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OSZ I ist gerettet : Potsdamer Schulstreit beendet

Eine Zerschlagung des Oberstufenzentrums I ist endgültig vom Tisch. Die Stadtverordneten billigten den Umzug der Schloss-Schule nach Krampnitz. Kritik und Lob gab es für Bildungsdezernentin Aubel.

Das Oberstufenzentrum I in der ehemaligen Ulankaserne Potsdam.
Das Oberstufenzentrum I in der ehemaligen Ulankaserne Potsdam.Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Der kurzfristig ausgehandelte Kompromiss zur Rettung des Oberstufenzentrums (OSZ) I an der Jägerallee ist beschlossene Sache. Am Mittwoch billigten die Stadtverordneten mit großer Mehrheit einen Dringlichkeitsantrag aus dem Rathaus, dass die bestehende Gesamtschule „Am Schloss“ nun doch ab 2027 einen Neubau im geplanten Stadtviertel Krampnitz erhält.

Damit zieht diese Schule nicht in das OSZ – dort wird stattdessen nächstes Jahr das neue und kleinere Gymnasium für den Potsdamer Norden vorgegründet, dass dann ab 2027 einen Neubau an der Pappelallee erhält. Damit kann das OSZ weitgehend erhalten werden – nur die Ausbildungsgänge für den Handel müssen noch an das OSZ II verlagert werden. Zuvor war eine vielfach kritisierte Zersplitterung geplant. Allerdings hatte sich die Schule „Am Schloss“ am Dienstag in letzter Minute überzeugen lassen, nun doch nach Krampnitz zu ziehen – nach einem Vorschlag von Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD). 

Schule wird in Digitalisierungsmodellprojekt „Smart City“ aufgenommen

Versilbert wird der Krampnitz-Umzug mit der Aussicht auf einen „Holzhybridbau mit –turnhalle“ sowie der Aufnahme der Schule in das geförderte Digitalisierungsmodellprojekt „Smart City“. An ihrem jetzigen Übergangsstandort an der Esplanade soll die Schule ferner weitere Unterrichtscontainer sowie eine temporäre Sporthalle erhalten. In den vergangenen Monaten hatte die Schule die Option Krampnitz abgelehnt – jedoch hatte sich laut Bildungsdezernat zuletzt auch die Variante OSZ als zu klein erwiesen.

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Zugleich sichert das Rathaus mit dem Beschluss zu, zur Absicherung zukünftiger Bedarfe solle in der Innenstadt und in Golm oder Eiche für weitere Gesamtschulkapazitäten Vorsorge getroffen werden. Ferner soll das Rathaus nun für alle drei Berufsschulen der Stadt bis Ende 2023 ein Konzept vorlegen, „dass ein langfristiger Bestand der Standorte und eine wirtschaftlich tragfähige Auslastung“ erzielt wird. Hier hatte man lange mit sinkenden Schülerzahlen zu kämpfen.

Rathauskooperation kritisiert Bildungsdezernentin 

Vor dem Beschluss gab es viele Wortmeldungen. Kritik musste dabei auch Bildungsdezernentin Noosha Aubel (parteilos) einstecken – die nie einen Hehl daraus gemacht hatte, dass sie die von ihr erdachte Krampnitz-Lösung favorisiert und diese nun bekommen hat. In ihre Richtung teilte die rot-grün-rote Rathauskooperation, die sich lange für die OSZ-Zerschlagung stark gemacht hatte, in einer Erklärung folgenden Satz mit: Man erwarte von der Beigeordneten „im Umsetzungsprozess der Beschlüsse eine deutliche qualitative Verbesserung der Information, Kommunikation und Mitnahme gegenüber der Politik, vor allem aber gegenüber den betroffenen Schulen, Eltern und weiteren Akteuren zu gewährleisten.“

Bildungsdezernentin Noosha Aubel.
Bildungsdezernentin Noosha Aubel.Foto: Ottmar Winter

Dagegen erklärte etwa die Fraktion Die Andere, man habe sich stets gut informiert gefühlt. Auch der CDU-Stadtverordnete Clemens Viehrig dankte Aubel, stets auch Lösungen präsentiert zu haben – „obwohl sie nicht hinter jeder Idee stand“. Die Entscheidung nun hätte man auch schon im Juni haben können, so Viehrig. Mit der unsäglichen Debatte sei insbesondere die Berufsschullandschaft in Potsdam verunsichert worden, bemängelte der CDU-Mann.

Aubel äußerte sich nicht

Dagegen sagte Rathauschef Schubert, im Juni habe es keinen tragfähigen Kompromiss gegeben. Dafür hätten Eltern und Schüler in der Schule „Am Schloss“ auch „mitgenommen werden müssen“ – dies sei ein Teil des Problems gewesen, sagte er mit Blick auf Aubel. Bezogen auf seinen Rettungsvorschlag jetzt sprach Schubert von einer „kreativen Dynamik“, die nun ausgelöst worden sei. Selbstkritischer sprach hingegen der SPD-Bildungsexperte Daniel Keller „von einem unglücklichen Prozess“ auf vielen Seiten, auch die Stadtpolitik nahm er da nicht aus. Aubel selbst sagte nichts.

In der monatelangen Debatte hatte sich selbst Ex-Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) eingeschaltet und die Sozialdemokraten zum Umdenken aufgerufen. Sein Nachfolger Schubert sagte in der Sitzung, erst durch die frühere Politik sei die nun problematische Knappheit an Flächen für Schulen entstanden. Damals seien Schulen geplant worden, ohne dass man dafür Flächen hatte.

Lob für den Beschluss kam von der Handwerkskammer. Deren Chef Ralph Bührig sagte: „Eine Zerschlagung wäre ein fatales Signal für die Wertschätzung gegenüber der beruflichen Bildung und ein Rückschlag bei der so notwendigen Fachkräftesicherung gewesen.“ Auch die Industrie- und Handelskammer teilte mit, man sei „erleichtert, dass dieses unrühmliche Thema vom Tisch ist“. 

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