• PASSIONSPredigt: Gefahren der Leidenschaft Bischof Markus Dröge eröffnete neue Reihe

PASSIONSPredigt : Gefahren der Leidenschaft Bischof Markus Dröge eröffnete neue Reihe

Die Reihe der Potsdamer Passionspredigten wurde nach einem Jahr Auszeit am vergangenen Sonntag in der St. Nikolaikirche wiederbelebt. Die hohen Besucherzahlen der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass dieses Angebot des Stadtkirchenpfarramtes den Bedürfnissen der Menschen in der Passions- bzw. Fastenzeit entgegenkommt. Zum Auftakt hätte man sich aber mehr als 150 Besucher gewünscht, zumal der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Markus Dröge, auf der Kanzel stand.

Dem Gesamtthema der Predigtreihe, „Leidenschaft“, war Bischof Dröges Ansprache ganz und gar orientiert. So meinte er: „Wer seinen Leidenschaften folgt, gerät in die Gefahr, die Kontrolle zu verlieren. Denn Leidenschaft lässt sich nicht einfangen, nicht rationalisieren und nicht bändigen. Wer vor Leidenschaft brennt, der muss aufpassen, dass er nicht verbrennt, sich selbst und andere.“ Bischof Dröge betonte, dass Religion eine Leidenschaft sei, die aber auch in die Irre gehen könne. Viele Menschen würden sie als gefährlich und gewalttätig ansehen. Man wolle sie in ihre Schranken weisen, ins Private abdrängen. „Sie macht säkularisierten Menschen, die nicht mehr gelernt haben, mit Religion umzugehen, Angst. Religion hat etwas Undurchschaubares.“ Und doch, so der Bischof, sei sie eine große Kraft. Sie bewege Menschen, Ungeheuerliches zu leisten: Taten der Selbstlosigkeit und Nächstenliebe. „Wir brauchen diese Vitalität, die über sich selbst hinausweist.“ Abschließend verwies Dröge auf eine leidenschaftliche Gesellschaft, die „sich nicht abfindet mit Ungerechtigkeit und Unfrieden, sondern leidenschaftlich das Miteinander sucht“. Aber auch diese Leidenschaft sei gefährlich, warnte Markus Dröge. Denn wer sich für Nächstenliebe, für den Glauben, für Gerechtigkeit und Wahrheit engagiere, der wisse nicht, wo das endet.

Der Auftakt der Passionspredigten in der St. Nikolaikirche, verantwortet von Stadtkirchenpfarrer Simon Kunze, gestaltete sich zu einer schlichten und stillen Stunde, in der das Wort dominierte. Dazwischen schickten Saxofonist Georg Raphael und Nikolaikantor Björn O. Wiede nachdenklich-meditative Klänge in den weiten Kirchenraum. Nur das von Wiede komponierte Lied „Ich steh vor dir mit leeren Händen“ wollte sich inhaltlich nicht ganz erschließen.

Fünf Passionspredigten werden an den kommenden Sonntagen noch folgen. Nicht nur Theologen mit Respekt einflößenden Amtsbezeichnungen wie Generalsuperintendentin, Pröpstin und Prälat sollen dann auf der Kanzel der Kirche am Alten Markt stehen, sondern auch Laienprediger wie Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) am 24. Februar, 18 Uhr, sowie am 3. März Ulrike Poppe, Brandenburgs Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur.

Klaus Büstrin