• Polizeistatistik für Potsdam: Neue Höchstzahl an Fahrraddiebstählen

Polizeistatistik für Potsdam : Neue Höchstzahl an Fahrraddiebstählen

Die Polizeistatistik für Potsdam zeigt 2021 einen weiteren Rückgang bei Kriminalitäts- und Unfallzahlen – doch es gibt auch Ausnahmen.

2311 Fahrraddiebstähle wurden im Vorjahr gemeldet (Symbolbild).
2311 Fahrraddiebstähle wurden im Vorjahr gemeldet (Symbolbild).Foto: Sebastian Gabsch

Potsdam - Die ohnehin hohe Zahl an Fahrraddiebstählen in Potsdam ist im vergangenen Jahr auf einen neuen Rekordstand gestiegen. Das zeigt die am Dienstag veröffentlichte Kriminal- und Unfallstatistik der Polizei für Potsdam. Allgemein ist die Zahl der Straftaten in der Coronapandemie mit ihren vielfältigen Alltagseinschränkungen allerdings weiter zurückgegangen. Gesunken sind auch die Unfallzahlen. Ein Überblick.

Deutlich mehr Fahrraddiebstähle

Schon seit Jahren gilt Potsdam als eine Hochburg für Fahrraddiebe. Im vergangenen Jahr erreichten die Zahlen aber ein neues Rekordniveau – 2311 gemeldete Fälle. 2020 waren es 685 Diebstähle weniger, der Anstieg beträgt mehr als 40 Prozent. Der bisherige Rekord war 2015 mit 2200 Fällen erreicht worden. Zugleich sackte die Aufklärungsquote in dem Bereich auf noch fünf Prozent – nach neun Prozent im Vorjahr. Potsdams Polizeichef Christian Hylla erklärte, man werde auf diese Entwicklung nun „ein größeres Augenmerk legen“. Die Polizei habe dazu diverse Beratungs- und Präventionsangebote, die im Internet über www.polizei.brandenburg.de abgerufen werden können. Dort finden sich zum Beispiel Tipps zu diebstahlsicheren Schlössern und versteckten Fahrrad-Peilsendern. Empfohlen wird auch die Codierung der Räder durch Polizei oder andere Stellen.

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Die Zunahme der Raddiebstähle sei überall in Westbrandenburg zu beobachten, hieß es weiter. Generell war die Zahl der verkauften Fahrräder in der Coronazeit stark gestiegen. Auch die Stadtpolitik hatte sich in den vergangenen Monaten mit dem Thema befasst. Anträge des Bürgerbündnisses und der Linken für generell mehr kommunalen Diebstahlschutz in dem Bereich und zum Beispiel Abstellboxen für Fahrräder sind aber noch nicht entschieden. Die Verkehrsverwaltung im Rathaus hatte klargemacht, dass die Standortsuche für solche Boxen nicht einfach sei und man auch mit neuen Fahrradständern etwas gegen Diebstahl unternehme.

Etwas weniger häusliche Gewalt

Im ersten Jahr der Coronakrise war in Potsdam ein deutlicher Anstieg der häuslichen Gewalt gemeldet worden – mit 379 Delikten. Hier wurden nun 339 Fälle registriert. Unter den Begriff häusliche Gewalt fallen laut Polizei physische, sexuelle oder psychische Übergriffe gegenüber Personen, die in enger persönlicher Beziehung zum Täter stehen.

Auch insgesamt ging die Zahl der Gewaltstraftaten zurück: Die Polizei registrierte beispielsweise 2021 insgesamt 85 Raubdelikte, vier Fälle weniger als 2020 und 35 weniger als 2019. Die Aufklärungsquote lag bei 61 Prozent. Die Zahl der Ermittlungen wegen schwerer Körperverletzung sank auf 212 – nach 253 im Vorjahr. Hier werden rund 80 Prozent der Fälle aufgeklärt. Gestiegen ist hingegen die Zahl der Vergewaltigungen oder sexuellen Nötigungen: Auf 35. Im Jahr zuvor waren das noch 24. Auch hier lag die Aufklärungsquote bei über 80 Prozent.

Weniger Drogendelikte

Gesunken ist die Zahl der Delikte im Bereich Rauschgiftkriminalität – von 976 auf 724 Fälle. Allerdings ist fraglich, ob das mit einem Rückgang des Drogenkonsums, gerade in Pandemie-Zeiten, einhergegangen ist. Denn Drogendelikte fallen der Polizei meist nur auf, wenn kontrolliert wird – was bei Lockdown-Beschränkungen, wenn viele zu Hause bleiben, schwieriger umzusetzen ist. Polizeichef Hylla sagte, man wolle dieses Jahr in den Sommermonaten an bekannten Treffpunkten von Jugendlichen wie dem Umfeld des Hauptbahnhofs oder in der Schiffbauergasse „präsent sein, um Eigentums-, Gewalt- und Betäubungsmitteldelikte zu verhindern“. Generell lag der Anteil der jungen Tatverdächtigen im Alter von bis zu 21 Jahren im Jahr 2019 – also vor der Pandemie bei 23,8 Prozent. 2021 waren es noch 21 Prozent.

Weniger Einbrüche als vor Corona

Wieder etwas gestiegen ist 2021 die Zahl der Diebstähle in Potsdam – um 238 auf noch 5646 Strafanzeigen in dem Bereich. Allerdings sind die Zahlen immer noch deutlich unter dem Niveau vor Corona. So lag beispielsweise die Zahl der Wohnungseinbrüche bei 122 – im Vergleich zu 175 im Jahr 2019. Bekanntermaßen hatte die Pandemie laut Kriminalexperten dazu geführt, dass viele Menschen häufiger zu Hause waren – dadurch hatten Täter weniger Gelegenheiten, unbemerkt in Häuser oder Wohnungen einzubrechen. Auch die Zahl der Autodiebstähle in Potsdam ist zwar um 19 auf 109 gestiegen – 2019 wurden aber noch knapp 170 Fälle registriert. Insgesamt sank die Aufklärungsquote bei Diebstahl auf noch 20 Prozent – 10 Punkte niedriger als noch in den vergangenen Jahren.

Radfahrer öfter selbst an Unfällen schuld

Im ersten und zweiten Corona-Jahr lag das Fahrrad als Alternative zum öffentlichen Nahverkehr im Trend – gleichwohl sind in dem Bereich die Unfallzahlen noch einmal zurückgegangen. Insgesamt registrierte die Polizei 447 Radunfälle, 65 weniger als noch 2020. Das entspricht einem Minus von rund 13 Prozent. Die Zahl der verletzten Radfahrer lag bei 372 – 40 weniger als im Vorjahr. Ein Radler starb im Straßenverkehr, einer weniger als 2020. In dem Jahr waren die Unfallzahlen für Radfahrer auch schon leicht gesunken. Die Statistik zeigt auch, die Mehrzahl der Unglücke sind durch die Radfahrer selbst verursacht worden – und zwar zu 56 Prozent.

Weiter rückläufig war im Jahr 2021 die Zahl der an Unfällen beteiligten Fußgänger: Es waren 73 Personen und damit 12 Prozent weniger als vor einem Jahr. 48 Prozent der Unglücke wurden durch die Fußgänger verursacht.

Weniger Verletzte bei Autounfällen

Die Zahl der Verkehrsunfälle in Potsdam lag 2021 bei 4257 – das sind 136 weniger als 2020 und rund 1000 weniger als 2019. Entsprechend sank die Zahl der Verletzten von damals 843 auf noch 656, was ein Minus von rund 22 Prozent im Vergleich zur Zeit vor Corona bedeutet. Gemeldet wurde auch nur noch ein Verkehrstoter für Potsdam, in den beiden Jahren zuvor waren je drei Menschen im Straßenverkehr verstorben.

Stark gesunken ist die Zahl der Unfälle wegen zu schnellen Fahrens. So registrierte die Potsdamer Polizei 144 Unfälle wegen zu hoher Geschwindigkeit – 25 Prozent weniger als noch 2020. Auf hohem Niveau bleibt die Zahl der Unfälle unter Alkoholeinfluss. Hier hatte die Polizei im vergangenen Jahr in Potsdam einen Anstieg um 25 Prozent registriert – nämlich 68 Fälle. In diesem Jahr ging es noch um 67 Trunkenheitsfahrten mit Unfall. Dabei wurden 39 Menschen verletzt – neun mehr als noch 2020.

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