• Potsdam Heute, 3. Juni 2020: Essen auf dem Gehweg, ein Arzt im Südsudan und ein Eilantrag zur Maskenpflicht

Potsdam Heute, 3. Juni 2020 : Essen auf dem Gehweg, ein Arzt im Südsudan und ein Eilantrag zur Maskenpflicht

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Foto: Ottmar Winter

Guten Morgen,

den bislang wärmsten Tag des Jahres haben wir schon mal hinter uns. 28,2 Grad waren es Dienstag in Potsdam, macht Platz 2 in ganz Brandenburg und Berlin. Heißer war's nur in Tempelhof - um 0,2 Grad. Tja, was kann da heute nun noch kommen? Vielleicht Regen, vielleicht Gewitter und auf jeden Fall der europäische Tag des Fahrrads. Immerhin, beim Fahrradbesitz liegt Brandenburg ganz weit vorn: 90 Prozent aller Haushalte haben mindestens eins, hat das Statistikamt errechnet. Haben allein reicht allerdings nicht, aufs Nutzen kommt es an - und dabei vor allem auf die Sicherheit. Mit der ist es im Land nicht weit her: 2939 Menschen verunglückten 2019 auf dem Rad, 23 wurden getötet, darunter ein Kind. Und wer in Potsdam einmal versucht hat, den Radstreifen in der Behlertstraße zu befahren, weiß eigentlich alles, was man über das Radverkehrskonzept der Landeshautpstadt wissen muss. Oder wie sehen Sie das? Was ist Ihr größter Wunsch zum Tag des Fahrrads? Schreiben Sie uns!

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Worüber spricht Potsdam heute?

Die Stadt gibt den Kampf um einen freien Uferweg am Griebnitzsee nicht auf.
Die Stadt gibt den Kampf um einen freien Uferweg am Griebnitzsee nicht auf.Foto: Andreas Klaer

Wo ein Wille, da ein Weg 
Potsdam gibt im Konflikt um den Uferweg am Griebnitzsee nicht klein bei - koste es, was es wolle, Zeit und auch Geld. Nach zwei (!) aus nahezu identischen Gründen vor dem Oberverwaltungsgericht gescheiterten Bebauungsplänen wagt die Stadt unter Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) jetzt den dritten Anlauf - so die Stadtverordneten dies bei ihrer heutigen Sitzung per Sofortbeschluss besiegeln. Fakt ist: Potsdam hat in der Uferweg-Frage keine andere Wahl. Denn es geht um viel mehr als einen netten Spazierweg. Am einstigen Kolonnenweg der DDR-Grenzer, nach dem Mauerfall jahrelang öffentlich zugänglich, entzündet sich am symbolischen Ort ein Konflikt um Allgemeinwohl und Privateigentum, Wahrung des einen und Schutz des anderen. Beides muss möglich sein. Wo ein Wille, da ein Weg. Potsdam darf dieses Seeufer nicht verloren geben, nur weil die Verwaltung geschlampt hat und die Anwälte der Seeanrainer die besseren waren.

Was muss ich für heute wissen?

Im Bergmann-Klinikum werden noch fünf Corona-Patienten behandelt.
Im Bergmann-Klinikum werden noch fünf Corona-Patienten behandelt.Foto: Ottmar Winter

Das Corona-Update
Während in Berlin am Dienstag eine der drei Corona-Ampeln auf Rot sprang, hat Brandenburg den Null-Wert erreicht: Stand Dienstagvormittag war in den zurückliegenden 24 Stunden erstmals seit dem 16. März landesweit keine Corona-Neuinfektion registriert worden. Doch schon am Nachmittag war dieser Zustand wieder überholtPotsdam meldete drei Neuinfektionen. Das ist allerdings ein sehr geringer Wert. Zum Vergleich: Der Höchstwert neuer Coronafälle im Land lag bei 187 am 3. April.  

In der jetzigen Lage kann selbst das Potsdamer Bergmann-Klinikum nach dem schweren Corona-Ausbruch im Krankenhaus Lockerungen wagen: Erstmals seit 17. März dürfen Patienten ab morgen wieder Besuch bekommen. Es gilt die 3 x 1-Regel: Es darf immer derselbe Besucher jeweils einmal am Tag für eine Stunde kommen. Außerdem ist die Notaufnahme wieder für alle Patienten geöffnet. Alle Details finden Sie hier

Keine Corona-Infektionen, aber Corona-Streit hat Potsdam-Mittelmark zu vermelden. Sonntagmittag soll an der Caputher Uferpromenade ein Spaziergänger einen Jogger von hinten geschlagen haben, weil der zu dicht an ihm vorbeigelaufen war. Der eine musste ins Krankenhaus, der andere verschwand. Die Polizei vermeldete die Tat erst am gestrigen Dienstag - der Täter und Zeugen werden trotzdem noch gesucht. 

Über die aktuellen Entwicklungen in der Coronakrise in Potsdam und Brandenburg informieren wir Sie in unserem Newsblog.

Rettung aus Corona-Not
Das Land spannt immer neue Rettungsschirme auf. Jetzt soll auch den notleidenden Kommunen geholfen werden - mit gut einer halben Milliarde Euro bis 2022. Damit könnte unter anderem zur Hälfte ausgeglichen werden, was wegen Corona nicht mehr per Gewerbesteuer in den Kassen landet. Klar ist: Das Geld wird trotzdem knapp werden, vielen Kommunen stehen neue Verteilungskämpfe ins Haus.  

Ein winziges kleines bisschen Bewegung ist nun auch beim Thema Kinderbetreuung zu verzeichnen. Brandenburgs Kenia-Regierungsbündnis hat angekündigt, mit Jugendherbergen und anderen Einrichtungen Familien in den Sommerferien "Angebote zu machen". Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) ließ ausrichten, in dieser oder der nächsten Woche werde ein Konzept vorgelegt.

Nach wie vor gilt also: Während die Lockerungen im Eiltempo vollzogen werden, geht es bei Kitas und Schulen, Kindern und Familien im Schneckentempo und per Flickenteppich. Dabei muss wegen des Corona-Risikos niemand die komplette Öffnung wagen - aber dringend mehr Mut und Entschlossenheit, Krisen-Lösungen zu finden. Dass dies nicht längst geschehen ist zeigt: Politikalltag in Brandenburg spielt sich nicht in der gleichen Welt ab wie Familienalltag.

Plakate abgezählt 
Wahlkampf nach Fünf-Jahres-Plan wünschen sich Potsdams Linke. Die Stadt sollte ihnen, aber vor allem allen anderen Parteien vorgeben, wie viele Plakate sie hängen dürfen. Anlass gab das Landesstraßengesetz: "Zum Schutz von Orten von historisch herausragender überregionaler Bedeutung" - also ganz Potsdam? - können Gemeinden "eine angemessene Kontingentierung der Plakatwerbung nach Menge und Größe vornehmen". Potsdams Verwaltung allerdings war dieses Mal doch schneller: Vorschriften gebe es längst, mehr Verbote würden gegen den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit verstoßen. Mal schauen, ob die Linken jetzt eine Wahlplakatreglementierungs-Mehrheit zusammenbekommen.

Mitbewerber für Scholz 
Ganz ohne Konkurrenz kommt Genosse Olaf Scholz dann doch nicht durch: Nachdem der Vizekanzler angekündigt hatte, sich in Potsdams SPD um die Bundestagskandidatur im Wahlkreis 61 zu bewerben, entschieden mindestens zwei Interessenten, dass dieses Vorhaben sich für sie nun nicht mehr lohnt. Jurist Alexander Lamprecht aus Potsdam-West findet eher das Gegenteil - er tritt gegen Scholz an. So sieht das Ganze vielleicht etwas weniger nach obrigkeitsstaatlicher Attitüde aus. Aber ich bleibe dabei: Besser geht anders.  

Essen nur auf dem Gehweg
Die gescholtene Potsdamer Verwaltung versuchte am Dienstag, nach Beschwerden von Gastronomen ihre Sondernutzungs-Genehmigungsbilanz zurechtzurücken: 15 Anträge für mehr Außen-Sitzplatzfläche wegen der Corona-Abstandsregelungen seien eingegangen, elf schon genehmigt. Allerdings dürfen diese elf Restaurants Tische und Stühle nur weiträumiger auf dem Gehweg verteilen. Von den vier Gastronomen, die Autoparkplätze als Sitzplatzflächen nutzen wollten, bekamen drei eine Absage. Wer es trotzdem versuchen will, kann hier anrufen oder eine E-Mail schreiben.

Was soll ich heute lesen? 

Christoph Hey.
Christoph Hey.Foto: Sebastian Gabsch

"Enorm große Dunkelziffer" 
Wie lässt sich in einem Land, in dem es kaum mehr Straßen gibt, ein Krankenhaus für die Versorgung von Covid-19-Patienten wappnen? Der Potsdamer Christoph Hey weiß es. Für "Ärzte ohne Grenzen" hat der 44-Jährige gerade vier Monate im Südsudan gearbeitet. Meine Kollegin Katharina Wiechers hat mit ihm darüber gesprochen

Welche Termine sind heute wichtig?

Die Maskenpflicht ist heute ein Thema für das Verfassungsgericht Brandenburg.
Die Maskenpflicht ist heute ein Thema für das Verfassungsgericht Brandenburg.Foto: Ottmar Winter

Wer wird demaskiert? Ist die Maskenpflicht in Brandenburg verfassungsgemäß? Über diese Frage berät heute ab 10 Uhr das Verfassungsgericht. Hintergrund ist ein Eilantrag der AfD-Landtagsfraktion, der sich gegen die Regelung sowie die Einschränkung für Versammlungen in der Corona-Verordnung des Landes wendet. 

Wer geht baden? Heute um 15 Uhr tagt Potsdams Stadtverordnetenversammlung im Haus 6 auf dem Uni-Campus am Griebnitzsee. Um 14.30 Uhr treffen sich dort unter dem Motto "Eure Ignoranz kotzt uns an!" das Netzwerk "Stadt für alle", Bürgerinitiativen und Umweltorganisationen zur Demo gegen den Umzug des Strandbads Babelsberg und den dafür vereinbarten Flächentausch zwischen Stadt und Schlösserstiftung. Der Druck zeigt Wirkung. Stadt und Stiftung versprachen gestern, über eine Vergrößerung der Strandbad-Liegefläche zu verhandeln - wenn die Stadtverordneten dem Tausch-Deal zustimmen. Wir berichten live im Newsblog.

Wer bleibt obenauf? Heute um 9.55 Uhr werden die Mai-Arbeitsmarktzahlen für Brandenburg, Berlin und Potsdam bekanntgegeben - samt Auswirkungen der Coronakrise.

Was könnte ich heute unternehmen?

Beim Klettern kann wunderbar den Kopf frei bekommen.
Beim Klettern kann wunderbar den Kopf frei bekommen.Foto: Alexander Elsaesser

Schön festhalten
Wie wäre es mit ein paar Stunden in der Kletterhallebeim Bouldern, so heißt das jetzt, nach dem englischen Wort Boulder für Felsbrocken. Sich einfach mal vom Grübeln befreien, im Kopf locker machen, dafür immer schön an der Wand festhalten und auf das Wesentliche konzentrieren. Passt hervorragend zur Krisenzeit. Der Potsdamer Kletterexperte Robby Sandmann sagt: „Klettern bedeutet Halt finden.“ 
Boulderhalle Potsdam, Gartenstraße 2, Tel.: 0331 74003111, geöffnet Montag bis Freitag von 10 bis 23 Uhr, Samstag und Sonntag von 9 bis 22 Uhr.

Schön draußen bleiben
Biergartenempfehlung des Tages ist der Havelgarten am Kiewitt. Am Havelufer gibt es zum Schiffe-Gucken die Biergarten-Klassiker Würstchen, Burger, Pommes, Kuchen und Eis, dazu eine umfängliche Getränkekarte, von Fassbrause, Bier vom Fass bis Longdrinks und Kaffee. Im Restaurant sitzt man feiner, und die Küche bietet einen witzigen Mix aus regional, modern und retro, Geflügel aus der Prignitz, Zander aus der Müritz, im „Würzfleisch vom Havelländer Apfelschwein“ kommt dann beides zusammen. Was „Kartoffelsuppe mit Schluppen“ ist, müssen Sie selber rausfinden.
Auf dem Kiewitt 30, Tel.: 0331 64731515, Restaurant geöffnet täglich ab 12 Uhr, Thekenverkauf im Garten ab 14 Uhr.

Empfehlungen heute von Steffi Pyanoe.

Was kann ich heute Gutes tun?

Auch im Umweltministerium gibt es jetzt übrigens Bienen.
Auch im Umweltministerium gibt es jetzt übrigens Bienen.Foto: dpa

Krabbeltiere zählen
Zählen, was zählt: Bundesweit ruft der Naturschutzbund diesen Sommer dazu auf, Insekten zu zählen. Es gibt mehr als eine Million verschiedene Arten. Aus gutem Grund: Insekten sind für das Gleichgewicht aller Ökosysteme unentbehrlich. Doch wer sich noch erinnert, wie früher die Windschutzscheibe nach einer Autobahnfahrt aussah, der weiß: Die Zahl der Insekten geht dramatisch zurück. Welche Insekten wo und wie oft zu Hause sind, will der Nabu per Zählung herausfinden. Das Schöne daran: Dafür darf man eine Stunde lang in der Sonne sitzen. Wie es genau geht, wird hier erklärt.  

Wetter und Verkehr

Wetter
Der Mittwoch bietet zunächst viel Sonnenschein, im Tagesverlauf dann einige Quellwolken. Regenschauer oder Gewitter sind nur vereinzelt möglich. Die Temperatur steigt auf 25 Grad.

Verkehr
In Werder (Havel) hat seit gestern die neue Linie E 30 - Brandenburgs erster kostenfrei zu nutzender Elektrobus - die Insellinie übernommen. Er fährt Montag bis Samstag jeweils von 9.10 bis 12.40 Uhr und von 13.40 bis 16.40 Uhr im 30-Minuten-Takt in einem Rundkurs mit acht Haltestellen von der Post durch die Altstadt auf der Insel und zurück. An der Start- und Endhaltestelle bestehen Anschlüsse in Richtung Bahnhof sowie von und nach Potsdam, Glindow und Beelitz.
Für Potsdams Straßen wurden keine neuen Baustellen gemeldet.

Person des Tages

Manuela Dörnenburg.
Manuela Dörnenburg.Benjamin Lassiwe

Manuela Dörnenburg
Eine manifeste Krise legt schonungslos Mängel der Gesellschaft bloß. In Deutschland zeigt die Coronakrise auch, wie fragil die erreichte Gleichstellung von Frau und Mann weiterhin ist: Viele Frauen bleiben zu Hause, betreuen und beschulen die Kinder, während die Männer arbeiten gehen. In Brandenburg ist das jetzt ein Fall für Manuela Dörnenburg, die neue Gleichstellungsbeauftragte des Landes. „Ein gleichberechtigtes Miteinander aller Geschlechter ist noch immer keine Selbstverständlichkeit in unseren Kommunen“, sagt sie. Zeit, dass sich noch mehr ändert.


Kommen Sie nicht ins Schwitzen und radlen Sie vorsichtig - bis morgen Früh


Ihre Sabine Schicketanz
PNN-Chefredakteurin

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