• Pläne für Bioabfallvergärungsanlage: Anlage für Biomüll in Potsdams Norden?

Pläne für Bioabfallvergärungsanlage : Anlage für Biomüll in Potsdams Norden?

Rund 100 Menschen besuchten Info-Abend in Marquardt. Step favorisiert Standort außerhalb der Stadt

Marquardt/Satzkorn - Schon das Wort ist ein Ungetüm. 25 Buchstaben lang und ziemlich schwer auszusprechen: Bioabfallvergärungsanlage. Aber ist ein solcher Biomüllverwerter auch in der Realität ein Ungetüm? Eine olfaktorische Zumutung für die Anwohner in der Umgebung? Darüber gingen die Meinungen auseinander auf der Veranstaltung in der Marquardter Kulturscheune am Montagabend. Der dortige Ortsbeirat hatte eingeladen, um über die eventuell im Potsdamer Norden entstehende Bioabfallvergärungsanlage zu informieren. Als mögliche Standorte werden eine Fläche neben der Zalando-Halle im Friedrichspark sowie ein Areal am Satzkorner Klärwerk genannt.

Rund 100 Menschen waren am Montag zu der Veranstaltung gekommen und wollten schon einmal hören, was sie später vielleicht riechen müssen. Die Angst scheint groß zu sein vor dem Mief aus Kartoffelschalen, Kotelettknochen und alten Teebeuteln, an denen sich Scharen von Bakterien zu schaffen machen, um zu zersetzen, was zu zersetzen geht. Susanna Krüger (SPD), stellvertretende Ortsvorsteherin von Satzkorn, hat bereits im Umfeld einiger bestehender Bioabfallvergärungsanlagen recherchiert. Ihr eindeutiges Fazit: Der Betrieb einer solchen Anlage „wird nicht ohne eine Geruchsbelästigung möglich sein“, sagte sie am Montagabend.

Auf diesen Vorwurf reagierten Burkhardt Greiff und Enrico Munder – die Geschäftsführer der Stadtentsorgung Potsdam (Step) – erstaunlich defensiv. Natürlich sei es so, dass die gesetzlichen Vorschriften zur Reinhaltung der Luft eingehalten werden müssten, erläuterte Munder zurückhaltend. Derzeit sei man erst in der Phase der Projektentwicklung und noch nicht im eigentlichen Planungsstadium. Wenn die echten Planungen anlaufen, werde man Gutachten einholen, um zu klären, wie die Voraussetzungen für die Genehmigung der Anlage eingehalten werden könnten, so Munder. Erst auf direkte Nachfrage nach Ende des offiziellen Teils der Veranstaltung gab Burkhardt Greiff dann doch etwas Entwarnung im Hinblick auf die von Anwohnern befürchteten Gerüche: „Wenn alles funktioniert, gibt es keine Geruchsbelästigung.“ Soll wohl heißen: Ist nichts kaputt in der Anlage, dann riechen die Anwohner auch nichts. Würde allerdings zum Beispiel ein Tor der großen Verarbeitungshalle aufgrund eines Defekts längere Zeit offen stehen, dann könnte es ungemütlich werden am Kaffeetisch auf der Terrasse. Greiff sagte, auch die Müllfahrzeuge, die zur Anlage fahren werden, röchen nicht stärker als gewöhnliche Müllautos. Mit etwa 36 Fahrten täglich rechnet Munder.

Susanna Krüger und ihr Ehemann Lars Krüger berichteten hingegen von massiven Problemen mit einer ähnlichen Anlage im Ruhrgebiet. Dortige Anwohner klagten insbesondere bei Wind über Gerüche, gar vom „konzentrierten Müllwagenmief“ war die Rede. Das Tor zur Halle sei öfter kaputt. Bekomme nun Potsdams Norden am Standort Friedrichspark eine solche Anlage, seien im Umkreis von 300 Metern rund 30 Anwohner betroffen, am Standort Satzkorn seien es 20 Personen. Hinzu kommen Gewerbetreibende, auch Erholungsgrundstücke lägen in diesem Radius, erläuterte Susanna Krüger.

Geschäftsführer Greiff rechnet damit, dass die Entscheidung für einen Standort in sechs bis zwölf Monaten fallen wird. Die Step favorisiere eigentlich nicht den Potsdamer Norden, sondern wolle am liebsten auf einem eigenen Grundstück in der Fresdorfer Heide bauen. Doch der Vorteil eines Standorts im Potsdamer Norden: Ein Kraftwerk am künftigen Wohngebiet in Krampnitz könnte von der Gäranlage über eine Leitung mit Gas versorgt werden. Jährlich sollen mehrere Tausend Tonnen Bioabfall in der Gäranlage in Kompost und Flüssigdünger umgewandelt werden. Aus dem bei der Gärung entstehenden Methangas kann man Strom und Wärme gewinnen. Wegen der Einführung der Biotonne in Potsdam fallen ab kommendem Jahr viele Bioabfälle an. Sie werden, zumindest für eine Übergangszeit, auf die Deponie nach Mahlow gefahren.

 

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