Potsdam : Dombert erzürnt Garnisonkirchen-Gegner

Ein PNN-Interview mit dem Chef der Fördergesellschaft für den umstrittenen Wiederaufbau der Garnisonkirche, Matthias Dombert, ruft die Kritiker auf den Plan. 

Das Rechenzentrum und das Fundament für den Wiederaufbau des Turms der Garnisonkirche in Potsdam.
Das Rechenzentrum und das Fundament für den Wiederaufbau des Turms der Garnisonkirche in Potsdam.Foto: Martin Müller/PNN

Innenstadt - Gegner des Wiederaufbaus der Garnisonkirche sind verärgert. Anlass ist ein aktuelles PNN-Interview mit dem Chef der Fördergesellschaft für den umstrittenen Wiederaufbau des Gotteshauses, Matthias Dombert. Es sei schon „erstaunlich“, wie „weltfremd“ die Fördergesellschaft agiere und sich artikuliere, teilte jetzt Carsten Linke mit, der Sprecher des Vereins zur Förderung antimilitaristischer Traditionen in Potsdam und einer der lautesten Kritiker des Bauprojekts.

So hatte Dombert unter anderem erklärt, „die – notwendigen – Diskussionen der letzten Jahre“ um das Projekt seien „aus der Sicht der Bürger abgeschlossen“. So hätten die Förderer des Projekts deutlich gemacht, dass der Turm mit dem Friedens- und Versöhnungskonzept eine Nutzung erhalte, „die auch den Letzten davon überzeugen dürfte, was es mit dem Bauvorhaben auf sich hat“. Dagegen sagte Linke, auch in diesem Jahr habe sich mehrfach gezeigt, „dass die Diskussionen längst nicht abgeschlossen sind“. In den überregionalen und internationalen Medien nehme der Diskurs sogar stetig zu.

Veranstaltung zum Geist von  Weimar und Potsdam 

So finde etwa anlässlich der 100-Jahr-Feier zur Entstehung der Weimarer Republik im nächsten Februar im Deutschen Nationaltheater Weimar auch eine zweiteilige Veranstaltung zum Geist von Weimar und Potsdam statt, sagte Linke. Unter anderem würden dort Kritiker des Wiederaufbaus zu Wort kommen, etwa die Niemöller-Stiftung oder der Autor Matthias Grünzig. Dass dessen kritisches Buch über die Garnisonkirche „Für Deutschtum und Vaterland“ bis heute in der provisorischen Nagelkreuzkapelle an der Kirchenbaustelle nicht ausliege und auf der Internetseite der Wiederaufbaustiftung zudem nicht erwähnt werde, zeige auch Sicht von Linke vor allem eines – dass Stiftung und Fördergesellschaft diese Debatten meiden wollen.

Schubert lässt Vorgehen offen 

Zudem hatte sich Dombert dafür ausgesprochen, dass der neue Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) wie sein Vorgänger die Interessen der Stadt im Kuratorium der Garnisonkirchenstiftung wahrnehme. Ob er das tut, hat Schubert bislang offengelassen. Linke erinnerte an den im Zuge des Bürgerbegehrens gegen die Garnisonkirche gefassten Beschluss im Stadtparlament, dass der Rathauschef alle rechtlich zulässigen Möglichkeiten nutzen soll, um die Stiftung Garnisonkirche aufzulösen – das hatte eine Mehrheit der Stadtverordneten beschlossen, um eine Bürgerumfrage zu dem Projekt zu verhindern. In Bezug auf dieses Votum sagte Linke, das Fernbleiben bei Kuratoriumssitzungen sei ein symbolischer Akt, der veranschaulicht, dass der neue Oberbürgermeister seinen Auftrag – im Gegensatz zu seinem Vorgänger – ernst nehme. „Eine ernsthafte Mitwirkungsmöglichkeit hat die Stadt ohnehin nicht im Kuratorium.“ Das liege schon an den Mehrheitsverhältnissen.

Reservistengemeinschaft spendet für den Turm

Zuletzt hatte sich auch die Studentische Reservistengemeinschaft Gießen, die sich vor 50 Jahren gegen die linke Studentenrevolte 1968 gegründet hatte, in den Kreis der Spender für den Turm eingereiht. Linke sagte, dies zeige die Ausrichtung der Kirche: „Sie bleibt ein Identifikationspunkt für nationale, konservative und militärische Kreise.“