• Potsdam: Das Pfingstberg-Belvedere startet in neue Saison

Potsdam : Das Pfingstberg-Belvedere startet in neue Saison

Potsdams schönstes Aussichtsschloss, das Belvedere auf dem Pfingstberg, hat wieder geöffnet. Was Besucher erwartet - und wobei sie helfen können.

Rundbogen wieder trocken. Der westliche Eingangsbereich des Belvedere wird gestrichen – es ist der letzte Schritt einer Feuchtigkeitssanierung.
Rundbogen wieder trocken. Der westliche Eingangsbereich des Belvedere wird gestrichen – es ist der letzte Schritt einer...Foto: Sebastian Gabsch

Potsdam - Die Tür fällt kaum auf. Grau gestrichenes Holz, eingepasst in einen gemauerten Rundbogen. Es wirkt, als wäre sie schon immer da gewesen, doch tatsächlich gibt es sie erst seit ein paar Monaten.

Jahrelang strömte das Wasser ungehindert ins Gebäude

Die Kammer, in die man durch diese Tür gelangt, hat der Schlösserstiftung in den vergangenen Jahren erhebliches Kopfzerbrechen bereitet. Sie befindet sich im Westflügel des Belvedere auf dem Pfingstberg, im Eingangsbereich unterhalb der Treppen. Eigentlich handelte es sich sogar um zwei Räume, beide ohne Verbindung zueinander, in sich geschlossen, ohne Tür, ohne Fenster. Genau da lag auch das Problem. Denn durch einen der Räume verläuft ein Fallrohr, das das Regenwasser ableiten sollte – allerdings war es leck. Jahrelang konnte so ungehindert Wasser ins Gebäude strömen.

Vor vier Jahren sei der Schaden aufgefallen, sagt Steffen Domalski, der bei der Stiftung kommissarisch die Abteilung Denkmalpflege und Liegenschaften leitet. Weil im Innern der Kammern das Wasser gestanden habe, sei der gesamte westliche Eingangsbereich so stark geschädigt worden, dass allein die Trocknung zwei Jahre gedauert habe, erzählt Beate Petri, die als Bauleiterin für das Belvedere zuständig ist.

Schlösserstiftung steuerte 40.000 Euro bei

Bereits vor zwei Jahren hatte die Stiftung das Mauerwerk der sogenannten Westkonche, einer halbrunden Nische, geöffnet, damit die Besucher die Schäden sehen konnten – und für deren Behebung Geld spenden. 20 000 Euro hat der Förderverein, der das Belvedere im Auftrag der Stiftung betreibt, auf diese Weise eingesammelt. Die restlichen für die Sanierung nötigen gut 40 000 Euro hat die Schlösserstiftung aus ihrem Bauetat beigesteuert. Ursprünglich war die Stiftung davon ausgegangen, dass das Spendengeld für die Instandsetzung reicht. Allerdings hätte sich das Projekt dann als aufwendiger erwiesen, sagt Domalski.

So seien Lüftungsschlitze geschaffen worden, zudem habe man sich entschlossen, die bislang unzugänglichen Kammern zu öffnen und die besagte Tür einzubauen, um eine zusätzliche Lüftung zu ermöglichen. Im vergangenen Sommer hatten die Bauarbeiten begonnen, Ende April sollen sie abgeschlossen sein. Das Mauerwerk wurde wieder geschlossen, die Konche neu verputzt. Jetzt muss nur noch der Anstrich erneuert werden. Auch auf der Ostseite des Eingangs gibt es Feuchtigkeitsschäden, allerdings sind diese längst nicht so gravierend. Möglicherweise kommt die Stiftung dort sogar um Sanierungsmaßnahmen herum. Man werde eine Saison lang Feuchtigkeits- und Temperaturentwicklung beobachten, sagt Domalski. Die Chancen stünden gut, dass das Mauerwerk dort von allein trockne.

Das Belvedere als Paradebeispiel für bürgerschaftlichen Engagement

Weitere gravierende Schäden an dem Bau gebe es bislang nicht, sagt Domalski. 2004 wurde das unter Friedrich Wilhelm IV. errichtete und mithilfe nahmhafter Mäzene wie Versandhaus-Gründer Werner Otto oder der Hermann-Reemtsma-Stiftung sanierte Ensemble feierlich eingeweiht und gilt seitdem als Paradebeispiel bürgerschaftlichen Engagements in Potsdam.

Der Förderverein, der das Geld für die Rettung des Belvedere einwarb, sammelt schon für die nächsten Projekte, darunter die Instandhaltung des zur Anlage gehörenden Pomonatempels. Auch für die Pflege der Gartenanlage rund um das Belvedere wird Geld benötigt – eine fünfstellige Summe – sowie für das Römische Kabinett im Westturm. Die Besuchermassen, die die Aussicht genießen wollen, haben für Schäden am historischen Putz und der noch originalen Bemalung an der Wendeltreppe gesorgt. Rund 9000 Euro braucht der Verein dafür an Spenden, die möglichst im Sommer eingeworben werden sollen, damit die Sanierung im Herbst starten kann.

"Potsdams schönste Aussicht"

Vereinsgeschäftsführerin Katja Hube hofft für dieses Jahr wieder auf höhere Besucherzahlen. Knapp 40 000 waren es im vergangenen Jahr – 5000 bis 10 000 weniger als sonst. Sie führt das unter anderem auf die Sanierung des Wegs zum nahe gelegenen jüdischen Friedhof zurück, über den auch das Belvedere zu erreichen ist. Die Pflasterarbeiten hätten im Sommer stattgefunden, während der Saison. In diesem Jahr werde es besser laufen, meint Hube. Über ein neues Lockmittel für Besucher wird nachgedacht, auch wenn es bis zur Anschaffung wohl noch dauert: Auf dem Ostturm soll ein Fernrohr aufgestellt werden. „Potsdams schönste Aussicht“, so die Eigenwerbung, lässt sich dann noch besser genießen.

HINTERGRUND: Die besten Pfingstbergfotos gesucht

Am 1. April startet der Förderverein in die neue Saison, das Belvedere ist bis Oktober dann wieder täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Fotos von dem Ensemble zu machen, lohnt sich in diesem Jahr ganz besonders. Der Förderverein hat nämlich einenFotowettbewerb ausgelobt, bei dem die Urheber der schönsten Bilder wertvolle Preise gewinnen können. Die PNN sind Medienpartner des Wettbewerbs. Der Gewinner bekommt einen UCI-Kinogutschein im Wert von 400 Euro, für den zweiten Platz gibt es einen Einkaufsgutschein für die Bahnhofspassagen über 100 Euro, der dritte Platz wird mit einem Einkaufsgutschein im Wert von 50 Euro honoriert. Zusätzlich bekommen die drei Sieger eine Jahreskarte für das Belvedere inklusive freiem Eintritt zu allen Veranstaltungen. Die 20 besten Bilder werden ab 26. Juni in einer Ausstellung in den Bahnhofspassagen gezeigt, einige eingesendete Fotos werden zudem auf www.pnn.de veröffentlicht. Den ersten Veranstaltungshöhepunkt gibt es am Ostersonntag: Ab 10 Uhr werden Süßigkeiten für Kinder versteckt, sie können beim Eiertrudeln mitmachen, am Nachmittag wird gegen eine Spende Kaffee und Kuchen serviert. Kinder bis 16 Jahre haben am Ostersonntag freien Eintritt. Am 24. Juni gibt das Keimzeit Akustik Quintett ein Konzert. Neben Liedern vom neuen Album werden auch Klassiker wie „Kling Klang“ gespielt. Karten kosten im Vorverkauf 28 Euro. Am 28. und 29. Juni präsentieren die Schauspieler Mica Wanner und Hans-Peter Stoll zwei Krimi-Live-Hörspiele open Air. Auch das Sommertheater findet wieder statt. Am 16., 17. und 18. August um 20 Uhr führt das Wandertheater Ton und Kirschen das Stück „Bartleby, der Schreiber“ auf. Die Veranstaltungsreihe „Kultur in der Natur“ wird ebenso fortgesetzt wie die Mondnächte. Zudem gibt es vier Ausstellungen im Pomonatempel.

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