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Orkantief "Sabine" : Kaum Schäden in Potsdam - Polizei spricht von ruhiger Nacht

"Sabine" ist in der Nacht über Potsdam und Potsdam-Mittelmark gefegt. Massive Schäden blieben aus, in Kleinmachnow brannte eine Garage. Im Bahnverkehr ist weiter mit Verzögerungen und Ausfällen zu rechnen.

Christian Müller dpa
Ungemütlich. Mit einem Schirm versuchte eine Frau in Potsdam, sich vor dem Wind und dem Regen zu schützen.
Ungemütlich. Mit einem Schirm versuchte eine Frau in Potsdam, sich vor dem Wind und dem Regen zu schützen.Foto: ZB

Potsdam - Orkantief "Sabine" ist in der Nacht auch über Potsdam und Potsdam-Mittelmark gefegt. Brandenburgs Landeshauptstadt und Umgebung kamen aber glimpflich davon. Einige Bäume stürzten um, Bauzäune wurden umgeweht - das große Chaos und massive Schäden blieben aus. Berichte über Verletzte gab es am Montagmorgen nicht. Das Lagezentrum der Polizei Brandenburg sprach von einer ruhigen Nacht.

Der öffentliche Nahverkehr in Potsdam lief trotz des Sturms planmäßig an. "Straßenbahnen, Busse und auch die Fähre F1 fahren", teilten die Potsdamer Stadtwerke via Twitter mit. Auch der S-Bahnverkehr lief. "Zum Unwetter liegen bislang keine Störungsmeldungen vor", so die S-Bahn Berlin um 5.20 Uhr. Im Regional- und Fernverkehr kam es jedoch zu Verspätungen und Zugausfällen.

Auch am Mittag wehte in Potsdam ein kräftiger Wind - wie das flatternde Banner an der Wilhelmgalerie zeigt.
Auch am Mittag wehte in Potsdam ein kräftiger Wind - wie das flatternde Banner an der Wilhelmgalerie zeigt.Foto: Kay Grimmer

Im Laufe des Vormittags frischte es immer wieder auf. "Sabine" ist zwar abgezogen, der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt aber weiterhin vor Sturmböen in Potsdam und Potsdam-Mittelmark. Es ist mit Geschwindigkeiten zwischen 65 und 85 Kilometern pro Stunde zu rechnen, in exponierten Lagen sind bis zu 100 Stundenkilometer möglich. Die Warnung gilt bis Dienstag um 18 Uhr. Am Montagmittag herrschte im Kreis Potsdam-Mittelmark zudem Gewittergefahr. 

Am Montagmorgen herrschte auf den Straßen Potsdams zum Teil wenig Verkehr.
Am Montagmorgen herrschte auf den Straßen Potsdams zum Teil wenig Verkehr.Foto: Sabine Schicketanz

"Sabine" hatte am späten Sonntagabend Potsdam und Potsdam-Mittelmark erreicht. Es waren starke Windböen zu verzeichnen, auch setzte immer wieder Regen ein. Der DWD hatte sogar vor orkanartigen Böen gewarnt. Der Höhepunkt des Sturms war offenbar zwischen 2 und 4 Uhr nachts. Am Montagmorgen gab es ein kurzes Gewitter. Schäden wurden währenddessen zunächst nicht gemeldet. "Außer, dass es blitzt und donnert, ist alles in Ordnung", sagte ein Sprecher der Polizei Potsdam den PNN. 

Äste lagen auf Autodächern

Die Feuerwehr war im Potsdamer Stadtgebiet siebenmal wetterbedingt im Einsatz. In vier Fällen hatten in Potsdam Bäume oder Äste auf den Straßen gelegen, zum Beispiel am Hubertusdamm im Wohngebiet Am Stern, wo die Äste zum Teil auf einem Autodach lagen. 

Einsatzkräfte der Feuerwehr beseitigen einen umgestürzten Baum am Hubertusdamm im Wohngebiet am Stern. 
Einsatzkräfte der Feuerwehr beseitigen einen umgestürzten Baum am Hubertusdamm im Wohngebiet am Stern. Foto: Feuerwehr Potsdam

Am gravierendsten sei ein Einsatz in der Feuerbachstraße in der Brandenburger Vorstadt gewesen, der sich bereits am Sonntagabend ereignete. Dort musste ein etwa 25 Meter langes loses Blech von einem Hausdach abgetrennt werden. Am Montagmorgen gegen 6 Uhr waren die Einsatzkräfte dabei, einen Ast zwischen Fahrland und Potsdam-Stadt zu entfernen, der dort auf der Straße gelandet war. 

Verletzt wurde in Potsdam bislang niemand, wie der Schichtführer den PNN am frühen Montagmorgen sagte. Er riet allen aber dennoch zu erhöhter Vorsicht auf dem Weg zu Arbeit und Schule. Viele Schäden seien womöglich auch noch nicht bekannt.  

Blitz setzt Garage in Brand

In den Landkreisen Potsdam-Mittelmark, Teltow-Fläming sowie der Stadt Brandenburg an der Havel gab es in der Nacht insgesamt rund 40 Sturmeinsätze - vor allem wegen umgeknickter Bäume und Telefonmasten. In Stahnsdorf hielten in der Nacht umgekippte Bäume, die Straßen versperrten, und ein abgedecktes Dach die Feuerwehrleute in Atem. Am Morgen setzte ein Blitzeinschlag eine Garage in Kleinmachnow in Brand, wie die Polizei mitteilte. Das Feuer wurde gelöscht. Es kam niemand zu Schaden. Zwei Autos wurden durch Ruß leicht in Mitleidenschaft gezogen.

In Stahnsdorf mussten Feuerwehrleute umgekippte Bäume von den Straßen räumen.
In Stahnsdorf mussten Feuerwehrleute umgekippte Bäume von den Straßen räumen.Foto: Feuerwehr Stahnsdorf

Hier eine Übersicht über die aktuelle Lage in Potsdam und der Region: 

Gefahrenlage: Feuerwehr in Alarmbereitschaft

Die Feuerwehr in Potsdam war schon seit Sonntagabend in hoher Alarmbereitschaft. Das Personal der Leitstelle sei deutlich aufgestockt worden, es seien alle Führungskräfte in Rufbereitschaft versetzt worden, damit stabsmäßig gearbeitet werden könne, sagte Feuerwehrchef Ralf Krawinkel am Abend bei "Brandenburg aktuell" im rbb. Die Einsatzkräfte rechneten mit umgestürzten Bäumen und Gerüsten und abgedeckten Dächern. Viele Bäume seien besonders gefährdet, weil sie durch die lange Trockenheit in den vergangenen Sommern geschädigt seien. 

Parks wieder geöffnet

Dies gilt in Potsdam in besonderem Maße für die Schlossparks der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG). Im Park Babelsberg, im Schlosspark Caputh und im Schlosspark Paretz richtete der Sturm geringe Schäden an. Die Anlagen waren zunächst geschlossen, am späten Vormittag wurden sie für Besucher wieder freigegeben. 

Der Park Sanssouci und der Neue Garten hatten ebenfalls geöffnet, wie Stiftungssprecher Frank Kallensee den PNN mitteilte. Im Park Sanssouci hielten lediglich zwei Bäume dem Sturm nicht stand. Im Neuen Garten kippte eine Linde um. Die Bereiche wurden abgesperrt.

Der Park Babelsberg war zunächst geschlossen. Mittlerweile wurde die Anlage wieder geöffnet.
Der Park Babelsberg war zunächst geschlossen. Mittlerweile wurde die Anlage wieder geöffnet.Foto: Marion Kaufmann

Schule: Eltern können Kinder bei Gefahr zuhause lassen

Schülerinnen und Schüler in Potsdam und in ganz Brandenburg durften am Montag zuhause bleiben, wenn ihre Eltern Gefahren für die Kinder durch den Sturm auf dem Schulweg sahen und sie rechtzeitig vor Schulbeginn in den Schulen entschuldigten. Dann galt das Fehlen als entschuldigt. Diese Regelung traf am Wochenende das brandenburgische Bildungsministerium.

Einzelne Schulen in Potsdam versendeten dazu Informationen über Eltern-Mailverteiler. Potsdams Bildungsbeigeordnete Noosha Aubel (parteilos) teilte auf dem Kurznachrichtendienst Twitter mit, dass die Schulen in Potsdam am Montag geöffnet seien. 

Die AWO Grundschule "Marie Juchacz" blieb am Montag aber geschlossen. Das teilte der AWO Bezirksverband Potsdam mit. Die Kindertagesstätten der AWO hatten zwar geöffnet. Die Kinder blieben heute aber drinnen.

Verkehr: Einschränkungen auch am Montagmorgen

Der Potsdamer Verkehrsbetrieb (ViP) teilte am Sonntag mit, er stehe im ständigen Austausch mit dem Deutschen Wetterdienst und schätze „aktuell und situativ“ die Situation für den Betrieb ein. „Die größte Gefahr wird von umfallenden Bäumen und herabfallenden Ästen erwartet.“ Gegen 6 Uhr am Montagmorgen war nicht derartiges bekannt.

Wegen der Auswirkungen des Sturmtiefs hatte die Deutsche Bahn den Fernverkehr am Sonntagabend bundesweit komplett eingestellt und am Montag im Laufe des Tages nach und nach wieder aufgenommen.

Für den Regionalzug 6 von Wittenberge über Neuruppin und Henningsdorf bis Berlin-Gesundbrunnen teilte die Bahn am Sonntag mit, den Zugbetrieb am Montagfrüh nicht aufzunehmen. Das galt auch für die Regio-Bahnen der Linien 55 (Kremmen-Henningsdorf) und 23 (Potsdam-Michendorf). Diese beiden Verbindungen fuhren am Mittag wieder.

Der Zugverkehr zwischen Berlin und Magdeburg wurde unterbrochen, weil ein Baum bei Wusterwitz (Landkreis Potsdam-Mittelmark) in die Oberleitung gestürzt war, wie ein Sprecher der Bahn sagte. Der IC zwischen Berlin und Amsterdam wurde über Stendal umgeleitet, der RE1 zwischen Magdeburg und Frankfurt (Oder) fuhr nur noch zwischen
Wusterwitz und Frankfurt (Oder).

Von Verspätungen und Zugausfällen waren auch Reisende der Ostdeutschen Eisenbahn GmbH (Odeg) betroffen - unter anderem fiel der RB 33 zwischen Michendorf und Berlin-Wannsee aus. Die Odeg fährt in den Ländern Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt.

Stromversorgung: Stadtwerke fahren Kraftwerksblock herunter

Aus Sorge vor zu viel Strom aus Windkraft wegen des Orkantiefs „Sabine“ ist am Heizkraftwerk-Süd in Potsdam ein Kraftwerksblock runtergefahren worden. Aufgrund der Wetterlage ist mit großen Mengen Überschussstrom aus Windkraft zu rechnen, teilten die Stadtwerke Potsdam am Sonntag mit. Man habe sich auf den Sturm vorbereitet. Alle Leitstände seien für den Ernstfall bereit, hieß es.

Sicherheit: Was es zu beachten gilt

Die Potsdamer Feuerwehr hatte dazu geraten, bewegliche Dinge an Wohnung, Balkon und Haus zu sichern. Fenster und Türen sollen geschlossen sein und bleiben. Fahrzeuge sollten sicher geparkt werden. Während des Sturms sollen Menschen sich möglichst nicht draußen aufhalten - und wenn es doch nötig ist, solle man sich von Bäumen und Baugerüsten fernhalten. Im Straßenverkehr rät die Feuerwehr dazu, sich vor fliegenden und am Boden liegenden Teilen in Acht zu nehmen. Diese Vorsichtsmaßnahmen könnten noch einige Zeit aktuell bleiben, da weiterhin Sturmböen drohen.

Stahnsdorf: Erst Blindgänger-Sprengung, dann Sturmtief

Besonderes Augenmerk galt während des Orkans "Sabine" den Stahnsdorfern, die von der Sprengung des Weltkriegsblindgängers in der Nacht zum Samstag betroffen waren. 

Bislang habe man noch nichts über weitere Schäden, die durch den Sturm verursacht wurden, erfahren, hieß es aus dem Stahnsdorfer Rathaus am Montagvormittag auf PNN-Anfrage. Unterdessen bot die Gemeinde Bewohnern, die Schäden auf Ihren Grundstücken durch Sprengung zu verzeichnen hatten, Hilfe im Umgang mit den Versicherungen an. Auf Anfrage werde ein behördliches Schreiben angeboten, mit dem man an die Versicherung herantreten könne. Diese Anfragen sollen an [email protected] oder telefonisch unter 03329 646-212 gestellt werden.

In Stahnsdorf wurden bei der Sprengung eines Weltkriegsblindgängers Dächer beschädigt.
In Stahnsdorf wurden bei der Sprengung eines Weltkriegsblindgängers Dächer beschädigt.Foto: Andreas Klaer

Noch am Samstag und Sonntag hatten viele Hauseigentümer versucht, die Gebäude für den Sturm zu sichern. Kein leichtes Unterfangen bei durch die Druckwelle der Bombensprengung beschädigten Fenstern, Türen und Dächern. 

Das Unternehmen Bonava, auf deren Baustelle der Blindgänger gefunden worden war, hatte Anwohner jedoch mit der Vermittlung von Handwerksfirmen unterstützt. So wurden kaputte Fenster mit Spanplatten gesichert und Dächer geflickt.

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