• Potsdam: Ein Schild für Adolf Damaschke

Potsdam : Ein Schild für Adolf Damaschke

Eine Tafel erinnert nun an den auch in Potsdam tätigen Bodenreformer. Den ersten Vorstoß gab es 2015.

Gedenken kann manchmal eine langwierige Sache sein – vor allem, wenn bürokratische Hürden den Prozess dermaßen verlangsamen, dass der entsprechende Anlass, in der Regel ein Jubiläum, längst verstrichen ist.

2015, zum 150. Geburtstag von Adolf Damaschke, hatte die Linke in der Stadtverordnetenversammlung beantragt, am Damaschkeweg in der Eigenheim-Siedlung ein zusätzliches Schild anzubringen, auf dem die Leistungen des auch in Potsdam tätigen Bodenreform-Pioniers in kurzer Form gewürdigt werden. Am gestrigen Montag, erst ein reichliches Jahr später also, enthüllte Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) im Beisein von Vertretern der Linken und der Eigenheim-Siedlung das fertige Produkt.

Vorausgegangen war ein langwieriger Genehmigungsprozess, denn bei Gedenktafeln, -schildern oder -stelen müssen diverse Behörden ihren Segen geben. In Damaschkes Fall waren die städtischen Ämter sogar vergleichsweise schnell. Die Straßenverkehrsbehörde hatte dem vom Kulturamt erarbeiteten Entwurf bereits vor mehr als einem Jahr zugestimmt. Gehakt hatte es diesmal beim Land, beim Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft, kurz MIL. Die Verwaltung hatte dort ein ganzes „Konzept zur Anbringung von erläuternden Zusatzschildern an Straßennamenbeschilderungen in der Landeshauptstadt Potsdam“, wie es in herrlichstem Amtsdeutsch heißt, zur Begutachtung eingereicht. Allerdings wollte das Ministerium das Konzept zuerst erproben – und zwar in der Innenstadt, wozu der zwischen Teltower Vorstadt und Waldstadt II gelegene Damaschkeweg zweifellos nicht zählt. Offenbar konnte das Land aber nun doch umgestimmt werden. Seit gestern erfahren Spaziergänger neben den Lebensdaten Damaschkes (1865-1935), dass er „Sozialreformer und Wegbereiter des genossenschaftlichen Siedlungsbaus“ war.

Der Sohn einer Berliner Tischlerfamilie wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. 1883 begann er eine Ausbildung als Volksschullehrer und wurde später Schriftführer der lebensreformerischen Zeitschrift „Der Naturarzt“. Damaschke setzte sich dabei gegen Bodenspekulation ein und rief kurz vor der Jahrhundertwende den „Bund deutscher Bodenreformer“ ins Leben. Auf seine Initiative hin entstand ab 1922 in Potsdam die Siedlung Eigenheim, deren Grundstücke von den Bewohnern zwar weitervererbt, aber nicht verkauft werden durften. Damaschke besuchte die Siedlung zweimal, lebte aber mit seiner Familie in Werder (Havel).

Künftig sollen in Potsdam mehr Straßenschilder mit solchen Zusätzen versehen werden – entsprechend den Wünschen aus der Bevölkerung. pee

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