Potsdam : Plattner beschert Glücksmomente

Politik, Promis und Kunstszene sind sich einig: Potsdam hat einen besonderen Gönner – nur vereinzelt wird Kritik laut und wenn, dann am Standort

Tobias Reichelt
Modernes Gegengewicht zum Landtag. Vis-á-vis vom Landtagsschloss mit Knobelsdorff-Fassade (r.) wünschen sich viele von Plattner eine architektonisch moderne Kunsthalle, die den Vergleich aushält. Zuvor muss allerdings das Hotel weichen.
Modernes Gegengewicht zum Landtag. Vis-á-vis vom Landtagsschloss mit Knobelsdorff-Fassade (r.) wünschen sich viele von Plattner...Foto: Andreas Klaer

Potsdams Stadtpolitik, die Kulturszene und die Gesellschaft reagierten am Freitag nahezu einhellig euphorisch auf Plattners Angebot, kritische Stimmen gab es lediglich von den Linken und der Fraktion Die Andere.

SPD-Kreis- und -Stadtfraktionschef Mike Schubert sprach von einem „weiteren großen Glücksmoment“, den der Mäzen Potsdam beschere. „Die Stadt ist ihm zu tiefem Dank verpflichtet.“ CDU-Kreischefin Katherina Reiche sagte den PNN, sie sei „begeistert, dass sich Hasso Plattner so unglaublich und beständig“ in Potsdam engagiere. Johannes Baron von der Osten-Sacken, Chef der FDP-Fraktion, nannte es ein „großes Glück“, dass Potsdam einen solchen Gönner habe. Die Idee Plattners, eine Kunsthalle zu bauen, sei „super“. Zugleich ergebe sich für die Innenstadt die „tolle Lösung“, dass für die Halle das Mercure-Hotel abgerissen werde. „Absolut glücklich über diese wunderbare Entwicklung“ zeigte sich Saskia Hüneke, Fraktionschefin der Bündnisgrünen im Stadtparlament. „Wir haben schon immer dafür plädiert, dass Potsdam eine Kunsthalle braucht“, sagte sie auf Anfrage. Wolfhard Kirsch, Fraktionsvize des Bürgerbündnisses, lobte Plattner für die „wunderschöne Idee“ einer Kunsthalle. Es sei „herrlich, wie dieser Mann mit der Stadt umgehe. Potsdam könne Plattner für sein Engagement „jeden Tag auf Knien danken“. Peter Schultheiß, Fraktionschef der Potsdamer Demokraten, fand Plattners Pläne „grundsätzlich hervorragend“, mahnte jedoch zur Rücksicht auf die historischen Sichtbeziehungen im Lustgarten, die man nach einem Hotelabriss wiedergewinnen wolle. Er wünsche sich für die Kunsthalle eine „helle und lichte Architektur“.

Kai Diekmann, in Potsdam lebender Chefredakteur der „Bild“-Zeitung, selbst Sammler und Förderer moderner Kunst, erfuhr in Los Angeles von Plattners Kunsthallen-Plänen: „Das ist eine großartige Nachricht für Potsdam, das ist bürgerliches Engagement at its best, ich bin einfach nur begeistert. Das hebt die Stadt auf ein neues Niveau. Ein ganz besonderer Glücksfall ist natürlich der Standort.“

Hans-Joachim Sander, Kunstsammler aus Potsdam (Sammlung Sander, Darmstadt), erfuhr am Freitag bei einem Geschäftsessen in Hongkong durch einen PNN-Anruf von den Plattner-Plänen: „Das im höchsten, im allerhöchsten Maße erfreulich für die Stadt. Ich begrüße es im höchsten Maße, dass die Stadt Potsdam ein so bedeutsames, bemerkenswertes und großzügiges Geschenk von Hasso Plattner bekommt. Das kann man nur begrüßen und unterstützen. Der Standort ist ideal.“

Begeisterung herrscht auch in der Kunstszene: Tobias Wellemeyer, Intendant des Hans Otto Theaters, sagte den PNN: „Potsdam hat traditionell ein sehnsuchtsvolles Verhältnis zu Kunst und Philosophie. Die Idee einer Kunsthalle ist großartig und wird die moderne Ausstrahlung der Stadt noch erweitern.“

Jens-Uwe Sprengel, künstlerischer Leiter der Theaterstätte T-Werk erklärte, „so ein Geschenk“ sei „ nicht hoch genug zu schätzen“. Eine solche Kunsthalle würde Potsdams Attraktivität steigern, was nicht zuletzt jedem Kunstschaffenden in der Stadt zu Gute käme. Wilfried Peinke, Geschäftsführer des Waschhauses sagte, eine „architektonisch interessante Kunsthalle im Zentrum der Stadt am Lustgarten stünde Potsdam gut zu Gesicht“. Galerist Werner Ruhnke sprach gar von einem „kleinen Meilenstein“ für die Stadt. „Niemand kann ernsthaft gegen so ein Geschenk sein“, sagte Ruhnke.

Kunsthistoriker Hans-Joachim Kuke vom Stadtschlossverein lobte auf das weitere Engagement Plattners für die historische Mitte. Die Kunsthalle sei eine tolle Idee. Wichtig sei, dass das Mercure- Hochhaus endlich verschwinde. Es sei gegen alle historische Vernunft gebaut worden. Gegenüber dem Schloss sei durchaus ein moderner Bau denkbar, so Kuke.

Linke-Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg freute sich zwar über Plattners Offerte, lehnt aber einen Abriss des Mercure-Hotels ab. „Plattners Angebot ist eine Chance für die Stadt, ich finde es ganz toll. Doch man soll das Angebot nicht mit dem Hotel Mercure verbinden“, sagte Scharfenberg auf Anfrage. Plattners Kunsthalle dürfe nicht dazu genutzt werden,, zu sagen „endlich können wir das Mercure entsorgen und die Weisse Flotte als Kollateralschaden gleich mit“. Die Standortdiskussion müsse geführt werden, Potsdams Zentrum sei „größer als die Mercure-Fläche“. Es sei die Mühe wert, über andere Standorte zu reden, „wo die Kunsthalle ohne Konflikte entstehen kann“. Ihm sei jedoch auch klar, dass es sich um eine „privatwirtschaftliche Angelegenheit“ handele. Wenn Blackstone als Eigentümer des Hotels verkaufe und Plattner der neue Besitzer sei, könne er das Hotel abreißen, so Scharfenberg.

Weniger Diplomatie bewies Linke- Kreischef Sascha Krämer. Er forderte Plattner auf, Potsdam statt einer Kunsthalle „lieber ein schickes Schwimmbad“ zu schenken. Scharfe Kritik übte Hannes Püschel (Die Andere): Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) habe „sonnkönigähnlich“ entschieden, mit dem Mercure-Hotel ein „bauliches Wahrzeichen“ der Stadt zu beseitigen. Wenn Plattner für die Stadt etwas tun wolle, solle er das Haus Dietz kaufen und dort Kunst ausstellen. Auch in den neuen Ortsteilen würde sich eine Kunsthalle gut machen, so Püschel: Dort gebe es nämlich weder Schlösser noch Kunsthallen. mit pet, tor, dapd