• Palais Lichtenau an Hohenzollern verkauft

Potsdam : Palais Lichtenau an Hohenzollern verkauft

Prinzessin Viola will Prunkstück des Frühklassizismus bis zum Jahr 2010 denkmalgerecht sanieren

Michael Erbach

„Es war Zufall. Ich bin mit Bekannten durch Potsdam gefahren – und dabei an diesem Grundstück vorbeigekommen. Wir haben das Verkaufsschild gesehen und noch am gleichen Tag war der Makler vor Ort.“ So beschreibt Viola Prinzessin von Hohenzollern das Kennenlernen des Palais Ritz-Lichtenau – das jetzt in ihrem Besitz ist.

Für Potsdams Stadtkonservator Andreas Kalesse ist der Verkauf des Palais an die Hohenzollern-Prinzessin ein „Glücksfall“. Seit 17 Jahren habe es Bemühungen gegeben, das Filet-Grundstück in der Behlertstraße 31 zu verkaufen, endlich habe es geklappt. Mehr aber noch ist Kalesse über die Umstände des Verkaufs erfreut. Dass Viola Prinzessin von Hohenzollern schon beim ersten Gespräch deutlich gemacht habe, dass die Sanierung des Gebäudes im Vordergrund stehe und die Grünanlagen erhalten werden sollen, sei für ihn „sehr bemerkenswert“ gewesen. „Normalerweise lautet die erste Frage von Erwerbern solcher Grundstücke, wie diese am besten bebaut werden könnten“.

Dazu komme aber noch, dass es sich bei dem Palais Ritz-Lichtenau um eines der „bedeutendsten Bauwerke der Stadt handelt“, so Kalesse. Neben dem Marmorpalais – wichtigstes Zeugnis des Frühklassizismus – sei das Palais das zweite wichtig e Gebäude aus dieser Zeit in Potsdam. Und dieses herausragende Bauwerk bleibe der Stadt nunmehr in voller Schönheit erhalten, freute sich der Stadtkonservator.

Erbaut wurde das Palais Ritz-Lichtenau 1796/97 von Philipp Daniel Bouman für den Kämmerer Johann Friedrich Ritz und dessen Gemahlin, die Trompeterstochter Wilhelmine Enke. Sie war später Geliebte von Friedrich Wilhelm II., wurde zur Gräfin Lichtenau geadelt. Nach dem Tod Friedrich Wilhelm II. hatte das Gebäude wechselnde Besitzer. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Palais zunächst von der Sowjetarmee genutzt, dann zog die Verwaltung des VEB Spezialbau Potsdam ein. Nach der Wende wurde das Palais zum Teil werblich genutzt, es fanden auch Kulturveranstaltungen statt. So wurde in den Räumen des Palais unter anderem vom Hans Otto Theater Fontanes „Frau Jenny Treibel“ mit Katharina Thalbach in der Hauptrolle inszeniert.

Wie Viola Prinzessin von Hohenzollern den PNN sagte, sei sie von Anfang an von dem Palais begeistert gewesen. Die „Schlichtheit von außen“, mehr aber noch die architektonische und gestalterische Vielfalt im Innern mit dem Festsaal, dem Rosenholzraum, dem ovalen Kabinett und dem Eingangsbereich mit dem Grottenraum hätten es ihr sofort angetan. Die 53-Jährige – sie ist geschäftsführende Gesellschafterin der Theis Kaltwalzwerke GmbH mit Sitz in Hagen – betonte, sie werde künftig „öfter in Potsdam sein“. Bis 2010 soll das Palais Ritz-Lichtenau denkmalgerecht saniert sein. Sie bezeichnete als eines ihrer Hobbys, historische Gebäude zu sanieren. Die Prinzessin ist im Besitz weiterer historischer Gebäude, unter anderem von Schlössern in Schottland und den Niederlanden. 2006 war sie durch Heirat in den Hohenzollern-Familie aufgenommen worden.

Nach der Sanierung sei es „nicht ausgeschlossen“, die Räume teilweise auch einer öffentlichen Nutzung zur Verfügung zu stellen. Das Palais Lichtenau mit einer Wohnfläche von über 1000 Quadratmetern solle aber vornehmlich als repräsentatives Gäste- und Schulungszentrum für das Unternehmen dienen. Zum Palais gegenüber der Gotischen Bibliothek gehören auch ein Kutscher- und ein Gartenhaus. Michael Erbach