• Platznot der Stadtverwaltung: Riesiger Rathaus-Campus im Süden vom Tisch

Platznot der Stadtverwaltung : Riesiger Rathaus-Campus im Süden vom Tisch

Die Stadtverwaltung plant nun doch Sanierung ihres Areals an der Hegelallee - von den Plänen für einen Neubau für 2200 Mitarbeiter am früheren Tramdepot rückt die Stadtspitze wieder ab.

Das Potsdamer Stadthaus.
Das Potsdamer Stadthaus.Foto: Sebastian Gabsch

Potsdam - Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) verabschiedet sich von den Überlegungen, den maroden Verwaltungscampus an der Hegelallee weitgehend aufzugeben. Vielmehr soll dieser nun stückweise saniert und umgebaut werden. Dazu ist ein Zweitstandort am ehemaligen Tramdepot in der Teltower Vorstadt oder der mögliche Ankauf von Bürobauten an der Edison Allee im Gespräch. Genaue Aussagen zu dem Projekt in voraussichtlich dreistelliger Millionenhöhe, dass das Rathaus trotz einbrechender Einnahmen in der Coronakrise stemmen möchte, will Schubert nach einer Wirtschaftlichkeitsuntersuchung im Sommer machen. Das machte er am Montag vor Journalisten deutlich.

1500 Mitarbeiter bleiben in der Innenstadt

Konkret vorgesehen ist nun, dass am Hauptstandort an der Hegelallee bis zu 1500 Mitarbeiter unterkommen. Dabei soll das derzeit noch von der Bauverwaltung genutzte Haus Haus 1 grundsaniert und durch einen Neubau ergänzt werden, um den Bedarf an Arbeitsplätze zu decken. Abgerissen wird hingegen der marode DDR-Block Haus 2 an der Jägerallee. Ein genauer Zeitplan für das Gesamtvorhaben ist in einer Vorlage, über die die Stadtverordneten am 9. Juni im Hauptausschuss beraten sollen, nicht vorhanden – allerdings nannte Hauptamtsleiter Dieter Jetschmanegg (SPD) 2027 als Zielmarke für den besagten zweiten Standort.

Noch im Herbst 2019 hatte Schubert erklärt, man prüfe sogar einen Neubau für 2200 Mitarbeiter am Tramdepot – statt der stückweisen Sanierung des Rathausgeländes. Denn dort seien die räumlichen Möglichkeiten ausgeschöpft, so Schubert damals: „Es ist zu eng.“

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Nun muss es offensichtlich irgendwie doch gehen – Schubert sprach von einer logistischen Herausforderung, dies zu stemmen, zumal auch noch Platz für eine mögliche neue Schule freigehalten werden soll. Als Hauptgrund für die Absage für den kompletten Neuanfang an anderer Stelle nennt das Rathauspapier vor allem „nicht vorhandener Flächen in benötigter Größe“, zumal am Tramdepot eben auch aktuell ein großes Wohnviertel entsteht.

Viele Fragen sind offen

Es gibt noch viele Unbekannte in der Rechnung – auch die Frage des Zweitstandorts, eben an der Edison Allee oder am Tramdepot. Am Tramdepot ist die kommunale Pro Potsdam Besitzer, die dort bereits ein Wohnviertel errichtet und sicher auch mehr Fläche noch bebauen lassen könnte. Für die Variante Edison Allee wiederum will die Verwaltung mit dem Eigentümer der dortigen Bürohäuser sprechen und diese womöglich ankaufen. Geschäftsbeziehungen hat man schon, weil die Bauverwaltung schon im kommenden Jahr auf Mietbasis dort einziehen wird.

Eine Option für die Stadtverwaltung: Standort Edison Allee.
Eine Option für die Stadtverwaltung: Standort Edison Allee.Foto: A. Klaer

Die dadurch entstehenden Kosten machen auch den Bedarf der Planungen deutlich. Denn mit dem Umzug steigen die jährlichen Mietkosten der Stadt, die sie für das Nutzen von Interimsstandorten für ihre rund 2500 Mitarbeiter ausgibt, deutlich an – von 4,6 auf 7,8 Millionen Euro im Jahr. Schon jetzt hat die Verwaltung etliche Bereiche ausgegliedert, zum Beispiel das Jugendamt am Palais Lichtenau – solche Standorte sollen nach und nach wieder mit den Haupthäusern vereint werden.

Wie soll die Finanzierung klappen?

Allerdings ist eben auch die Finanzierung der neuen Verwaltungssitze längst nicht geklärt, von einer „dreistelligen Millioneninvestition“ ist die Rede. Nur mit einem „fundierten Refinanzierungskonzept“ würden die nötigen Kredite von der Kommunalaufsicht genehmigt, heißt es in der Vorlage. Schubert sagte, extra Fördermittel seien derzeit nicht zu erwarten.

Die Modernisierung der Stadtverwaltung ist laut Schubert aber wichtig und könne nicht mehr verschoben werden – schon alleine um die Wettbewerbsfähigkeit am Arbeitsmarkt sicherzustellen. So würden in den kommenden Jahren 600 Beschäftigte in den Ruhestand wechseln – Stellen, die nachbesetzt werden müssen. Einfließen in die laufenden Planungen sollen auch Prognosen zur Zukunft der Arbeit, etwa in punkto Home-Office. Vor diesem Hintergrund will man für 135 Beschäftigte im Schnitt noch 100 Arbeitsplätze vorhalten – wobei pro Platz mit 26,5 Quadratmetern gerechnet wird.

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