• Otaku Allianz in Potsdam : Manga-Fans treffen sich im Freiland

Otaku Allianz in Potsdam : Manga-Fans treffen sich im Freiland

Wie sich die Otaku-Allianz zu einer beliebten Anlaufstelle für Manga-Fans aus Potsdam und dem Umland entwickelt hat.

Manga- und Anime-Fans stecken besonders viel Zeit in ihre Leidenschaft. Bisweilen verkleiden sie sich auch als Manga-Figuren wie bei dieser Anime-Convention.
Manga- und Anime-Fans stecken besonders viel Zeit in ihre Leidenschaft. Bisweilen verkleiden sie sich auch als Manga-Figuren wie...Foto: privat

Potsdam - Es ist nicht immer einfach: Man hat spezielle Hobbys, wenige Menschen, die diese Interessen teilen, und die anderen in der Klasse finden es komisch, was man tut. So geht es auch vielen „Otakus“ – dies ist die japanische Bezeichnung für einen Manga- und Anime-Nerd, der besonders viel Zeit in seine Leidenschaft steckt. In Potsdam hat sich die „Otaku Allianz Potsdam“ (OAP) zusammengeschlossen und erfreut sich wachsender Beliebtheit. Aus dem kleinen Manga-Treff, der 2012 von Schülerinnen und Schülern der Voltaire-Schule Potsdam gegründet wurde, hat sich mittlerweile ein semiprofessioneller Jugendclub entwickelt, der allen Otakus aus Potsdam und Brandenburg einen Ort zum Austausch bietet.

„Ich bin mit Animes und Mangas groß geworden und es hat mich seitdem nicht mehr losgelassen“, sagt der 21-jährige Paul-Jonas Linke, der 2015 zur OAP kam. Ihn faszinierte die Andersartigkeit der japanischen Comic-Kultur: „Es unterscheidet sich sehr von amerikanischen Comics, da auch eine Gruppe Mädchen Helden sein können.“ Eine Faszination, die nicht von allen geteilt wird: „In der Schule hatte ich es lange Zeit sehr schwer, Anschluss zu finden – viele haben nicht verstanden, warum ich mich so für Mangas begeistere“, erzählt die 19-jährige Malin Schlesselmann, die seit 2015 Mitglied bei der OAP ist. „Die Otaku Allianz war für mich eine gute Anlaufstelle und hat mir viel Selbstvertrauen gegeben.“ So wie Malin Schlesselmann geht es vielen bei der OAP: Viele sind in ihrer Altersgruppe Außenseiter, es gibt auch viele queere Mitglieder. „Die Otaku Allianz bietet einen geschützten Raum, wo jeder er selbst sein kann“, sagt der 22-jährige Paul-Marius Ender, der seit zwei Jahren dabei ist.

Der Bedarf für solche Räume ist da: Schon ein halbes Jahr nach Gründung der OAP – damals noch „Otaku Allianz Voltaire“ – hatte die Gruppe 30 Mitglieder. Zum jetzigen Zeitpunkt zählt man etwa 70 Mitglieder. Um über die Schule hinaus zu gelangen, verlagerte man die regelmäßigen Treffen kurz darauf in die Stadt- und Landesbibliothek, deren Mitarbeiter die Jugendlichen bei ihrem Vorhaben unterstützen. Dabei blieb es nicht: Immer wieder fuhren die Potsdamer Otakus gemeinsam zu Manga-Conventions und stellten bei kleineren Veranstaltungen sogar selbst aus. 2015 gründete sich eine Showgruppe innerhalb der OAP, die sich auf das sogenannte Cosplay konzentriert, also das Verkleiden als Manga-Figuren. Auch das Zeichnen spielt eine große Rolle: Viele OAP-Mitglieder versuchen sich in ihrer Freizeit selbst an Mangas.

Gewachsen und professioneller geworden

2017 zeigte sich langsam, aber sicher, dass die Räume der Stadt- und Landesbibliothek auf Dauer nicht mehr für die OAP ausreichten: „Wir haben ein Jahr debattiert, ob wir jetzt auf diesem Level bleiben oder ob wir weiter wachsen wollen“, sagt der 22-jährige Maximilian-Georg Martin. Am Ende war man sich einig: Die OAP soll wachsen, professioneller werden und neue Räume suchen, um mehr Menschen ansprechen zu können und mehr Veranstaltungen zu organisieren. Seit Januar trifft sich die OAP nun immer freitags zwischen 16 und 19 Uhr im alternativen Jugendkulturzentrum freiLand in einem der dortigen Seminarräume, zudem wurde im Mai vergangenen Jahres der Verein „Otaku Allianz Brandenburg e. V.“ gegründet, denn man will Interessierte über die Grenzen Potsdams erreichen.

Das passiert bereits: Es kommen Mitglieder aus dem Umland und auch aus Berlin nach Potsdam, rund 30 Personen zwischen zwölf und 25 Jahren finden sich zu den Freitagstreffen ein. Bei den Treffen wird keineswegs nur über Mangas geredet, sagt Paul-Marius Ender: „Das ist das zentrale Interesse, das uns zusammenführt, aber wir sind alle sehr unterschiedlich und kommen aus verschiedenen Lebensbereichen.“ So tauscht man sich generell über das aus, was einen gerade beschäftigt oder was man in der letzten Zeit erlebt hat. Außerhalb der OAP geht das oft nicht so leicht.

Jugendclub mit Potenzial

Längst versteht sich die OAP selbstbewusst als Jugendclub, und zwar einer mit Potenzial: „Ich glaube, dass es in Zukunft mehr Jugendclubs mit Interessen-Spezialisierungen geben muss“, sagt Martin und verweist darauf, dass viele Jugendfreizeiteinrichtungen wenig Zulauf hätten. Dabei stößt die OAP mit ihrer speziellen Zielgruppe und ihren nerdigen Themen hingegen auf Bedarf – eben gerade bei denen, die sonst schwieriger Anschluss finden: „Wir haben schon oft Außenseiter bei uns aufgenommen, auch einige mit sozialen Problemen“, sagt Malin Schlesselmann. Auch aus diesem Grund wolle man sich stärker professionalisieren: Drei der OAP-Mitglieder haben pädagogische Kurse besucht und haben nun eine Jugendleitercard, also einen amtlichen Ausweis, der für ehrenamtliche Mitarbeiter in der Jugendarbeit ausgestellt wird.

Das OAP-Konzept scheint aufzugehen, denn auch anderswo findet man die Arbeit der Otakus gut: „Die Stadtbibliothek in Brandenburg an der Havel hat uns schon mal angefragt“, sagt Xandra Kähling von der OAP. „Die wünschen sich auch so einen Jugendclub.“