• PNN-Serie "Das neue Potsdam": Quartier am Jungfernsee (15): Leben zwischen Wasser und Dauerstau

PNN-Serie "Das neue Potsdam": Quartier am Jungfernsee (15) : Leben zwischen Wasser und Dauerstau

Die Bewohner des Quartiers am Jungfernsee freuen sich über die Ruhe und die Lage. Das Hauptproblem ist der Verkehr.

Bislang stehen nur etwa ein Dutzend Häuser auf dem Campus am Jungfernsee, nicht bei allen ist der von Hasso Plattner gewünschte italienische Villenstil erkennbar.Alle Bilder anzeigen
Foto: J. Bergmann
29.12.2016 20:55Bislang stehen nur etwa ein Dutzend Häuser auf dem Campus am Jungfernsee, nicht bei allen ist der von Hasso Plattner gewünschte...

Potsdam wächst rasant, überall in der Stadt schießen neue Wohnviertel empor. Doch wie lebt es sich dort eigentlich? Die PNN besuchen die Quartiere und stellen sie in der Serie „Das neue Potsdam“ vor.

Heute: Quartier am Jungfernsee (Folge 15).

 

Nedlitz - Noch wirken sie ein bisschen verloren auf dem riesigen Gelände. Nur rund ein Dutzend Häuschen stehen bislang auf dem Plattner-Campus am Jungfernsee, manche davon sogar noch im Rohbau. Viele Bewohner gibt es also noch nicht in Potsdams derzeit vielleicht attraktivster Baulage. Das Haus des prominentesten ist schlicht: olivgrüne Fassade, kein Schnickschnack, dafür eine große Terrasse auf der Rückseite.

Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) hatte sich frühzeitig ein Grundstück auf dem Areal zwischen Nedlitzer Straße und Jungfernsee gesichert, Ende August zogen seine Frau und er aus einem Mietshaus in der Russischen Kolonie in den Norden der Stadt. Und der Rathauschef fühlt sich wohl dort. „Es ist wunderschön, ganz anders als in der Alexandrowka“, sagt Jakobs. Das Licht sei hier wesentlich heller, zudem liebe er die Nähe zum Wasser. „Nur 150 Meter zum Jungfernsee – das ist klasse.“ Hinzu kämen die Vorteile, die ein nach eigenem Gutdünken gestalteter Neubau bietet – von den Zuschnitten der Räume bis zur Größe der Fenster.

Jakobs ist einer der Ersten auf dem Campus

Zusammen mit einem Nachbarn ist Jakobs der Erste, der auf den Campus gezogen ist. „So ein bisschen fühlt man sich wie ein Pionier“, sagt er grinsend. „Man ist der Erste, der Mülltonnen bestellt und der Erste, der sieht, ob die Straßenbeleuchtung funktioniert.“

Rund 15 Hektar umfasst das künftige Wohngebiet am Jungfernsee, aufgeteilt in 150 Baugrundstücke zwischen 600 und 2000 Quadratmetern. In den kommenden Jahren soll es mit Einfamilienhäusern, Doppelhäusern und Mehrfamilienhäusern bebaut werden. Die Lage lockt: Bis auf etwa ein halbes Dutzend Einfamilienhausgrundstücke sind sämtliche Parzellen bereits verkauft, der überwiegende Teil an Bauträger, die Mehrfamilienhäuser und Stadtvillen errichten wollen. Mehrere Bauschilder mit aufwendigen Computervisualisierungen künden bereits vom bevorstehenden Baubeginn.

Die Entwicklung hätte längst abgeschlossen sein sollen

Dabei hatte die Entwicklung des nach seinem Eigentümer, SAP-Mitbegründer Hasso Plattner, benannten Areals eigentlich längst abgeschlossen sein sollen. Die noch aus der Nazizeit stammenden Grauen Kasernen auf dem Gelände wurden bereits in den frühen 2000er-Jahren abgerissen. Mehrfache Umplanungen sorgten allerdings für Verzögerungen. So wurde der gewerbliche Teil des Gebiets nach Norden verschoben und das geplante Wohnquartier nach Süden verlagert. Schließlich war es Plattner selbst, der vor fünf Jahren den Startschuss für die Entwicklung gab – mit dem Bau des SAP-Innovationszentrums.

Mit der Vermarktung des Wohngebiets hingegen wurde erst im vergangenen Jahr begonnen, im Januar soll das letzte große Grundstück an einen Bauträger verkauft werden. „Ich bin sehr zufrieden“, sagt Klaas Vollbrecht, dessen Projektentwicklerfirma Asenticon das Areal im Auftrag Plattners vermarktet. Dass der Verkauf so schnell gehen würde, habe er nicht erwartet.

Eine der seltenen Gelegenheiten, noch ein Eigenheimgrundstück zu bekommen

Aber schließlich ist Baugrund in Potsdam rar gesät. „Das war hier eine der seltenen Gelegenheiten, noch ein Eigenheimgrundstück zu bekommen“, sagt eine junge Frau, die mit ihrem Mann und ihren Kindern im Februar an den Jungfernsee ziehen will. „Es wäre zwar schön gewesen, wenn wir etwas in einer zentraleren Lage gefunden hätten, aber dann wäre es noch teurer geworden.“ Billig sind die Parzellen trotzdem nicht. Zwischen 300 und 650 Euro pro Quadratmeter kosten die Grundstücke – je näher sie am Wasser liegen, desto höher der Preis.

An diesem regnerischen Tag besichtigt die Potsdamerin den Baufortschritt bei ihrem Einfamilienhaus. Plattner dürfte es gefallen: Potsdam-gelbe Fassade, klassizistischer Villenstil nach italienischem Vorbild – genauso wollte es der SAP-Mitbegründer haben. Damit architektonischer Wildwuchs vermieden wird, hatte Plattner drei Architekturbüros Entwürfe erarbeiten lassen, an denen sich die Käufer orientieren sollen.

"Das war einfach nur Glück", freut sich ein neuer Bewohner

Einer, der das zu spüren bekommen hat, ist Christian Dahmen. Dreimal habe sein Architekt den Entwurf nachbessern müssen, sagt der 36-Jährige, der mit seiner Familie erst vor wenigen Wochen aus dem niedersächsischen Oldenburg nach Potsdam gezogen ist. Von den Querelen um die Architektur abgesehen, ist die Familie froh über ihr neues Heim. „Das war einfach nur Glück“, sagt Dahmen lächelnd. Lange habe man in Berlin und im Umland gesucht, dann sei im richtigen Moment der Makler mit dem richtigen Angebot gekommen. Beim Grundstückstermin habe er damals auch seine ersten Nachbarn kennengelernt. „Die Frau des Oberbürgermeisters war auch da“, erzählt Dahmen. Natürlich habe er damals noch nicht gewusst, wer Jann Jakobs ist.

Dahmen freut sich vor allem über die ruhige Lage – und die neuen Nachbarn. Dass er in den nächsten Jahren von Baulärm umgeben sein wird, stört ihn nicht. „Ich hoffe, dass noch mehr Familien mit Kindern herziehen“, sagt er. Seine eigenen wünschen sich nämlich noch Spielkameraden.

Die Anwohner sehnen die neue Tram-Anbindung herbei

Bei aller Freude über das neue Heim in schöner Lage – ganz ohne Makel ist das Quartier für die Bewohner nicht. „Wirklich schrecklich ist der morgendliche Verkehr“, sagt Dahmen. Für die dreieinhalb Kilometer bis in die Innenstadt, wo seine älteste Tochter zur Schule geht, braucht der 36-Jährige eine Dreiviertelstunde. Und auch die junge Potsdamerin, die mit ihrer Familie im Februar aus der Berliner Vorstadt an den Jungfernsee ziehen will, graust es schon jetzt vor den Staus in der Nedlitzer Straße. Die Anwohner sehnen daher die neue Tramanbindung herbei, die Ende 2017 in Betrieb genommen werden soll. Dann werde er mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Teltow fahren, sagt Dahmen. Dort arbeitet er als Softwareentwickler.

Jakobs hat solche Probleme nicht. „Ich fahre mit dem Fahrrad ins Rathaus“, sagt er vergnügt. „Meine Mitarbeiter haben mir extra einen Regenponcho geschenkt.“

Die nächste Folge lesen Sie am Dienstag in Ihren PNN.

 

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