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Platz für mehr als 300 Menschen : Geflüchtete aus der Ukraine könnten in die Burgstraße

Der Betreiber der Josephinen-Anlage will leerstehende Wohnungen an Vertriebene vergeben. Bisherige Kritiker reagieren erfreut.

Die Josephinen-Wohnanlage in der Burgstraße. 
Die Josephinen-Wohnanlage in der Burgstraße. Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Überraschende Wende im Konflikt um die Josephinen-Seniorenanlage an der Burgstraße: In die derzeit leerstehenden Wohnungen sollen kurzfristig Geflüchtete aus der Ukraine einziehen können. Das hat der Betreiber der Anlage, die SGG Soziale Grundbesitzgesellschaft Potsdam MBH, Bewohnern in einem den PNN vorliegenden Schreiben mitgeteilt. 

Die Stadtverwaltung prüft nun, wie die Sozialbeigeordnete Brigitte Meier (SPD) den PNN auf Anfrage mitteilte, „das Haus längerfristig für soziale Zwecke und insbesondere für Seniorinnen und Senioren zu nutzen“. „In der aktuellen Lage“, sagte Meier, „würde es sich anbieten, die Anlage für ukrainische Seniorinnen und Senioren oder andere besonders vulnerable Gruppen zu nutzen“. Grundsätzlich begrüße die Stadt die Unterbringung von geflüchteten Senior:innen in der Anlage.

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Der Schritt der SGG könnte dazu führen, dass das weiße Haus mit Dutzenden Appartments schon bald zum größten dauerhaften Zufluchtsort für Geflüchtete aus dem Kriegsgebiet werden könnte. Wie berichtet sucht die Stadt dringend nach Wohnraum für aktuell mehr als 650 Flüchtlinge, die zeitweise in Pensionen und Hotels untergebracht worden sind. 

Die von SGG-Geschäftsführer Manfred Dreier-Gehle unterzeichneten Briefe an die Bewohner sind auf den 24. März datiert, einer liegt den PNN vor. Am selben Tag ging im Rathaus ein Fax mit dem Angebot der SGG, einer Tochter der Hamburger MK-Kliniken AG, ein. In Dreier-Gehles Schreiben an die Bewohner heißt es unter anderem, „die aktuelle, brisante Lage in der Ukraine und den damit verbundenen, hohen Flüchtlingszahlen“ sorgten „für kurzfristigen Handlungsbedarf“. 

Platz für bis zu 350 Menschen

Die SGG habe sich daher dazu entschlossen, jetzt leerstehende Wohnungen „für Flüchtlinge - überwiegend alleinstehende Frauen mit ihren Kindern - bereitzustellen“. Demnächst würden „in dem Zusammenhang“ neue Möbel für 110 Wohnungen angeliefert, damit bis zu 350 Personen einziehen können. Die SGG bitte die Bewohner „um kooperatives Agieren mit den Ankommenden und um Unterstützung, den Geflüchteteten eine Heimatstätte zu bieten“. Das Unternehmen begrüße „die positive Resonanz, auf die wir bei unseren Mitarbeitern gestoßen sind, diese große Aufgabe zu bewältigen“. 

Die SGG, so Dreier-Gehle, mache jetzt die Gemeinschaftsräume nutzbar. Wesentliche Installationen und der Fußboden seien nicht mehr vorhanden und nur über Stufen kurzfristig nutzbar. Das, so der Geschäftsführer, „sollte für die Flüchtlinge allerdings kein Problem darstellen“. Genauere Konditionen - also zum Zeitraum oder zu finanziellen Vorstellungen - machte die SGG in dem Brief aber nicht. 

Die Betreiber der Anlage hatten wie berichtet Ende Oktober rund 110 größtenteils hochbetagten Bewohner:innen gekündigt, um deren Wohnungen an Stundent:innen zu vermieten. Dieses Vorhaben sorgte in der Stadtgesellschaft für Empörung, die Verbraucherzentrale Brandenburg, der Potsdamer Mieterverein und der Seniorenbeirat schlossen sich zu einem Aktionsbündnis zusammen. Peter Mundt, Vorsitzender des Seniorenbeirats, schätzte am gestrigen Montag, dass etwa 80 Bewohner das Haus bereits verlassen haben und nur noch rund 30 in ihren Wohnungen leben. 

Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) hatte der SGG zunächst Hilfen der Stadt angeboten, damit das Haus weiter als Seniorenwohnanlage betrieben werden könne. Bisher waren die Frauen und Männer nach dem Modell des Betreuten Wohnens mit Essenslieferungen versorgt worden.

„Große Hilfe für die Geflüchteten“

Kritiker des SGG-Vorgehens reagierten erfreut. Christian Rumpke, Geschäftsführer der Verbraucherzentrale Brandenburg, begrüßte das Angebot. „Passend wäre es, wenn die Wohnungen vor allem älteren Geflüchteten oder Ukrainerinnen etwa mit Gehbehinderungen angeboten werden“, sagte er auf Anfrage. Dennoch bedürfe es eines langfristigen Konzepts für die Zukunft der Anlage. 

Holger Catenhusen, Anwalt und Geschäftsführer des Mietervereins Potsdam, bezeichnete die Entscheidung als „große Hilfe für die Geflüchteten“. Auch er regte an, die Wohnungen in erster Linie für Ältere bereitzustellen. Der Seniorenbeirats-Vorsitzender Peter Mundt erinnerte aber auch daran, dass zuvor viele Senior:innen „entmietet und Gemeinschaften auseinandergerissen“ worden seien.

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