• Potsdam: Eisbrecher für hochwertige Serien-Drehs

Potsdam : Eisbrecher für hochwertige Serien-Drehs

26 Millionen Euro Medienboard-Förderung. Künftig wird für Engagement gegen sexuelle Übergriffe gezahlt.

Gefördert. Der Film „Isle of Dogs“ eröffnet die Berlinale.
Gefördert. Der Film „Isle of Dogs“ eröffnet die Berlinale.Foto: promo/Twentieth Century Fox

Babelsberg/Berlin - Vom Kino-Mekka zur Serien-Hauptstadt: Die Filmemacherbranche in Brandenburg stürzt sich auf das Produzieren hochwertiger Serienkost. Das zeigen Zahlen einer ersten Bilanz des vergangenen Filmjahres, die das Medienboard Berlin-Brandenburg am Mittwochabend vorstellte. Von „Babylon Berlin“ über „Dark“, „You are wanted“ oder „Deutschland 86“ bis zu „Berlin Station“ oder „Counterpart“ – immer mehr Drehtage in der Region gehen aufs Konto hochwertiger Reihen für Fernsehen und Online-Streamingdienste.

„Mit der Förderung einer Berlin-Staffel der US-Serie Homeland waren wir offensichtlich der Eisbrecher für viele weitere Serienproduktionen, die folgten, um in Brandenburg und Berlin zu drehen“, sagte Filmförderchefin Kirsten Niehuus. Und auch in der ersten Förderrunde des aktuellen Jahres gibt es wieder zwei Serien, die finanzielle Unterstützung vom Medienboard erhalten, unter anderem das Serienprojekt „Eine Frau am Bauhaus“ von Regisseur Lars Kraume mit Anna Mühe in der Hauptrolle.

Der spürbare Wechsel von Kinoproduktionen hin zu hochwertigen Serien liege auch in der mangelhaften Filmförderung. Niehuus forderte, endlich ein verlässliches Fördersystem im Bund zu installieren, „damit weiter so erfolgreiche Filme und Serien aus Berlin und Brandenburg um die Welt gehen können“. Sonst werde künftig noch öfter Berlin in Budapest oder die Charité in Tschechien nachgestellt.

Insgesamt zählte die Filmfördereinrichtung von Berlin und Brandenburg im vergangenen Jahr über 5000 Drehtage in der Region. Gut 26 Millionen Euro wurden für die Film- und Serienförderung vergeben, darunter Filmproduktionen wie „Steig.Nicht.Aus“ mit Hannah Herzsprung in der Hauptrolle. Die ZDF-Kinoproduktion unter Regie von Christian Alvart entstand mit der Potsdamer Firma Traumfabrik Babelsberg GmbH und soll im April in die Kinos kommen.

Medienboard-geförderte Produktionen gehören überdies erneut zur Kandidatenriege für die Berlinale-Bären. Drei Filme im Wettbewerb sind von der Zweiländer-Fördergesellschaft unterstützt worden, so auch der Eröffnungsfilm des Festivals, das am kommenden Donnerstag startet: „Isle of Dogs“ ist ein Animationsfilm von Starregisseur Wes Anderson, der erst im Mai in die Kinos kommen soll und zum Start der 68. Berliner Filmfestspiele gezeigt wird. Bei den Oscars, die schließlich Anfang März verliehen werden, gab es Fördergeld für die nominierten Beiträge „The Square“ sowie „Eine fantastische Frau“.

Unter dem Eindruck der aktuellen Diskussionen um sexuelle Übergriffe und Demütigungen an Filmsets kündigte Niehuus zudem an, dass der Einsatz von Vertrauenspersonen an Filmsets künftig ebenfalls förderfähig sei. Solchen Vertrauenspersonen können bei Dreharbeiten Übergriffe, Belästigung und Diskriminierung gemeldet werden. Bei internationalen Produktionen sei das bereits üblich.

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