• Zu Besuch in der Unscheinbar: In der Serie Prost, Potsdam! testet die PNN Bars der Stadt

PNN-Serie „Prost, Potsdam!“ - Teil 2: Unscheinbar : Die Nuance im Glas

Erik Helbl mixt in der Potsdamer Unscheinbar mit seinem Team Cocktails, die die Spirituosen würdigen. Besuch in einer Bar, die ihr Handwerk versteht.

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Das Team der Unscheinbar mixt auch mal das, was nicht auf der Karte steht.Foto: Sebastian Gabsch

Potsdam - Wer gutes Cocktail-Handwerk schätzt und fein herausgearbeitete Nuancen in Drinks, der sollte die Unscheinbar besuchen. Unprätentiös kommt der Laden an der Friedrich-Ebert-Straße daher. Zusammen kommen hier alle Potsdamer. „Wir verstehen uns als die Nachtbar der Stadt“, sagt Erik Helbl, der die Bar seit 2014 führt. Schon seit Ende der 80er Jahre ist die Unscheinbar – damals noch als 0815 Bar – quasi eine Institution in Potsdam.

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Im Cocktail "Les Papillons" treffen Limette und Schmetterlingserbstee-infusionierter Rhum Agricole auf Zuckersirup  und ergeben...Foto: Sebastian Gabsch

Wer hier herkommt, muss keinen Cocktail trinken, sondern kann auch ein Bier bestellen, ohne schräg angeschaut zu werden. Bei den Cocktails wird wert gelegt auf faire Preise: Acht bis zehn Euro kann man hier ausgeben, dafür wandern feine Spirituosen ins Glas. Auf der Karte stehen Klassiker wie Aviation, Negroni oder Gin Basil Smash, aber auch fein Ausbalanciertes wie Indian Summer mit Tanqueray Gin, Amaro Nanino, Lillet Blanc, Limette und Kirschenbitter. Die Spezialität ist der Triple B mit Blaubeere, Bourbon und Basilikum – süffig und ein bisschen rauchig. Wer Fragen hat, wird fachkundig beraten, das Mixen kann mitverfolgt werden, denn viele Tische gibt es nicht – weshalb man abends Gäste auch plaudernd auf der Straße treffen kann.

Ein Autodidakt hinter der Theke

Helbl, der schon im Studium nebenbei in Bars gearbeitet hat, ist Autodidakt. Sein Mixen hat er über die Jahre perfektioniert. „Ein guter Barkeeper kann mit Menschen umgehen und ist mit Herzblut für Produkte dabei“, erklärt er. Dass sein Konzept aufgeht, merkt man, wenn Helbl seinen Gästen Drinks empfiehlt und auf sie eingeht – er nimmt die Herausforderung an, für jeden den richtigen Drink zu finden.

Ein Blick in das Barregal der Unscheinbar.
Ein Blick in das Barregal der Unscheinbar.Foto: Sebastian Gabsch

Wer auf ausgefeilte Einrichtungen steht, muss in eine andere Bar, in der Unscheinbar ist der Name Programm. Es gibt bodenständige dunkle Tische, rot und grün leuchtet es hinter den Flaschen im Regal, ein Sofa am großen Schaufenster lädt zum Lümmeln ein. Ein paar dicke Stumpenkerzen sorgen fürs Ambiente. Und wer Fußball mag, profitiert vom Fernsehbildschirm in der Ecke. Auch einen Gruppenraum gibt es im hinteren Teil der Bar – dort kann man allerdings dem Barkeeper nicht über die Schulter schauen. Die Unscheinbar macht erst zu, wenn der letzte Gast gehen will. „Unser Publikum ist milieuoffen, ob Studenten, Arbeiter, Touristen, Künstler oder Politiker, hier trifft sich alles“, sagt Helbl. Alle Altersklassen seien vertreten.

Cocktail-Kreationen von Potsdamer Barkeepern

Einmal pro Monat – am letzten oder vorletzten Donnerstag – heißt es „Untrinkbar“ in der Unscheinbar: Bei der Veranstaltung sind in der Regel Potsdamer Barkeeper zu Gast und kreieren acht Drinks, die acht Euro kosten. „Das sind oft Cocktails, die nicht unbedingt auf normalen Karten zu finden sind, zum Beispiel wegen der Vorbereitung oder Verwendung bestimmter Zutaten“, erklärt Helbl das Konzept. Dabei sind auch mal die Barchefs von anderen Potsdamer Bars. „Wir verstehen uns hier nicht als Konkurrenz“, erklärt Helbl. Die Szene in Potsdam kenne und schätze sich. Für „Untrinkbar“ wird dann auch mal Currysirup hergestellt, Honigmelonensaft gepresst oder Mirabellenmarmelade gekocht – alles, um dem Cocktailliebhaber noch eine Überraschung vorzusetzen.

Unscheinbar, Friedrich–Ebert-Straße 118, montags bis samstags 19 Uhr bis open end; www.unscheinbar-potsdam.de

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In unserer Serie „Prost, Potsdam!“ testen wir Bars in der Stadt. Hier geht es zu Teil 1: Bar 54 und zu Teil 2: Bar Gelb.

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Rezept: „Hi Pisco“

„Hi Pisco“ heißt der Drink, den Erik Helbl empfiehlt. Dazu füllt man 7 cl Pisco in den Jigger – den Messbecher, den man zum Mixen braucht, und kippt ihn in den Shaker. Es folgen 3 cl Esprit de June, ein Likör aus Weintraubenblüten, 3 cl Limettensaft und 1,5 cl Hibiskussirup, die zusammen mit Eiswürfeln in den Shaker wandern. Dann wird kräftig geschüttelt. Anschließend wird der Drink doppelt abgeseiht: Dabei wird er durch ein Barsieb, das auf dem Shaker aufliegt durch ein Teesieb in das Glas gegossen. „Der auf Weintraubenmost basierende Pisco, der aus Chile oder Peru kommt, wird ergänzt mit dem Likör aus Weintraubenblüten. Rund wird der fruchtige Cocktail mit frischem Limettensaft und Hibiskussirup“, sagt Helbl.

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