• Pia (7) ist ihrem Krebsleiden erlegen: Der Gang über die Regenbogenbrücke

Pia (7) ist ihrem Krebsleiden erlegen : Der Gang über die Regenbogenbrücke

Am Donnerstag erlag die sieben Jahre alte Pia aus Potsdam einem Krebsleiden. Die PNN haben mit Pias Mutter über die letzten Stunden ihrer Tochter gesprochen.

Pia erlag einem seltenen Gehirntumor.
Pia erlag einem seltenen Gehirntumor.Foto: privat

Potsdam - Wie sehr muss sie ihnen fehlen. Ihre Eltern Sascha und Jeanine Hillman sowie ihr zweijähriger Bruder Phil trauern um die sieben Jahre alte Pia. Nach zehn Monaten und zwei Tagen hat die Schülerin aus dem Kirchsteigfeld am Donnerstag (13.8.) den Kampf gegen einen seltenen Gehirntumor verloren. Am Donnerstagabend schrieb Jeanine Hillmann den PNN die traurige Nachricht: „Pia ist heute Nachmittag eingeschlafen”.

Am Freitag schilderte Pias Mutter den PNN die letzten Stunden ihrer Tochter. Am frühen Donnerstagnachmittag seien ein Palliativmediziner und eine Krankenschwester zu einer verabredeten Visite ins Kirchsteigfeld gekommen, hätten das Mädchen untersucht und versichert, dass Pia schmerzfrei sei. Die Eltern lasen ihr aus ihren Lieblingsbüchern „Der kleine Rabe Socke” und „Der kleine Drache Kokosnuss” vor. „Sie war geistig voll da und hat sich darüber gefreut”, sagte Jeanine Hillmann. 

Im Beisein der Ärzte fand das Leben der Siebenjährigen dann gegen 14.30 Uhr ein trotz der schweren Erkrankung jähes Ende. „Wir haben nicht damit gerechnet, dass es so schnell geht. Wir haben ihr noch gesagt, dass sie sich nicht mehr quälen muss und jetzt über die Regenbogenbrücke gehen darf”. Mit diesem Synonym wird Kindern der Übergang vom Leben zum Tod erklärt, wenn zum Beispiel Großeltern sterben. Pia starb zuhause, „das wollten wir so”, sagte ihre Mutter. Die Beisetzung soll in kleinstem Kreis stattfinden.

Im September wurde der Tumor diagnostiziert

Am 11. September vergangenen Jahres hatten Ärzte der Charité wie berichtet das sogenannte Diffuse Intrinsische Pinsgliom diagnostiziert , einen wegen der Nähe zum Stammhirn inoperablen, bösartigen Gehirntumor. Das Mädchen, eine begeisterte Fußballspielerin bei den Drewitzer Black Bears, hatte im Juli über Kopfschmerzen geklagt, Ende August war ihre linke Körperhälfte wie gelähmt. Die Berliner Ärzte prognostizierten für Pia eine Lebenserwartung zwischen sechs und neun Monaten. 

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Nach dem ersten Schock gaben die Hillmanns nicht auf. Immer wieder neu brachten die 33 Jahre alte Potsdamerin, kaufmännische Angestellte in Elternzeit, und ihr gleichaltriger Ehemann, der Elektromeister im Klinikum „Ernst von Bergmann” ist, die Kraft auf, Hoffnung zu schöpfen. Freunde standen ihnen zur Seite und fanden heraus, dass Ärzte am Züricher Universitäts-Kinderspital bei der Behandlung dieser Tumore mit dem in Deutschland noch nicht zugelassenen Medikament ONC201 Erfolge erzielt hatten. 

Eine solche Therapie, die deutsche Krankenkassen wegen der fehlenden Zulassung nicht finanzieren, kostet weit über 100 000 Euro. Weil das Ehepaar das Geld nicht aufbringen konnte, veröffentlichte es einen Spendenaufruf („Helft Pia, helft uns!“). Die Anteilnahme der Potsdamer und vieler Menschen aus der näheren und weiteren Umgebung sowie sogar aus dem Ausland war überwältigend: innerhalb von sechs Tagen kamen 122 010 Euro zusammen. Die Therapie begann. 

Momente der Zuversicht

Es gab Momente, die Anlass zu Zuversicht gaben. Kurz vor Weihnachten, als die PNN die Familie besuchten, war der Schülerin nichts von ihrer Krankheit anzumerken. Sie tollte mit ihrem Bruder, der Hündin Dara und der Katze Daisy ausgelassen durchs Wohnzimmer. Vorsichtig, fast demütig sprach ihre Mutter von einer „berechtigten Hoffnung”

Bei aller Freude über die Stabilisierung von Pias Gesundheitszustand waren Jeanine und Sascha Hillmann stets realistisch genug zu erkennen, dass die tödliche Gefahr für ihre Tochter durch den Tumor noch lange nicht überwunden war. Wenn die PNN sich bei ihnen in größeren Abständen nach Pias Krankheit erkundigten, hielten sie dies nie zurück. 

Pia beim vergangenen Weihnachtsfest mit ihren Eltern und ihrem Bruder.
Pia beim vergangenen Weihnachtsfest mit ihren Eltern und ihrem Bruder.Foto: Sebastian Gabsch

Anfang Mai hatte eine erneute Magnetresonanztherapie in der Charité gezeigt, dass der Tumor gewachsen war. In der zweiten Mai-Hälfte begann die Zeit, in der die Schülerin plötzlich Sprachschwierigkeiten hatte und sich ohne Hilfe nicht mehr allein fortbewegen konnte. Jeanine Hillmann legte ihre Angst offen: „Ja, wir sind in sehr großer Sorge um Pia.” 

Mitte Juli ging es der Schülerin zunehmend schlechter. „Wir können jetzt nur noch auf ein Wunder hoffen”, sagte ihre Mutter damals den PNN.
Der Blick in die Zukunft war für Jeanine Hillmann seit langer Zeit verdunkelt. Aber immer mal wieder sprach sie davon, dass die Familie am 15. Oktober Pias achten Geburtstag feiern wolle. Die Zeit hat dafür nicht mehr gereicht. 

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