• Poller gegen Autofahrer: Schleichweg Gutenbergstraße wird 2019 gesperrt

Poller gegen Autofahrer : Schleichweg Gutenbergstraße wird 2019 gesperrt

Ein Teilbereich der Friedrich-Ebert-Straße soll ab 2024 zum „Boulevard“ umgebaut werden. Doch schon dieses Jahr gibt es dort eine graviernde Änderung.

Visualisierung Friedrich-Ebert-Straße Potsdam als "Boulevard". Die Stadt plant Umbau ab 2024.
Visualisierung Friedrich-Ebert-Straße Potsdam als "Boulevard". Die Stadt plant Umbau ab 2024.Foto: Stadtlabor/Stadt Potsdam

Potsdam - Wenn es sich in der Hegelallee in Richtung Nuthestraße staut, weichen viele Autofahrer auf die gepflasterte Gutenbergstraße aus – zum Ärger lärmgeplagter Anwohner. Mit diesem Schleichverkehr aber wird vermutlich schon in einigen Monaten Schluss sein. Noch in diesem Jahr soll ein Poller zur Sperrung der Durchfahrt der Gutenbergstraße – zwischen Jägerstraße und Friedrich-Ebert-Straße – installiert werden, sagte Stadtsprecherin Christine Homann auf PNN-Anfrage. Zuvor werde es noch ein Genehmigungsverfahren inklusive der Anhörung der Betroffenen geben. Ziel sei es, den Schleichweg im Sinne der Anwohner zu schließen.

Die Maßnahme ist Teil des gemeinsam mit Anwohnern, Gewerbetreibenden und Bürgern erarbeiteten Konzeptes zur fußgänger- und radfahrerfreundlichen Umgestaltung der Friedrich-Ebert- Straße zwischen Nauener Tor und Charlottenstraße. Der Bereich soll demnach zu einem „Boulevard“ mit freien Fußwegen und Fahrradstreifen sowie barrierefreien Haltestellen umgebaut werden. Der Autoverkehr soll beschränkt werden, die derzeit 35 Parkplätze sollen zugunsten eines 2,60 breiten „Funktionsstreifens“ verschwinden. Auf diesem Streifen soll es neben Halte- und Entladezonen für den Liefer- und Kundenverkehr unter anderem Fahrradparkplätze sowie Platz für die Straßenbeleuchtung geben. Nach Genehmigung können Gastronomen dort auch Tische aufstellen. Das ist dem 57-seitigen Konzept zu entnehmen, das das Leipziger Planungsbüro Stadtlabor erarbeitet hat.

Konzept wird am 30. Januar vorgestellt

Die Stadtverordneten müssen den Plänen noch zustimmen. Am 30. Januar wird das Konzept in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht, wie die Stadtverwaltung jetzt mitteilte. Ein Beschluss ist erst nach der Diskussion in den Fachausschüssen zu erwarten. Baudezernent Bernd Rubelt (parteilos) wirbt für das Konzept: „Damit würden die verschiedenen Ansprüche an den öffentlichen Straßenraum unter einen Hut gebracht.“ Grundlage des Papiers sind das von den Stadtverordneten beschlossene Innenstadtverkehrskonzept, Beratungen mit Vertretern von Rathaus und Verkehrsbetrieb sowie zwei öffentliche Werkstätten mit Bürgern im April und Juni 2018. Für die Alternative einer Fußgängerzone mit Fahrrad- und Tramverkehr – die sogenannte „Flaniermeile“ – hatte sich dabei keine Mehrheit abgezeichnet.

Momentan ist die Verkehrssituation in dem Bereich unübersichtlich. Insbesondere an der Kreuzung Gutenbergstraße und Friedrich-Ebert-Straße, aber auch am Nauener Tor kommen sich Autofahrer, Radler, Tram und Fußgänger in die Quere. Immer wieder geschehen Unfälle.
Das soll sich durch die Maßnahmen ändern. Nach dem Umbau wird in der Friedrich-Ebert-Straße im Wesentlichen nur noch Liefer- und Kundenverkehr möglich sein. Eine solche Verkehrsberuhigung war bei den Werkstätten mehrheitlich begrüßt worden. Laut dem Konzept bestand bei den Bürgern unter anderem der Wunsch nach Radwegen, auf denen kein Lieferverkehr stattfindet, sowie weniger „Imponierverkehr“ – also Luxusautos auf der Straße. Geprüft wird zudem, ob Lieferfahrzeuge künftig die Friedrich-Ebert-Straße wieder über die Charlottenstraße verlassen dürfen.

Übersichtlicher und gerechter

Durch die neue Aufteilung des Straßenraumes soll die Lage für alle übersichtlicher und damit sicherer, aber auch gerechter werden, heißt es. Laut einer Verkehrszählung am Nachmittag, auf die sich die Planer berufen, wird die Straße in erster Linie von Radfahrern und Fußgängern genutzt: Gezählt wurden 475 Radfahrer, 420 Fußgänger und 92 Autos pro Stunde. Die Planer versprechen sich auch mehr Aufenthaltsqualität in der Straße, die bei den Workshops auch als das „Wohnzimmer der Stadt“ bezeichnet wurde.

Die Fahrbahn soll dem Konzept zufolge praktisch halbiert werden: Von 12,85 Meter auf 6,50 Meter Breite. Neu hinzu kommt ein zwei Meter breiter Fahrradstreifen auf jeder Seite. Die bislang vorhandenen 35 Parkplätze fallen dagegen weg. Nur für das Sanitätshaus Kniesche soll es einen Behindertenparkplatz geben. In dem Konzept wird auch darauf hingewiesen, dass Menschen mit Schwerbehindertenausweis in Haltezonen für bis zu drei Stunden parken dürfen.

Begrünung der Straße wird geprüft

Auf den ersten Blick überraschend: Auch die Gehwege sollen schmaler werden. Laut dem Konzept sind die Gehwege heute 4,55 Meter beziehungsweise 4,25 Meter breit – in der Praxis ist aber wegen Gastronomie, Aufstellern, Radstellplätzen oder ähnlichem längst nicht der komplette Raum für Fußgänger verfügbar. Mit der Verlagerung auf den besagten „Funktionsstreifen“ – wo es auch Ladezonen für den Lieferverkehr geben soll – soll sich das ändern. Das Konzept sieht knapp drei Meter breite Gehwege vor, die dann freigehalten werden sollen.

Auch der Wunsch nach einer Begrünung der Straße ist in das Papier aufgenommen worden. Wegen des Denkmalschutzes könne es zwar keine Bäume geben. Vorgeschlagen werden aber Pflanzkübel sowie eine Fassadenbegrünung, wie es sie am Café Heider bereits gibt.

Die konkrete Umsetzung des Konzeptes wird allerdings noch dauern. „Die einzelnen baulichen Maßnahmen können erst nach Abschluss des notwendigen Genehmigungsverfahrens umgesetzt werden, voraussichtlich ab 2024“, sagte die Stadtsprecherin den PNN. Neben den Pollern an der Gutenbergstraße solle aber im Vorfeld auch die Erweiterung der Fußgängerzone in die östliche Brandenburger Straße – also bis zum Bassinplatz – vorgenommen werden. Die Stadt hatte für das Gesamtprojekt bislang rund 3,5 Millionen Euro veranschlagt.

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