• Ortstermin in Golm: Martin Schulz in Potsdam

Ortstermin in Golm : Martin Schulz in Potsdam

PNN-Reporterin Valerie Barsig hörte SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz während seines Besuchs bei Wissenschaftlern in Golm zu.

Potsdam - Bei der Prinzessin von Thailand seien nicht so viele Journalisten vor Ort gewesen, moniert eine Mitarbeiterin des Max-Planck-Instituts für Kolloid- und Grenzflächenforschung. An diesem Tag sind es Dutzende im Wissenschaftspark Golm – Fotografen, Kameras und Journalisten. Denn: Der Martin kommt. Kanzlerkandidat Martin Schulz (SPD) ist auf Wahlkampftour und besuchte am gestrigen Mittwoch auch Potsdam. Ein bisschen nordrhein-westfälischer Flair in der Stadt, ein bisschen rheinischer Singsang und nicht zu vergessen: der bestimmte Artikel vor dem Namen – das alles bringt er mit. Die Sonne brennt vom blauen Himmel, in der Hecke rauschen die Rasensprenger, die Kameras sind aufgestellt, nur der Martin, der taucht nicht auf.

Steht im Stau – oder an einer der gesperrten Potsdamer Straßen. Zeit für die Kameraleute, das große Warten einfach in den Schatten zu verlegen – der Martin wird schon dahin mit seinem Wagen gefahren, wo die Kameras sind. Und so kommt es dann fünfzehn Minuten vor zehn auch. Schulz steigt aus dem Wagen, die Kameras klicken. Er begrüßt die Potsdamer Spitzenkandidatin Manja Schüle (SPD), SPD-Landtagsabgeordnete Klara Geywitz, Institutsleiter Markus Antonietti und Uni-Präsident Oliver Günther. Hoch hinaus geht es aufs Dach des Institutes, im Schlepptau zieht sich die Journalistenschlange die Treppe hinauf. „Hier habt ihr Platz“, sagt Schulz und blickt über die Dächer des Wissenschaftsparks. Ein paar Erklärungen, dann wird der Tross in einen Vortragsraum gescheucht. Bevor das Wort an Antonietti übergeben wird, schnell noch ein Blitzlichtgewitter für Schulz neben Schüle – die lächelt und wirft kokett die Haare nach hinten, ein paar leise Worte werden gewechselt. Viel wird man von Schüle an diesem Tag nicht mehr hören. Schulz betont aber ihr Engagement und ihre Argumentationssicherheit.

Für den Fortbestand der EU ist Golm laut Schulz entscheidend

Dann kommt Antoniettis Auftritt: Er beginnt auch bei Martin. Allerdings Martin Luther. Der sei das Sinnbild eines zornigen Experten gewesen, sagt Antonietti und schielt auf Schulz. Er fordert eine Art neue Reformation der Wissenschaft, denn globale Probleme könnten durch sie gelöst werden. Er gibt Beispiele, zieht aus seinem Jackett eine kleine Platte „Remix Wood“, die aussieht wie Holz, aber aus Abfall hergestellt ist – „achtmal so fest wie ein Ikea-Brett! Bitte geben Sie es mal durch, riechen Sie daran, haben Sie Freude!“ Schulz hört zu mit seiner typischen Geste: den Kopf auf den Daumen gestützt, den Zeigefinger über der Oberlippe.

Am Ende des Vortrages klatscht er nicht, er haut auf den Tisch. Als er dran ist, spricht er von seinem Lieblingsthema: der EU. Will sie bestehen, müsse sie auch 500 Jahre nach Luther ihre Werte und Machtposition stärken – auch in der Wissenschaft. Golm sei dabei entscheidend. Wissenschaft müsse finanziell so ausgestattet werden, dass sie nachhaltig weiterentwickelt werden könne. Schulz spricht über den Diesel-Skandal – die Unternehmen müssten zahlen –, darüber, den Mittelstand zu fördern und über Unterstützung für Alleinerziehende und pflegende Angehörige. Schulz rattert sein Wahlprogramm in Kurzform hinunter, er macht seinen Job – routiniert. Und schaut in einem der Labors noch einmal brav durch das ihm präsentierte Nanometer – begleitet vom Blitzlichtgewitter. „Und was sieht man da drin?“, fragt einer der Journalisten. „Nanometer“, lautet Schulz’ trockene Antwort.

Keine Investitionen in Rüstung? Ein vermeidbares Fettnäpfchen

Hinterher twittert er, dass Forschung am Max-Planck-Institut und der Uni in Potsdam über die Zukunft entscheide. „Wir wollen hier investieren – nicht in Aufrüstung!“ 2013 erschienen auch in dieser Zeitung Berichte darüber, dass Universitäten in Deutschland von der US-amerikanischen Rüstungsindustrie Geld für Forschung erhielten – davon profitierte auch der Potsdamer Professor Ralf Metzler vom Institut für Physik und Astronomie. Für den Workshop über Bewegungen von Molekülen erhielt er 10 000 Dollar. Reine Grundlagenforschung – hieß es damals. Heute lässt sich sagen: Schulz hätte sich besser mit diesem Aspekt der Forschung beschäftigen sollen.