• PNN-Serie zu Flüchtlingshelfern in Potsdam: Alltagshilfe

PNN-Serie zu Flüchtlingshelfern in Potsdam : Alltagshilfe

„Es gibt ein helles Deutschland, das sich leuchtend darstellt“, sagt Bundespräsident Joachim Gauck über die Helfer, die sich in diesen Tagen für Flüchtlinge einsetzen. Auch in Potsdam geben viele Freiwillige ihr Bestes. Wir stellen jede Woche ein Beispiel vor, aufgezeichnet von Katharina Wiechers. Heute: Majid Djahani.

Foto: Manfred Thomas

Ich bin selbst vor langer Zeit als politische Verfolgter aus dem Iran geflohen und hier in den Genuss eines sicheren Lebens gekommen. In kann mich noch gut erinnern, wie ich in der ersten Zeit sehr glücklich darüber war, keine Angst mehr vor Verfolgung zu haben, gleichzeitig aber viele Fragen zum alltäglichen Leben in Deutschland hatte. Deshalb habe ich das Bedürfnis, den neu Ankommenden zu helfen und auch der Gesellschaft, die mich aufgenommen hat, etwas zurückzugeben. Ich bin Luft- und Raumfahrtingenieur und als mein bislang letzter Arbeitgeber im vergangenen Jahr pleiteging, habe ich mich als Freiwilliger bei der Diakonie gemeldet. Seitdem betreue ich zwei Flüchtlingsfamilien – eine aus dem Iran und eine aus Afghanistan. Ich unterstütze sie bei Behördengängen oder wenn Briefe ankommen, die schwer zu verstehen sind. Ich helfe auch zum Beispiel bei den Mathehausaufgaben oder begleite die Eltern zum Elternabend in der Schule – da ich Deutsch und Farsi spreche, kann ich als Übersetzer helfen. Es geht aber auch oft darum, die deutsche Lebensweise zu erklären, sei es, dass hier der Müll getrennt wird oder man bei Rot nicht über die Ampel geht. Die afghanische Familie war zum Beispiel auch sehr irritiert, dass der Tochter in der Schule Aufklärungsfilme gezeigt wurden. Da musste ich erklären, dass es sich nicht um Sexfilme oder Pornos handelt. Oder dass Reisen oder Exkursionen nichts mit Schule-Schwänzen zu tun haben. Für uns sind diese Dinge selbstverständlich, aber das ist einfach eine andere Mentalität. Mindestens einmal die Woche bin ich bei den Familien, und seit es an der Heinrich-Mann-Allee eine Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge gibt, bin ich fast täglich auch dort aktiv. Ich helfe mit, die Deutschkurse zu organisieren, die die Freiwilligen auf die Beine gestellt haben und übersetze zum Beispiel bei der Rechtsberatung. Oder ich mache das, was gerade so anfällt und helfe bei individuellen Problemen weiter. Der Träger der Aufnahmeeinrichtung, das Deutsche Rote Kreuz, ist zwar mittlerweile immer besser organisiert. Aber Bedarf an freiwilligen Helfern gibt es weiterhin. Der Mann aus der iranischen Familie, den ich betreue, ist mittlerweile auch dort als Helfer aktiv. Er ist schon seit zwei Jahren in Deutschland und spricht recht gut Deutsch. Ich denke, ich werde noch weiter als Freiwilliger helfen. Ehrlich gesagt habe ich festgestellt, dass mir das deutlich mehr Spaß macht als die Ingenieursarbeit. Vielleicht versuche ich, etwas im sozialen Bereich zu finden.

Heute berichtet Majid Djahani, 55. Er unterstützt Flüchtlinge in ihrem Alttag und hilft an der Heinrich-Mann-Allee mit.

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