• Parkplätze für Stühle und Tische: Gastronomen in Potsdam warten auf versprochene "Parklets"

Parkplätze für Stühle und Tische : Gastronomen in Potsdam warten auf versprochene "Parklets"

Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert hat den Gastronomen versprochen, Parkplätze als provisorische Außenflächen nutzen zu dürfen. Doch bisher warten sie vergeblich.

Julia von La Chevallerie vor ihrem Café Miss Green Bean in der Brandenburger Straße.
Julia von La Chevallerie vor ihrem Café Miss Green Bean in der Brandenburger Straße.Foto: Sebastian Gabsch

Potsdam - Julia von La Chevallerie ist sauer. Die Besitzerin des Cafés “Miss Green Bean” in der Brandenburger Straße hatte in der Coronakrise auf Unterstützung von der Stadt gehofft – vergebens. Sie braucht dringend Platz für ihre Gäste. Mitte Mai hatte Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) bei einem Treffen mit Vertretern der Potsdamer Wirtschaft versprochen, den Gastronomen der Landeshauptstadt “unbürokratisch” Pkw-Stellplätze vor ihrer Tür zur Verfügung zu stellen. Als zusätzliche Fläche für Tische und Stühle. Doch gekommen ist nur eine Absage. 

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Aufgrund der geltenden Abstandsregeln können Cafés und Restaurants seit der Wiedereröffnung nur einen Bruchteil ihrer üblichen Plätze nutzen. Wenn sie ihren Betrieb sicher und regelkonform führen wollen, müssen die Unternehmer buchstäblich jeden Quadratzentimeter optimal nutzen. Gerade Außenflächen sind bei den warmen Temperaturen sehr gefragt und bringen Umsätze. 

Zusätzliche Tische und Stühle statt Pkw

Mike Schubert schien das zu verstehen, als er am 11. Mai zu einem Spitzengespräch mit dem Gastronomieverband DEHOGA Brandenburg, dem Handelsverband Berlin Brandenburg, der IHK Potsdam und der Handwerkammer Potsdam sowie der Pro Potsdam GmbH und der städtischen Wirtschaftsförderung zusammenkam. Schubert habe sich über die Situation der Gastronomiebetriebe informiert und weitere Schritte zum gemeinsamen Vorgehen besprochen, heißt es in einer Pressemitteilung des Rathauses. 

Demnach sagte der Oberbürgermeister damals, die Stadt wolle “die Nutzung von weiteren Flächen unbürokratisch möglich machen. Dazu gehört auch, dass wir, da wo es sinnvoll und realisierbar ist, etwa in der Innenstadt vorübergehend ein paar Stellplätze für zusätzliche Tische und Stühle und nicht für Pkw nutzen.” Die Gastrounternehmer sollten sich “mit der Landeshauptstadt in Verbindung setzen und das Vorgehen gemeinsam abstimmen“, sagte Schubert. 

In Freiburg gibt es solche Plätze inzwischen. Laut Badischer Zeitung wurden dort kürzlich anderthalb Dutzend Autoparkplätze in sogenannte "Parklets" umgewandelt. Bilder in den sozialen Netzen zeigen, dass Stühle und Tische ordentlich auf der Straße stehen, zum Teil sind sie durch durch zaunartige Umrahmungen vom Straßenverkehr getrennt. 

In Potsdam dauert es ein bisschen länger. Ansprechpartner für die Gastronomen soll laut Rathaus die Wirtschaftsförderung sein. Deren Bereichsleiter Stefan Frerichs sagte den PNN am Freitag, eine Antragstellung sei “ganz formlos” möglich. Die Wirtschaftsförderung wende sich dann “auf dem kleinen Dienstweg” an die Straßenverkehrsbehörde. Eine Entscheidung sei “in ein oder zwei Tagen” zu erwarten. 

"Illusorische Vorschläge"

Genau das hat Julia von La Chevallerie getan. Die Antwort kam tatsächlich prompt und direkt von der Straßenverkehrsbehörde: eine Absage. Die Behörde scheint von einer Sonderregelung gar nichts zu wissen. Im Schreiben heißt es: “Die Aufstellung von gastronomischer Außenbestuhlung auf der Fahrbahn ist nach StVO generell unzulässig.” Ausnahmen seien nicht möglich, denn “sämtliche verkehrsfremden Nutzungen auf Fahrbahnen und Straßen” würden eine “Verkehrsgefährdung für den fließenden Verkehr” beziehungsweise "Gefahren für Gäste, Passanten, Besucher, Fußgänger” bedeuten. Von einer “unbürokratischen” Lösung keine Spur.  

Julia von La Chevallerie vom Café "Miss Green Bean" in der  Brandenburger Straße.
Julia von La Chevallerie vom Café "Miss Green Bean" in der  Brandenburger Straße.Foto: Ottmar Winter (Archiv 2019)

“Die Stadt macht illusorische Vorschläge, die Sie überhaupt nicht einhalten kann”, sagt Julia von La Chevallerie, die ihr Café erst vor neun Monaten eröffnet hat. Während des Weihnachtsmarktes hatte die ehemalige TV-Journalistin nach eigenen Angaben bereits für Wochen mit Umsatzeinbußen zu kämpfen, weil ihr Café von den Schaustellern “einfach zugebaut” wurde.  

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Dann kam auch noch die Coronakrise. Um weiter im Geschäft zu bleiben, hat die Unternehmerin einen Lieferservice auf die Beine gestellt. "Doch wenn ich das Auto für einen Moment draußen abstelle, zum Ein- und Ausladen, bekomme ich sofort einen Strafzettel.” Sie habe vor langer Zeit einen Parkplatz beantragt, aber keinen bekommen. Andere Geschäften in der Brandenburger Straße hätten ebenfalls Probleme mit dem Potsdamer Amtsschimmel. “Wir sind eine Leidensgemeinschaft”, sagt Julia von La Chevallerie und lacht. 

Warten auf Schubert

Auch Ilyas Hussain vom “India Haus” in der Gutenbergstraße hat Parkplätze beantragt und eine Absage erhalten. Er hat sich daraufhin jedoch per E-Mail direkt an den Oberbürgermeister gewandt. Hussain nimmt für sich in Anspruch, vor über 20 Jahren das erste indische Restaurant in Potsdam eröffnet zu haben. Eigentlich habe er pakistanische Wurzeln, sagt er dem PNN-Reporter, aber das ändere natürlich nichts an der Tatsache, dass seine indische Küche ausgezeichnet sei.  

Sein Restaurant sei eine “Bereicherung für die Stadt”, betont Hussain selbstbewusst. Seit zwei Jahren betreibt er es gemeinsam mit seiner Tochter. Wenn er einen oder zwei Parkplätze vor der Tür nutzen könnte, würde er dort Sonnenschirme aufstellen, sagt er. Plätze im Schatten sollten Gäste anziehen, da ist sich Hussain sicher. “Die Coronazeiten sind hart für uns Gastronomen. Jetzt hoffen wir, dass die Stadt uns ein wenig entgegenkommt.” 


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