• Potsdam 2020: Das Jahr, in dem alles anders kam

Potsdam 2020 : Das Jahr, in dem alles anders kam

Der Kampf gegen das Coronavirus hat den Alltag wohl aller Potsdamerinnen und Potsdamer in diesem Jahr berührt. Was haben sie dabei gelernt? Wir haben 14 von ihnen gefragt. 

Die Corona-Pandemie und ihre Einschränkungen haben Potsdam und die Potsdamer geprägt. 
Die Corona-Pandemie und ihre Einschränkungen haben Potsdam und die Potsdamer geprägt. Foto: Sebastian Gabsch PNN

Potsdam - Es fällt im Rückblick auf 2020 in Potsdam schwer, sich an andere Themen als das eine, alles bestimmende zu erinnern. Ja, da war Citrix, das Computervirus, das das Rathaus seit Januar über Wochen lahmlegte. Die leuchtende Monet-Ausstellung im Museum Barberini und Hagemeisters havelländischer Impressionismus im Potsdam Museum. Da waren die Bombensprengungen an der Freundschaftsinsel und im Aradosee, für die tausende Potsdamer ihre Wohnungen räumen mussten. Das Tierheim auf dem Sago-Gelände an der Michendorfer Chaussee, das endlich eröffnet hat. Der Garnisonkirchenturm, der weiter in die Höhe gewachsen ist und um den nach wie vor erbittert gestritten wird. Da war die Zitterpartie ums Karstadt-Kaufhaus, das dann doch noch von der Streichliste kam. Da wurde wieder viel gebaut, in der nördlichen Speicherstadt, am zukünftigen Kunstmuseum Minsk am Brauhausberg, dem Hotel neben der alten Hauptpost, an der Nuthe-Hochstraßenbrücke oder am Filmpark mit dem neuen Depot. Da ist der Beschluss für ein Digitalzentrum rund um das verfallene ehemalige Reichsbahnausbesserungswerks (RAW) am Hauptbahnhof gefallen. Da verwandelte sich die Innenstadt zum 30. Jubiläum der Deutschen Einheit einen Monat lang in eine begehbare Ausstellung. Da war das erfolgreiche Abschluss der Jahrhundert-Arktismission mit der „Polarstern“, koordiniert und geleitet von Potsdamer Forschern des Alfred-Wegener-Instituts.

Aber es werden nicht solche Nachrichten sein, die wir später mit 2020 verbinden werden. Mit Corona ist fast alles anders geworden. 93 Potsdamerinnen und Potsdamer haben in diesem Jahr im Zusammenhang mit der Lungenkrankheit Covid-19 ihr Leben verloren, 3421 wurden positiv auf das Virus getestet, Tausende mussten in Quarantäne – auch über die Weihnachtsfeiertage oder heute an Silvester. Es gibt kaum einen Lebensbereich, den die Krise nicht berührt hat, kaum einen Menschen, der sich nicht auf die eine oder andere Art in eine neue Richtung bewegen musste. 

Der neue Alltag als Zumutung

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Coronakrise im Sommer eine „demokratische Zumutung“ genannt. Aber nicht nur das politische System kommt in einer Pandemie, in der weitreichende Entscheidungen schnell getroffen werden müssen, an Grenzen. Eine Zumutung war und ist an vielen Stellen auch der neue Alltag, im Beruf oder Privaten. Das gilt für all jene, die einen lieben Menschen verloren haben und ihn nicht so begleiten konnten, wie das sonst möglich gewesen wäre. Für Eltern, die neben der Arbeit zuhause auch die Kinderbetreuung managen. Für die ältere Generation, die seit Monaten auf Abstand von ihren Liebsten geht. Für Kinder und Jugendliche, die ihre Freunde nicht so sehen durften wie sonst. Für Kulturschaffende, Gastronomen oder Gewerbetreibende, die die Krise in Existenznot gebracht hat. Für Pflegekräfte und Mediziner, die im Kampf gegen das Virus an vorderster Front stehen. Und für all die anderen, die nicht ins Homeoffice wechseln können, Lockdown hin oder her: Verkäuferinnen und Verkäufer, Kita-Erzieher oder Lehrer, Bus- oder Taxifahrer, Handwerker oder Bauarbeiter, um nur einige zu nennen.

War also alles schlecht? War 2020 ein verlorenes Jahr? Nein. Die Potsdamerinnen und Potsdamer sehen heute vielleicht manche Dinge anders, klarer als vor einem Jahr. Sie wissen jetzt, wo der Zusammenhalt in der Stadt oder in der Nachbarschaft funktioniert – und wo nicht. Sie wissen, was unverzichtbar ist und was besonders schmerzlich fehlt. Sie haben ihre nächste Umgebung, die eigene Stadt neu kennengelernt. Sich darin geübt, das Beste aus der schwierigen Situation zu machen. Dinge neu zu schätzen, die man vorher vielleicht als selbstverständlich betrachtet hat.

Um das Jahr zu beschließen, haben die PNN 14 Potsdamerinnen und Potsdamer aus ganz verschiedenen Bereichen nach ihrer persönlichen Bilanz für 2020 gefragt. Die Antworten lesen Sie hier. 

Und Sie? Was nehmen Sie aus diesem Jahr mit? Schreiben Sie uns an [email protected]!


Rahel Zibell, HNO-Ärztin am Klinikum "Ernst von Bergmann".
Rahel Zibell, HNO-Ärztin am Klinikum "Ernst von Bergmann".Foto: Andreas Klaer

Rahel Zibell (38)

Fachärztin für Hals-Nasen-Ohrenkunde am Klinikum „Ernst von Bergmann“

Welche Einsicht(en) haben Sie durch die Krise gewonnen?

Die Pandemie, so unvorbereitet wie sie uns traf und Ungewissheit mit sich brachte, hat mir gezeigt, dass wir gemeinsam Dinge erreichen können, die wir vorher für unmöglich gehalten haben. Und einmal mit Demut und Dankbarkeit auf unser oft als so selbstverständlich empfundenes Leben zu schauen.

Was war in Potsdam in der Coronakrise besonders wertvoll – und was hat gefehlt?

Die schnelle Errichtung des Abstrichzentrums auf dem Klinikumsgelände und das unermüdliche Engagement der dortigen Mitarbeiter ist eine wertvolle Bereicherung für Potsdam. Gefehlt hat vor allem der gewohnte soziale Kontakt im Familien- und Freundeskreis.

Was wünschen Sie sich für 2021?

Für das neue Jahr wünsche ich mir, dass wir zuversichtlich bleiben, die Pandemie durch den momentanen Lockdown und die begonnenen Impfungen hoffentlich in den nächsten Monaten eindämmen zu können.

Corinna Hentschel, Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde Babelsberg.
Corinna Hentschel, Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde Babelsberg.Foto: Antonia Jacobsen

Corinna Hentschel (43)

Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde Babelsberg

Welche Einsicht(en) haben Sie durch die Krise gewonnen?

Hoffnung und Zuversicht haben ist eine Entscheidung; keine Phrase, kein Gefühl. Hoffnung ist nicht dasselbe wie Optimismus. Hoffnung hat nichts damit zu tun, dass ich in jeder Situation immer gleich das Beste oder einen Sinn erkenne; etwas, aus dem ich lernen kann. In den Herausforderungen, vor die uns diese Corona-Pandemie gestellt hat, entscheide ich mich trotz allem für die Hoffnung und die Zuversicht: Ich hoffe und bin zuversichtlich, dass wir miteinander durch diese verrückte, viele an ihre Grenzen bringende Corona-Zeit kommen.

Was war in Potsdam in der Coronakrise besonders wertvoll – und was hat gefehlt?

Das „WIR miteinander“-Gefühl in vielen Teilen der Gesellschaft, die Kreativität der Geschäftsleute und der Kulturszene und das Durchhalten der Menschen, auf deren Arbeit andere angewiesen sind, haben mich sehr beeindruckt.

Was wünschen Sie sich für 2021?

Freundlichkeit und Achtsamkeit im Miteinander der Generationen und in der Gesellschaft, Gesundheit und fröhliche Gottesdienste mit Abendmahl und lautem Gesang.

Maik Toppel, Leiter der Polizeiinspektion Potsdam.
Maik Toppel, Leiter der Polizeiinspektion Potsdam.Foto: Polizei Potsdam

Maik Toppel (57)

Leiter der Polizeiinspektion Potsdam

Welche Einsicht(en) haben Sie durch die Krise gewonnen?

Die wichtigste Erkenntnis ist, dass die Gesundheit und das Leben unser höchstes und wichtiges Gut sind, welches es mit allen gebotenen Mitteln zu erhalten gilt.

Was war in Potsdam in der Coronakrise besonders wertvoll – und was hat gefehlt?

Ich habe mit Freude und Erleichterung festgestellt, dass sich die Potsdamer und ihre Gäste sehr verantwortungsvoll verhalten haben. Viele Menschen sind trotz Abstand gewissermaßen näher „zusammengerückt“ als je zuvor. Besonders beeindruckt haben mich meine Mitarbeiter, die auch bei persönlicher Betroffenheit durch die Auswirkungen der Coronakrise tolle Arbeit geleistet haben.

Was wünschen Sie sich für 2021?

Uns allen würde ein rascher Übergang in eine vermutlich doch veränderte Normalität guttun. Ich denke, dass wir noch geraume Zeit mit Einschränkungen rechnen müssen. Dazu wünsche ich mir ein Mehr an Toleranz, Einsicht und gegenseitiger Rücksichtnahme. Bei allem Verständnis für die unterschiedlichen Positionen: Wir sollten uns dabei stets mit Respekt begegnen und gelegentlich einmal die Perspektive des Anderen einnehmen. 

Anneke Pelzer, Schülerin, wohnt in Potsdam-Golm.
Anneke Pelzer, Schülerin, wohnt in Potsdam-Golm.Foto: PRIVAT

Anneke Pelzer (14)

Schülerin aus Golm

Welche Einsicht(en) haben Sie durch die Krise gewonnen?

Meine größte Einsicht ist, dass wir unglaublich dankbar für unseren Alltag ohne Corona sein können, der sonst so uneingeschränkt und frei ist. Wir haben so viele Möglichkeiten und Privilegien, die uns sonst selbstverständlich erscheinen. Außerdem ist mir klar geworden, wie schnell sich alles ändern kann, wie flexibel wir sein können. Das hätte ich vorher niemals gedacht.

Was war in Potsdam in der Coronakrise besonders wertvoll – und was hat gefehlt?

Besonders geschätzt habe ich den Zusammenhalt. Für Menschen, die unter Quarantäne gestellt wurden, haben Nachbarn Besorgungen gemacht. Gefehlt hat mir die Einsicht von einigen wenigen Mitmenschen, die es nicht für nötig erachten, zum Beispiel auch nach dem Einsteigen in eine volle Tram die Maske aufzubehalten.

Was wünschen Sie sich für 2021?

Für 2021 wünsche ich mir, dass meine Liebsten gesund bleiben und im Laufe des Jahres, auch durch den neuen Impfstoff, ein bisschen Normalität zurückkehren kann.

Laura Heinecke, Choreografin und Tänzerin. 
Laura Heinecke, Choreografin und Tänzerin. Foto: Andreas Klaer

Laura Heinecke (36)

Tänzerin und Choreografin

Welche Einsicht(en) haben Sie durch die Krise gewonnen?

Die wichtigste Einsicht für mich war: immer nah dran zu bleiben, am Moment, an der Ehrlichkeit, an der Freude, an der Familie. Die Dinge so zu nehmen, wie sie sind. Die Feste zu feiern, wie sie fallen. Und gegebenenfalls auch die Einsamkeit, Ruhe und Beschränkung zu genießen.

Was war in Potsdam in der Coronakrise besonders wertvoll – und was hat gefehlt?

Der Zusammenschluss „KulturMachtPotsdam“ hat mich tief beeindruckt. Schnell, konstruktiv, solidarisch, auf Augenhöhe, klar, gefasst und den Dingen ins Auge schauend. Gefehlt haben mir viele kulturelle Veranstaltungen, sowie unser Stück „Fall Into Place oder was wa(h)r ist“ in live und mit Publikum zu zeigen.

Was wünschen Sie sich für 2021?

Ich wünsche mir die Möglichkeit nach Differenziertheit innerhalb Deutschlands und innerhalb der verschiedenen Orte: welche Corona-Konzepte funktionieren so gut, dass soziales und kulturelles Leben wieder möglich ist?

Daniel und Stefanie Zander, Geschäftsführer des Restaurants Otto Hiemke. 
Daniel und Stefanie Zander, Geschäftsführer des Restaurants Otto Hiemke. Foto: Andreas Klaer

Daniel (51) und Stefanie Zander (41)

Leiten den Familienbetrieb „Restaurant Otto Hiemke“ in Babelsberg

Welche Einsicht(en) haben Sie durch die Krise gewonnen?

Einsichten durch die Krise haben wir sehr viele gewonnen, aber wir glauben, die für uns wichtigste ist, wie verletzlich wir alle sind und wie wichtig die Familie ist. 

Was war in Potsdam in der Coronakrise besonders wertvoll – und was hat gefehlt?

Wir haben eine unglaubliche Welle der Unterstützung der Potsdamer und vor allem unserer Babelsberger Kiezbewohner erlebt. Das war für uns als Familie und Team eine großartige Erfahrung und wir ziehen daraus auch immer wieder Mut und Kraft, zusammen die derzeitige Situation durchzustehen. Der Verzicht auf die „normal“ gewohnte Kulturlandschaft in unserer Heimatstadt ist besonders bedauerlich und wir hoffen mit allen Kulturschaffenden, dass es so schnell wie möglich eine Normalisierung gibt und wir uns wieder begegnen können.

Was wünschen Sie sich für 2021?

Ja, die Wünsche ergeben sich ja automatisch: Man hofft wirtschaftlich in ruhigeres Fahrwasser zu gelangen und die Coronakrise ohne ernsthafte Krankheit oder persönliche Verluste zu überstehen. Ein Rückgang zu unserem Leben vor der Coronakrise wär echt toll!

Franziska Löffler, die Leiterin des Büro Kindermut.
Franziska Löffler, die Leiterin des Büro Kindermut.Foto: Andreas Klaer

Franziska Löffler (38)

Leiterin des Büro Kindermut der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Potsdam

Welche Einsicht(en) haben Sie durch die Krise gewonnen?

Dass Krisen dazu beitragen, dass die Kluft zwischen Arm und Reich noch weiter wächst – dass die Gesellschaft immer stärker polisarisiert. Das Wissen darum hatte ich schon vor Corona, nun habe ich die Realität erlebt. Und ich habe gelernt, dass es  möglich und erfolgreich ist, wenn man sich für verschiedene, oder die verschiedenen Tätigkeiten Zeit nehmen kann.

Was war in Potsdam in der Coronakrise besonders wertvoll – und was hat gefehlt?

Puhh,... eigentlich war nichts an der Coronakrise wertvoll! Hmm… vielleicht dass wieder mehr ins Bewusstsein gerückt ist, dass der Mensch nicht allmächtig ist ( wie er sich so oft gibt). Ich fand es sehr gewinnbringend, dass in den verschiedenen Stadtteilen Potsdams, die dort vor Ort tätigen sozialen Projekte  und Einrichtungen gut zusammengearbeitet haben, um Menschen, Familien  in der Krise zu unterstützen. Und natürlich ist an Potsdam großartig, dass wir so viel Grün um uns haben... und man schnell in der Natur war. 

Was wünschen Sie sich für 2021?

Ich wünsche mir, dass der Begriff Solidargemeinschaft - solidarische Gesellschaft - sich mal real zeigt, und nicht nur immer darüber geredet wird. Kein Beäugen, sondern ein Aufeinander Zugehen, trotz Krise. Und dass eine Veranstaltung, die man plant, auch wieder möglich ist und durchgeführt werden kann. Ich wünsche mir für die Kunst- und Kulturbranche ein Feuerwerk! - dass 2021 davon wieder viel sprühen wird.

Gisela Rüdiger lebt im Bornstedter Feld. 
Gisela Rüdiger lebt im Bornstedter Feld. Foto: Ottmar Winter PNN

Gisela Rüdiger (72)

Rentnerin, war langjährige Leiterin der Potsdamer Außenstelle der Stasi-Unterlagenbehörde

Welche Einsicht(en) haben Sie durch die Krise gewonnen?

Es ist der erste Ausnahmezustand, den ich erlebt habe, abgesehen von den vielen Einschränkungen in der DDR bis 1989 (als unter anderem die Grenze dicht war und es Zensur auf allen Ebenen gab). Mit starken Kontaktbeschränkungen bin ich gefasst durch das Jahr 2020 gekommen.

Was war in Potsdam in der Coronakrise besonders wertvoll – und was hat gefehlt?

Da ich schon immer wenig in die Stadt gegangen bin, hat mir das Stadtleben kaum gefehlt, jedoch Besuche von Veranstaltungen. Als Ersatz dafür habe ich in Potsdams Wäldern Pilze gesucht. Auch ein wahres erhabenes Vergnügen.

Was wünschen Sie sich für 2021?

Ich wünsche mir für 2021, dass ein unbeschwertes Miteinander, vor allem in der Familie, wieder möglich sein wird und ich hoffe, den „Europäischen Tag des Gedenkens an die Opfer von Stalinismus und Nationalsozialismus“ würdig begehen zu können, diesmal mit einem Konzert und vielen Besuchern.

Willi Ibbeken, Gründer und Chef der Firma HypeTag GmbH und der Plattform Inspora in Potsdam.
Willi Ibbeken, Gründer und Chef der Firma HypeTag GmbH und der Plattform Inspora in Potsdam.Foto: PROMO

Willi Ibbeken (30)

Mitgründer und Chef des Babelsberger IT-Unternehmens HypeTag, das den digitalen Einkaufsassistenten Inspora entwickelt hat

Welche Einsicht(en) haben Sie durch die Krise gewonnen?

Es geht nicht darum, was dir passiert, sondern wie du damit umgehst. Ich nutze die Krise, um über mich selbst und die Menschen um mich herum zu reflektieren und Neues auszuprobieren. Zum Beispiel habe ich mit meinem Mitgründer Andreas Pavlenko nebenbei ein Buch geschrieben und eine Startup-Beratung gegründet.

Was war in Potsdam in der Coronakrise besonders wertvoll – und was hat gefehlt?

Besonders wertvoll ist der Mut derjenigen, die sich nicht im Homeoffice schützen können und täglich mit ihrer Arbeit dafür sorgen, dass unsere Gesellschaft funktioniert. Gefehlt hat manchmal nicht nur die Dankbarkeit für diese Menschen, sondern auch die finanzielle Anerkennung.

Was wünschen Sie sich für 2021?

Insgesamt: viel Zuversicht und Zusammenhalt. Für alle Unternehmer: Bleibt mutig und experimentierfreudig. Wir brauchen innovative Lösungen heute mehr als je zuvor.

Triathletin Laura Lindemann.
Triathletin Laura Lindemann.Foto: dpa

Laura Lindemann (24)

Triathletin, vierfache deutsche Meisterin in der Triathlon-Sprintdistanz, in der sie auch zwei Junioren-Weltmeistertitel und einen U23-Weltmeistertitel erkämpfte. 

Welche Einsicht(en) haben Sie durch die Krise gewonnen?

Von Enttäuschung, Demotivation, Freude und Motivation war alles dabei. Eines ist mir besonders klargeworden: Ich liebe das, was ich gerade so intensiv mache – den Sport. 

Was war in Potsdam in der Coronakrise besonders wertvoll – und was hat gefehlt?

Das Wertvollste aus Sicht einer Sportlerin, die sich auf die Olympischen Spiele vorbereitet, war die Unterstützung der Stadt selbst. Wir in Potsdam hatten in der ersten Lockdownzeit die mit Anstand besten Bedingungen in ganz Deutschland.

Was wünschen Sie sich für 2021?

Das was sich sicher alle wünschen: Dass wir dieses blöde Virus endlich in den Griff bekommen und dass irgendwann alles wieder einigermaßen normal wird. Und für meine Ziele: Dass die Olympischen Spiele auch irgendwie stattfinden können.

Mareike Reimer, Lehrerin an der Karl-Förster-Grundschule. 
Mareike Reimer, Lehrerin an der Karl-Förster-Grundschule. Foto: Andreas Klaer

Mareike Reimer (33)

Lehrerin an der Karl-Foerster-Grundschule. 2019 wurde sie mit dem Brandenburgischen Lehrerpreis ausgezeichnet.

Welche Einsicht(en) haben Sie durch die Krise gewonnen?

Als Lehrerin und Mutter zweier kleiner Kinder habe ich von der „Corona-Entschleunigung“ Anfang dieses Jahres leider nur wenig mitbekommen. Dennoch wurde auch ich für das Wesentliche im Leben wieder sensibler gemacht: Die Familie, die Gesundheit und der gesellschaftliche Zusammenhalt. 

Was war in Potsdam in der Coronakrise besonders wertvoll – und was hat gefehlt?

Es ist schade, dass die Arbeit vieler in diesem Jahr nicht ausreichend gewürdigt wurde. Ich denke da nicht nur an das Pflegepersonal und die Ärzte, sondern auch an die Erzieher und Lehrkräfte. Voller Stolz blicke ich da auf meine Schüler, die trotz aller Widrigkeiten und Beschränkungen, dieses Jahr unglaublich toll gemeistert haben.

Was wünschen Sie sich für 2021?

Ich wünsche mir auch für 2021, dass wir uns alle weiter so tatkräftig unterstützen, dass wir dafür nicht die nötige Kraft und Geduld verlieren und vor allem niemals unseren Sinn für Humor. Letzteres zeigen mir meine fröhlichen Schüler jeden Tag.

Brigitte Meier, seit Juli 2019 Potsdams Gesundheitsbeigeordnete. 
Brigitte Meier, seit Juli 2019 Potsdams Gesundheitsbeigeordnete. Foto: Ottmar Winter PNN

Brigitte Meier (55)

Potsdams Beigeordnete für Ordnung, Sicherheit, Soziales und Gesundheit

Welche Einsicht(en) haben Sie durch die Krise gewonnen?

Das Virus hat die Schwächen und Stärken unserer Gesellschaft wie ein Brennglas verstärkt. Der Fachkräftemangel im Gesundheitswesen, vor allem in der Pflege, die Durch-Ökonomisierung der Krankenhäuser durch die Fallpauschalen, der hohe Nachholbedarf in der Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung und vor allem die soziale Spaltung der Gesellschaft. Aber eben auch die Stärken, die hohe Bereitschaft, einander zu helfen und zu unterstützen, die Solidarität und Rücksichtnahme untereinander, das Einhalten von Regeln und ganz wichtig, dass man sich auf diesen Rechtsstaat verlassen kann, der Grundrechte gegeneinander abwägt.

Was war in Potsdam in der Coronakrise besonders wertvoll – und was hat gefehlt?

Besonders wertvoll war und ist das gute Hand-in-Hand-Arbeiten der vielen Akteure: Verwaltungsstab, Gesundheitsamt, Gesundheitsministerium (MSGIV), Polizei, Ordnungsamt, Feuerwehr, die Potsdamer Kliniken und Pflegeheime, aber auch die Kirchen oder Interessenvertreter wie die Dehoga oder der Schaustellerverband. Die Kommunikation untereinander war vertrauensvoll und kollegial. Gefehlt hat mir manchmal ein gestaltendes Miteinander von Verwaltung und Kommunalpolitik zum Wohle der Stadtgesellschaft.

Was wünschen Sie sich für 2021?

Ich wünsche mir, dass wir bis alle geimpft sind, unsere Containment-Strategie weiter gut durchhalten. Und, ganz dringend wünsche ich mir, dass wir uns in meinem Geschäftsbereich bald wieder verstärkt unseren originären Aufgaben widmen können, wie bezahlbaren Wohnraum sichern, seniorengerechte Stadt weiterentwickeln und Inklusion vorantreiben.

Jan-Simon Wiedemann engagiert sich für Fridays for Future Potsdam.
Jan-Simon Wiedemann engagiert sich für Fridays for Future Potsdam.Foto: PRIVAT

Jan-Simon Wiedemann (19)

Student und Aktivist für Fridays for Future

Welche Einsicht(en) haben Sie durch die Krise gewonnen?

Wir haben durch die Krise unter anderem erkannt, dass die Politik schon auf Wissenschaftler hören kann – wenn sie es denn will. Daher nehmen wir an, dass viele Politiker die Ernsthaftigkeit der Krise noch nicht erkannt haben, während wir längst in dieser Krise sind. Die Klimakrise wird viel schlimmer, vor allem für Menschen aus dem globalen Süden, als die Coronakrise es aktuell ist.

Was war in Potsdam in der Coronakrise besonders wertvoll – und was hat gefehlt?

Der soziale Zusammenhalt. Viele Menschen haben sich für Ältere und Schutzbedürftige engagiert, sind für sie einkaufen gefahren oder ähnliches. Dieses Engagement ist sehr wichtig für den sozialen Zusammenhalt einer Stadt.

Was wünschen Sie sich für 2021?

Wir wünschen uns für 2021, dass die Klimakrise mit der notwendigen Ernsthaftigkeit angegangen wird – die Coronakrise hat gezeigt, dass es möglich ist! Außerdem hoffen wir, dass die Coronakrise bald endet und wir wieder zu einem normalen Leben zurück kehren können. Das ist jedoch nur möglich, wenn wir uns an das halten, was die Wissenschaftler vorschlagen!

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