• Potsdam: Am Kino Charlott tut sich was

Potsdam : Am Kino Charlott tut sich was

Das alte Kino Charlott in Potsdam verfällt seit Jahren zusehends, obwohl es denkmalgeschützt ist. Nun keimt Hoffnung auf.

Am Kino Charlott in der Zeppelinstraße in Potsdam wird derzeit wieder gearbeitet. 
Am Kino Charlott in der Zeppelinstraße in Potsdam wird derzeit wieder gearbeitet. Foto: Henri Kramer

Potsdam - Aus dem Gebäudeinneren hört man einen Presslufthammer, draußen wird Unrat in einen großen Stahlmüllcontainer gebaggert: Am lange Zeit dem Verfall preisgegebenen Kino Charlott an der Zeppelinstraße finden seit einigen Tagen Bauarbeiten statt. Darauf haben PNN-Leser aufmerksam gemacht. Allerdings bleiben noch viele Fragezeichen.

Was wird dort gebaut?

So ist der Zweck der Arbeiten unklar, ein Bauschild existiert nicht. Bei der Stadtverwaltung gibt es auch keine aktuelle Bauanfrage, bestätigte eine Sprecherin auf Anfrage. Allerdings müssten zum Beispiel Aufräum- oder Sicherungsarbeiten für das Gebäude auch nicht im Vorfeld zwingend im Rathaus angezeigt werden. Wie berichtet hatte die Stadt schon vor vielen Monaten ein ordnungsbehördliches Verfahren gegen den Eigentümer begonnen, damit dieser Maßnahmen zur Sicherung des denkmalgeschützten Gebäudes ergreift. Bei der vor Ort tätigen Firma handelt es sich um ein vor allem auf den Innenausbau spezialisiertes Unternehmen aus Kloster Lehnin (Potsdam-Mittelmark). Auf PNN-Anfrage äußerte sich dort aber niemand zu dem Projekt. Auch der Berliner Eigentümer der denkmalgeschützten Immobilie hat öffentliche Erklärungen in den vergangenen Jahren unterlassen.

Das Filmtheater entstand 1934

Zum aktuellen Stand der Planungen für das Charlott konnte die Stadtsprecherin nichts substanziell Neues verkünden. Das Filmtheater gegenüber des Bahnhofs Charlottenhof entstand im Jahr 1934 aus dem ehemaligen Ballsaal des Viktoria-Garten-Restaurants, zuvor war es eine Versammlungsstätte der Arbeiterbewegung in Potsdam. Als Folge der Eröffnung des UCI-Kinos in den Bahnhofspassagen wurde das „Charlott“ dann 1998 geschlossen, seitdem steht es leer. 2004 hatte der derzeitige Eigentümer das Ensemble im Zuge einer Zwangsversteigerung erworben, seitdem lag es weitgehend brach – ein Dauerärgernis für Passanten.

Noch Anfang des Jahres hatte die Stadtverwaltung erklärt, es werde ein Antrag des Besitzers zur Nutzung der Immobilie für die Nahversorgung geprüft. So war die Ansiedlung eines Biomarktes erwogen worden. Dann war aber der Gesprächsfaden zum Eigentümer wieder abgerissen, die Hintergründe blieben unklar. Ein erster Bauantrag des Eigentümers war wegen fehlender Unterlagen abgelehnt worden. Und schon vor fünf Jahren hatten die Stadtverordneten auf Antrag der Linken entschieden, den Eigentümer zu zwingen, den mit Bauzäunen abgesperrten Bau in einen akzeptablen Zustand zu versetzen.

Neue Pläne für ruinöse Denkmäler in Potsdam

Die Hoffnung darauf darf man nicht aufgeben: In den vergangenen Jahren hatte es bei zwei anderen ruinösen Denkmälern unverhofft viel Bewegung gegeben – so will ein Investor den Babelsberger Lokschuppen zu einem Standort für IT-Firmen und Start-ups für 45 Millionen Euro ausbauen, hier hatte es vor Jahren sogar schon Abrissüberlegungen gegeben.

Vergangene Woche hatte ein weiterer Investor mit einem noch unbekannten Geldgeber im Hintergrund die Pläne präzisiert, die marode RAW-Halle am Hauptbahnhof für 100 Millionen Euro zu einem international bedeutsamen Standort der Digitalwirtschaft auszubauen – allerdings wächst an diesem Vorhaben die Kritik. So sieht der frühere Chef des Potsdamer Denkmalamts, Andreas Kalesse, denkmalschutzrechtliche Probleme.