: "Versammelt Euch", "Neue Wege gehen" oder "Mehr Demokratie für alle!" heißt es da, mit Parteilogos von Die Linke, Grüne oder SPD - die Parteien stecken aber nicht dahinter. Mittlerweile sind Polizei und Bundespolizei eingeschaltet. Eine "False Flag"-Aktion aus dem rechten Lager oder eine Guerilla-Marketing-Aktion von Klimaschützern? Mein Kollege Carsten Holm ist dieser Frage nachgegangen.

Kopf hoch
Bei einem Akt des Vandalismus hat Frau Grün am Wochenende ihren Kopf verloren - und die Reparatur ist komplizierter als gedacht. Die Künstlerin Kerstin Becker, deren Nachschöpfung der beliebten Skulpturengruppe "Familie Grün" erst im Mai an der Brandenburger Straße aufgestellt worden war, konnte den abgetrennten Kopf am Montag nicht wie geplant wieder anfügen. Sie müsse ihn zunächst in ihrem Atelier in Zossen (Teltow-Fläming) instand setzen, erklärte sie. Möglicherweise kann der Kopf nun aber heute zurückkehren.

Was soll ich heute lesen?

Foto: Sebastian Gabsch
Andreas Kalbitz wurde die AfD-Mitgliedschaft entzogen.Foto: Sebastian Gabsch PNN

Unter Extremismusverdacht
In der AfD knirschte es nach dem Rausschmiss von Landeschef Andreas Kalbitz bereits gewaltig, ein Machtkampf ist ausgebrochen, Kalbitz will sich zurückklagen. Nun ist der AfD-Landesverband vom Landesverfassungsschutz als Verdachtsfall für rechtsextremistische Bestrebungen eingestuft worden - auch, weil der bis zur formellen Auflösung von Kalbitz mitgeführte völkisch-nationalistische "Flügel" tonangebend im Landesverband geworden sein soll. Was die Einstufung für die Arbeit der Sicherheitsbehörden und für die Partei bedeutet, hat mein Kollege Alexander Fröhlich hier analysiert.

Welche Termine sind heute wichtig?

Das Wohngebiet Am Schlaatz soll umgestaltet werden.
Das Wohngebiet Am Schlaatz soll umgestaltet werden.Foto: Andreas Klaer

Geld für Vereine: Die Mittelbrandenburgische Sparkasse (MBS) fördert 34 Potsdamer Vereine mit Spenden in Höhe von insgesamt 120.000 Euro. Stellvertretend nimmt der Urania-Verein im Urania-Planetarium in der Gutenbergstraße heute um 11 Uhr eine Zuwendung für das Projekt "Interaktives Lernen in der Planetariumskuppel" von MBS-Marktdirektorin Andrea Aulich entgegen.

Sport frei: Es soll ein Leuchtturm-Projekt bei der Umgestaltung des Plattenbauviertels Schlaatz werden - das Sportforum Schlaatz. Heute um 12 Uhr stellt Noosha Aubel (parteilos), die Beigeordnete für Bildung, Kultur und Sport, gemeinsam mit KIS-Werksleiter Bernd Richter die Wettbewerbsergebnisse für das geplante Zentrum für den Schul- und Vereinssport vor. Die Entwürfe werden anschließend in der Turnhalle im Schilfhof 23/25 ausgestellt. Gebaut wird dem bisherigen Zeitplan zufolge von 2022 bis 2024.

Wohnung wechsel Dich: Nachrichten zum Potsdamer Wohnungsmarkt sind für gewöhnlich wenig erfreulich, Mieten und Kaufpreise kennen seit Jahren nur eine Richtung - nach oben. Schon sehr lange wird in Potsdam deshalb über eine Wohnungstauschbörse diskutiert. Heute 13 Uhr stellt die Sozialbeigeordnete Brigitte Meier (SPD) nun gemeinsam mit Gregor Jekel, dem Fachbereichsleiter Wohnen, Arbeit und Integration, das städtische Konzept für die Wohnungstauschbörse vor, an den Start gehen soll sie im Juli.

Aus Protest sitzen bleiben: Auf dem Platz der Einheit steht seit Montagabend ein "Protestsofa", das noch bis Freitag rund um die Uhr besetzt sein soll. Mit der Aktion will die Initiative Potsdam Konvoi noch bis Freitag für ein Landesaufnahmeprogramm für mindestens 2000 Flüchtlinge werben, wie sie auf Facebook ankündigte. Geplant sind Redebeiträge, am Donnerstag 20 Uhr auch ein Konzert. Die Initiative hatte bereits im Mai eine Petition gestartet, mehr als 600 Menschen haben für das Anliegen schon unterschrieben.

Was könnte ich heute unternehmen?

An der Friedenskirche im Park Sanssouci erklingt heute Musik.
An der Friedenskirche im Park Sanssouci erklingt heute Musik.Foto: Sabine Schicketanz

Königliche Ruhe
Schloss Sanssouci sollte gar kein Schloss werden, nur ein Sommerhaus für den König, seine Potsdamer Datsche sozusagen, Damenbesuch unerwünscht. Hier hatte Friedrich II. Zeit für Musik, Bücher und gutes Essen. Das teilte er auch gerne mit ausgewählten Gästen. Dennoch: Ebenerdig wie ein einfaches Gartenhaus liegt das Schloss, das damals noch viel weniger prunkvoll war als heute. Seit April werden die Treppen saniert – der König selbst soll damals ungern Taler für Renovierungen ausgegeben haben. Luxus war für ihn die Ruhe, die er hier fand. In diesen Corona-Zeiten ohne Touristenbusse ist es auch im Schloss und Park ruhiger als sonst, der ursprüngliche Zauber lässt sich gut nachempfinden.
Schloss Sanssouci, geöffnet Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17.30 Uhr, Karten an der Schlosskasse.

Pause mit Musik
Wenn man schon mal im Park ist, sollte man um 15 Uhr in der wiederum sehr italienisch anmutenden Friedenskirche einen kleinen Halt einlegen: Hier erklingt eine kleine Orgelmusik. Der Eintritt ist frei.

Limo statt Badewasser
Nur wenige Hundert Meter weiter kann man im Café Kieselstein mit Terrasse einkehren. Hier gibt es nicht nur ein verlockendes Tortenangebot, zum Teil auch vegan und glutenfrei, sondern hausgemachte Limonade, frisch gepresste Säfte, regionales Eis, Bio-Bier und Wein.
Täglich geöffnet von 10 bis 18 Uhr im ehemaligen Werner Alfred Bad, Hegelallee 23.

Abendständchen in Blech
Der Posaunenchor Nordblech spielt in der Coronakrise jeden Dienstag vor Senioren- und Pflegeheimen Volkslieder, Choräle und Abendlieder - heute um 18 Uhr vor dem Evangelischen Seniorenzentrum Emmaus-Haus in der Eisenhartstraße 14-17.

Empfehlungen heute von Steffi Pyanoe und Jana Haase.

Was kann ich heute Gutes tun?

Die Potsdam-Ansicht entstand um 1860. Wer sie gemalt hat? Unklar.
Die Potsdam-Ansicht entstand um 1860. Wer sie gemalt hat? Unklar.Foto: POTSDAM MUSEUM

Potsdam-Ansicht erstrahlen lassen
Wer dieses wunderbare Potsdam-Panorama gemalt hat, ist unbekannt - aber man guckt sich sofort fest, vergleicht damals (irgendwann um 1860) mit heute. Wie die Spaziergänger und reitenden Ausflügler im Park Babelsberg blickt man über die Havel rüber nach Potsdam: Da sind die drei Kirchtürme, dazwischen rauchende Fabrikschlote, die steinernen Bögen der Langen Brücke... Und was mag das für ein burgartiger Komplex am diesseitigen Havelufer sein? 

Das Ölgemälde hat der Förderverein des Potsdam Museums für 1530 Euro ankaufen können - nun sammelt er Spenden für die nötige Restaurierung in der Potsdamer Werkstatt von Oliver Wenske, 3000 Euro werden gebraucht.
Spenden gehen an den Förderverein des Potsdam-Museums e.V., Mittelbrandenburgische Sparkasse, IBAN: DE 3016 0500 0035 0301 6596, Verwendungszweck: Potsdam-Ansicht; für eine Spendenbescheinigung auch die Adresse des Spenders angeben.

Wetter und Verkehr

Wetter
Ein heiterer Wechsel von Sonnenschein und Wolken bestimmt das Wetter, bei Temperaturen zwischen 15 und 26 Grad Celsius. Erst zum Wochenende wird es wohl wieder etwas kühler und regnerischer. Allergikern macht der starke Pollenflug von Gräsern, Ampfer und Wegerich zu schaffen.

Verkehr
Platz da: Sowohl der Luisenplatz als auch der Busparkplatz auf dem Bassinplatz werden seit Montag wieder normal genutzt, wie die Stadt mitteilte. Beide Flächen waren im Zuge der Coronakrise seit Ende März als Parkplätze für Mitarbeiter des Bergmann-Klinikums und des St. Josefs-Krankenhauses genutzt worden - zur Erleichterung für das medizinische Personal. Die Fontäne auf dem Luisenplatz soll "zeitnah" wieder sprudeln.

Person des Tages

Norman Asmus

Brandenburgs Seniorenbeauftragter Norman Asmus.
Brandenburgs Seniorenbeauftragter Norman Asmus.Foto: Sozialministerium

Er hat noch rund 20 Jahre bis zur Rente - zu jung fühlt er sich für seinen neuen Job aber nicht: Norman Asmus, 46 Jahre alt, ist seit Montag Brandenburgs erster Seniorenbeauftragter und damit Ansprechpartner für alle Senioren und Seniorinnen im Land. Und das sind viele: Rund 600.000 Menschen und damit fast jeder vierte Brandenburger ist älter als 65

Der gebürtige Zossener und Diplom-Verwaltungswirt Asmus arbeitete schon in den 1990er Jahren unter der beliebten SPD-Sozialministerin Regine Hildebrandt im Referat für Seniorenpolitik. "Seniorenpolitik ist mehr als Pflegepolitik", sagt er. Angehen will er unter anderem die Themen Digitalisierung und Altersarmut - und zwar nicht nur vom Schreibtisch aus: "Ich verstehe mich als Reisekader", sagt er: "Potsdam ist nicht Brandenburg."


Und nun: Kommen Sie gut durch diesen Dienstag und bleiben Sie vor allem gesund!   

Ihre Jana Haase
PNN-Redakteurin

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