• Pleite von Thomas Cook hat auch Auswirkungen in Potsdam
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Pleite von Thomas Cook : Im Potsdamer Reisebüro ist die Verunsicherung groß

Von der Pleite des Reisekonzerns Thomas Cook sind offenbar auch viele Potsdamer betroffen - wie am Montag ein Besuch im Reisebüro des Anbieters zeigte. 

Das Potsdamer Thomas-Cook-Reisebüro in der Jägerstraße.
Das Potsdamer Thomas-Cook-Reisebüro in der Jägerstraße.Foto: Henri Kramer

Von der Pleite des Reisekonzerns Thomas Cook sind offenbar auch viele Potsdamer betroffen. In das Thomas Cook-Reisebüro in der Jägerstraße strömten am Montagvormittag schon etliche verunsicherte Kunden, wie ein PNN-Besuch vor Ort zeigte. Doch viele Informationen konnten ihnen die beiden Mitarbeiterinnen vor Ort nicht geben. „Wir sind selbst überrascht und wissen nicht, wie es weitergeht - auch für uns“, sagte eine Angestellte. Zu konkreten Zahlen, wie viele Potsdamer betroffen seien, konnte sie auf Anfrage keine Angabe machen. Gleichwohl hätten sich auch viele Kunden per Mail oder Telefon gemeldet, wie es mit ihren gebuchten Reisen weitergeht. Man hoffe, im Laufe des Tages weitere Informationen geben zu können. 

Insolvenzantrag am Montag

Der britische Touristikkonzern Thomas Cook hatte am Montagmorgen einen Insolvenzantrag gestellt. Die deutschen Veranstaltertöchter, zu denen Marken wie Neckermann Reisen, Bucher Last Minute, Öger Tours, Air Marin und Thomas Cook Signature gehören, haben den Verkauf von Reisen nach eigenen Angaben komplett gestoppt. Man könne nicht gewährleisten, dass gebuchte Reisen mit Abreisedatum 23. und 24. September stattfinden, teilte die Thomas Cook GmbH am Morgen in Oberursel bei Frankfurt mit. „Das Unternehmen lotet derzeit letzte Optionen aus“, hieß es weiter. Sollten diese Optionen scheitern, sehe sich die Geschäftsführung gezwungen, auch für die Thomas Cook GmbH und weitere Gesellschaften Insolvenz zu beantragen.

Auch Babelsberger Büro betroffen

Auch in der Babelsberger Karl-Liebknecht-Straße gibt es ein Franchise-Reisebüro für Thomas Cook, Inhaber ist Thomas Dippe. Er sprach gegenüber den PNN von einer „schlimmen Geschichte“, man versuche nun den Kunden zu helfen. In einigen Fällen sei das auch gelungen, etwa bei Hinweisen, wie man nun aus dem Urlaub wieder zurückgelangen könne. „So versuchen wir auch, unsere eigene Betroffenheit zu überspielen.“ Da man nur Franchise-Nehmer sei – also ein eigenständiger Betrieb, der Produkte von Thomas Cook in Lizenz verkauft – werde man auch als Reisebüro weitermachen können, zeigte sich Dippe überzeugt.

Potsdamer Fluggastrecht-Portal kann nicht helfen

Das Potsdamer Fluggastrecht-Portal Flightright versuchte am Montag, sich auf die Insolvenz von Thomas Cook einzustellen. In vielen Fällen hatte das Start-up in den vergangenen Jahren Entschädigungen von Passagieren gegen den Konzern und seine Ferienflieger-Tochter Condor nach mehrstündigen Verspätungen durchgesetzt. Kunden, deren Flüge mit Condor noch bevorstehen, wandten sich nun in Mails und mit Anrufen an Flightright. „Wir werden aber keine neuen Fälle annehmen, laufende Gerichtsverfahren werden auf ruhend gestellt“, sagte Flightright-Gründer und -Geschäftsführer Philipp Kadelbach den PNN. Das Portal müsse damit rechnen, laufende offene Fälle unter Umständen nicht mehr erfolgreich durchsetzen zu können. Mittelfristig, so Kadelbach, sehe das Unternehmen aber „keine Probleme, da entweder die Condor-Strecken anderweitig bedient werden oder Condor aus der Insolvenz von einem Mitbewerber übernommen wird“.
Die Insolvenz von Air Berlin im August 2017 hatte auch bei Flightright Turbulenzen ausgelöst. Die Fluglinie war wegen ihrer häufigen Verspätungen ein bedeutender Umsatzfaktor für die Potsdamer, die für Tausende Kunden die durch eine EU-Fluggastrechtverordnung festgelegten Entschädigungen von 250 bis 600 Euro erstreitet und davon jeweils 30 Prozent einbehält. Die Thomas-Cook-Pleite sei hingegen in der Firmenzentrale in Babelsberg „ohne Hektik“ aufgenommen worden. Die Bedeutung für das Geschäft sei „nicht im Ansatz mit Air Berlin zu vergleichen“, so Kadelbach.

Schadensersatz?

Im Falle einer Insolvenz auch der deutschen Töchter, greife zunächst die Insolvenzversicherung, sagte Reiserechtlerin Sabine Fischer-Volk aus Berlin dem dpa-Themendienst. Diese ist allerdings auf 110 Millionen Euro begrenzt, die ein Versicherer für ein Geschäftsjahr vorhalten muss. Angesichts der Größe von Thomas Cook sei nicht klar, ob das ausreiche, erklärte die Reiserechtlerin. Der Ferienflieger Condor, ein Tochterunternehmen, versicherte kurz nach Bekanntwerden der Insolvenzpläne, dass der Flugbetrieb weitergehe. Die Verbraucherzentrale Brandenburg hat bereits auf ihrer Internetseite zahlreiche Hinweise für Betroffene veröffentlicht.