• Pflege in Corona-Zeiten: „Es können nicht alle zeitgleich kommen“

Pflege in Corona-Zeiten : „Es können nicht alle zeitgleich kommen“

Diakonie-Direktorin Barbara Eschen erklärt, warum Schnelltests für Pflegeheime nicht alle Probleme lösen und worauf sich die Familien und Bewohnern in der Adventszeit einstellen müssen.

Besuche in Pflegeheimen sind nicht, wie im ersten Lockdown, verboten. Doch die Heime beschränken die Anzahl der Gäste, die kommen dürfen.
Besuche in Pflegeheimen sind nicht, wie im ersten Lockdown, verboten. Doch die Heime beschränken die Anzahl der Gäste, die kommen...Foto: Bodo Marks/dpa

Frau Eschen, in Berlin hat es einen massiven Corona-Ausbruch in einem Pflegeheim gegeben. Wie kommt es zu so etwas?
Das Problem ist: Man stellt einen Corona-Ausbruch erst fest, wenn die ersten Infizierten Symptome zeigen. Dann ist es aber schon zu spät. Das gilt für Bewohner ebenso wie für Mitarbeitende und Angehörige. Deswegen war es bislang immer sehr schwer, eine Eindämmung hinzubekommen. Zumal die Labore überlastet waren: Bis Testergebnisse da waren, dauerte es unter Umständen mehrere Tage. Und das macht die Sache dann so schwer. Denn wer infiziert ist, braucht eine gewisse Form von Isolation und Trennung.

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Wie ist das praktisch umsetzbar?
Das hängt von den Bewohnerinnen und Bewohnern ab – ob diese zum Beispiel eine demenzielle Erkrankung haben. Zu jemandem, der an Alzheimer erkrankt ist, kann ich nicht einfach sagen: Setz’ Dich in Dein Zimmer, damit du von den anderen isoliert bist. Die Pflegekräfte können nur versuchen, diese Menschen zu isolieren, aber gerade Menschen mit Demenz haben ein großes Bedürfnis, sich zu bewegen. Ich kann sie nicht einfach in ihrem Zimmer einschließen: Demenzkranke haben Rechte, und Menschen einzusperren geht nur mit einer gerichtlichen Zustimmung.
Wie lösen das die Heime?
Es gibt in allen unseren Einrichtungen mittlerweile Konzepte zur Kontaktreduzierung: So werden die Mahlzeiten in kleinen Gruppen, zeitlich voneinander getrennt, eingenommen. Wir wollen ja, dass die Menschen, die in den Einrichtungen leben, weiter Kontakt zu anderen haben – aber wir wollen sie auch vor dem Virus schützen, das ist ein großes Dilemma für die Heimleitungen und die Pflegekräfte, die sich enorm für die Bewohner einsetzen.

Barbara Eschen, Direktorin des Diakonischen Werkes Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.
Barbara Eschen, Direktorin des Diakonischen Werkes Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.Foto: Britta Pedersen/dpa

Welche Rolle spielen die Schnelltests?
Darauf setzen wir jetzt eine gewisse Hoffnung. Wenn man die Schnelltests relativ häufig einsetzt, bei den Mitarbeitern, bei den Besuchern und den Gästen, weiß man am Ende schneller, ob jemand infiziert sein könnte. Für ein endgültiges Ergebnis bräuchte es natürlich einen PCR-Test – aber wenn der Schnelltest positiv ist, kann man die Leute zumindest rechtzeitig isolieren und Besucher vorläufig nicht in die Einrichtung lassen.
Haben Sie denn schon genug Schnelltests?
In Brandenburg werden die Heime im Unterschied zu anderen Ländern nicht zentral durch das Land mit den Tests versorgt. Sie sind aber dabei, sich die Tests zu beschaffen. Viele Einrichtungen haben sie schon und setzen sie auch sehr offensiv ein. Aber Schnelltests machen auch Probleme: Sie können zum Beispiel nur von geschultem Pflegefachpersonal durchgeführt werden. Ich muss also extra Personal abstellen, wenn ich Schnelltests machen will.
Welche Rolle spielen Schnelltests in der Weihnachtszeit, wenn die Menschen Besuch empfangen?
Da werden die Schnelltests eine große Rolle spielen. Aber, wie gesagt: Ein Test stellt Aufwand dar. Wir werden auch weiter rationieren müssen, wie viele Menschen die Häuser besuchen können. Auch ein Schnelltest dauert 20 Minuten, da können Sie sich ausrechnen, wie viele Räume und Fachkräfte man braucht, um alle Besucher getrennt voneinander zu testen. In den Heimen möchten wir, dass Weihnachten stattfindet. Aber es ist wichtig, dass sich auch die Angehörigen dessen bewusst sind, dass sie sich in diesem Jahr Weihnachten einteilen sollten. Nicht überall werden immer Besuche möglich sein, auch wenn Heime schon extra Ehrenamtliche zur Besuchsregelung engagieren. Die Familien sollten sich gut überlegen, wann es sinnvoll ist, zu Oma und Opa ins Heim zu fahren. Wir appellieren an alle, unabhängig von dem jeweiligen Besuchskonzept der Häuser: Es können nicht alle an Heiligabend oder dem ersten Feiertag zeitgleich kommen!
Gibt es genügend Schutzausrüstung? Im Frühjahr war das ja ein großes Problem.
Grundsätzlich beschaffen das die Einrichtungen selbst. Aber nach allem was ich höre, sieht es da in der Altenpflege ganz gut aus. Probleme gibt es eher in Einrichtungen, die nicht so im Fokus der Öffentlichkeit stehen. Nehmen Sie etwa Kinder- und Jugendheime: Auch dort leben viele Menschen auf engem Raum zusammen, auch dort besteht natürlich Ansteckungsgefahr. Aber wer für solche Heime die Kosten für Schnelltests übernimmt, ist derzeit noch nicht geregelt und vor allem nicht, wer sie durchführen soll. In diesen Einrichtungen ist ja kein medizinisches Fachpersonal tätig.

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