• POSITION: Mercure als Studentenwohnheim

POSITION : Mercure als Studentenwohnheim

Ehrenbürgerschaft in dieser Stadt darf ihren Ursprung nicht in Finanzen haben Von Sascha Krämer

Foto: Andreas Klaer

Wer wird Ehrenbürger unserer Stadt? Frau Reiche hat jüngst dazu einen Vorschlag gemacht. Das ist ihr gutes Recht. Zugleich hat sie uns dabei ihr Verständnis von Demokratie und der Rolle der Bürger offenbart. Ein reicher Bürger schenkt, und der Souverän, die Bürger dieser Stadt, verneigt sich huldvoll vor dem Mäzen. Gewiss, das ist Tradition an diesem Ort und Frau Reiche kann sich offenbar den Schatten der Vergangenheit nicht entziehen. Bürgerstolz gehörte nie zu den Attributen dieser Residenzstadt, dagegen devote Verbeugungen vor Königen und Herrschenden, seien sie deutscher oder österreichischer Provenienz. Entsprechend vergab man in den vergangenen Jahrhunderten auch großzügig die Ehrenbürgerschaft der Stadt. Heute sind es superreiche Mäzene aus Wirtschaft und Medien, die Potsdam auserkoren haben, vor denen sich Politiker und Meinungsmacher in dieser Stadt nur allzu gern in den Staub werfen.

Ich schätze die finanziellen Beiträge von Herrn Plattner für diese Stadt. Ich denke zugleich, dass Ehrenbürgerschaft für diese Stadt ihren Ursprung nicht allein in Finanzen haben darf. Ein demokratisches Gemeinwesen sollte mehr Kriterien als großzügige Schecks für die Vergabe dieser hohen, ja höchsten Auszeichnung haben.

Nun gibt es den Disput über die Kunsthalle, zunächst über den Ort. Eben dazu gibt es neue Beschlüsse der Stadtverordneten: offen und konsensorientiert zu diskutieren und dann zu entscheiden. Übrigens von der CDU-Fraktion nicht nur getragen, sondern mitangeregt! Hasso Plattner selbst hat den Wunsch formuliert, mit der Kunsthalle an einen Ort zu gehen, der konsensfähig über alle politischen Grenzen hinweg ist. Vielleicht sollte Frau Reiche auch diesen Gedanken zur Kenntnis nehmen, wenn sie sich weiter dazu äußert.

Vielleicht sollte man auch bedenken, dass es Hasso Plattner nicht darum geht, DDR-Architektur oder „städtebauliche Schandflecke“ in dieser Stadt zu beseitigen. Er will etwas Neues schaffen. Das ist zu begrüßen. Vielleicht wird damit unsere Stadt, die in preußischen Aspik eingelegt scheint, auch architektonisch etwas Gegenwart – vielleicht auch Zukünftiges? – zum Ausdruck bringen.

Und vielleicht kann auch beachtet werden, dass Plattner ursprünglich ein anderes Grundstück im Auge hatte – jenes der Fachhochschule – zwischen modernem Neubau der Bibliothek und historischem Landtag. Warum lenkte man ihn zum Lustgarten? Weil man (?) das Mercure loswerden will. Nun sollte man beachten, dass das Mercure (noch) jemandem gehört und die Stadt (noch) keine Befugnis darüber hat. Und es ist auch offen, ob sich das ändern wird. Für den Fall jedoch, dass das Mercure nicht mehr als Hotel genutzt würde, sollten wir über eine neue, sinnvolle Nutzung des Gebäudes reden. Es gibt einen Vorschlag von den Studenten: ein Studentenwohnheim. Potsdam hat fast 20 000 Studierende, jedoch lebt die übergroße Mehrheit in Berlin oder an den Rändern der Stadt. Es wäre ein (kleiner) Schritt, Lebendigkeit in die museale Mitte zu bringen.

Frau Reiches Beitrag macht auch deutlich, dass sie wenig belastbare Kenntnisse von dieser Stadt hat. Als Staatssekretärin in einem Bundesministerium mit notwendigem Blick für das große Ganze ist das sicherlich nachvollziehbar; als Kreisvorsitzende der CDU in dieser Stadt jedoch wenig nachvollziehbar. Zumindest sollte sie sich dann mit solchen tönenden Einwürfen zurückhalten. Wie ihre Landesvorsitzende denkt und lebt sie in einer Welt voller Klischees. Das scheint mir ziemlich wacklig für eine CDU-Kreisvorsitzende im Jahre 2012. Dabei gibt es in dieser Stadt sehr wohl christdemokratische Politiker – die Potsdamer Demokraten – die kenntnisreich und verantwortungsbewusst für diese Stadt arbeiten.

Treten wir in das Gespräch über die vorgeschlagene Kunsthalle ein. Wir werden dabei sehen, ob es sich allein um ein Denkmal zum Ruhme der eigenen Person oder einen selbstlosen Beitrag für die kulturelle und soziale Entwicklung unserer Stadt handelt. Dann reden wir weiter über die Ehrenbürgerschaft.

Der Autor Sascha Krämer ist Kreisvorsitzender der Partei Die Linke in Potsdam. Er antwortet auf einen Beitrag der Potsdamer CDU-Kreisvorsitzenden Katherina Reiche zu den Plänen für eine Kunsthalle des Mäzens Hasso Plattner, der am 7. Mai 2012 in den PNN erschienen ist.