• Potsdamer AfD-Fraktionschef will antisemitische Karikatur löschen
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Oberbürgermeisterwahl in Potsdam : Potsdamer AfD-Fraktionschef lässt antisemitische Karikatur löschen

Die Potsdamer AfD-Fraktion hat über Twitter eine Karikatur der Jüdin Anetta Kahane von der Amadeu Antonio Stiftung verbreitet. Es handele sich aber nicht um Hetze, meint die Fraktion. Dennoch wurde das Bild jetzt gelöscht.

Dennis Hohloch (AfD).
Dennis Hohloch (AfD).Foto: Sebastian Gabsch PNN

Nach Kritik an der Potsdamer AfD-Fraktion wegen der Verbreitung einer antisemitischen Karikatur über den Nachrichtendienst Twitter ist diese wieder gelöscht worden. AfD-Fraktionschef und Oberbürgermeisterkandidat Dennis Hohloch erklärte den PNN am Donnerstagabend auf Anfrage, die für Twitter zuständige Person sei angewiesen worden, die Grafik "wegen ihrer nicht vorhandenen kommunalpolitischen Relevanz" zu löschen.

Die AfD-Fraktion in der Potsdamer Stadtverordnetenversammlung hatte zuvor über Twitter eine antisemitische Karikatur der Jüdin Anetta Kahane von der Amadeu Antonio Stiftung verbreitet. Das Bild hatte zuvor der AfD-Hardliner und Bundestagsabgeordnete Petr Bystron veröffentlicht. Die Fraktion verbreitete das Bild am Mittwochnachmittag in einer Antwort an die AfD-Unterstützerin Erika Steinbach.

Nach Kritik des "Bild"-Journalisten Michael Sauerbier an der Karikatur teilte die Fraktion via Twitter zunächst mit, man sehe „hier keine jüdische Mitbürgerin, sondern eine Karikatur von Frau Kahane ...“. Es handele sich nicht um Hetze. Auf der Karikatur wird Kahane mit Stereotypen wie einer großen Nase dargestellt. Kahane ist wegen ihrer Arbeit gegen Rechtsextremismus ein Feindbild in der rechten Szene. 

AfD-Fraktionschef Hohloch sagte dann am Abend - nach seiner Anweisung, den Tweet zu löschen -, die jüdische Abstammung Kahanes habe keine Rolle gespielt, es handele sich um eine offensichtlich satirische Darstellung. So sollten mit der Uniform und den linken Abzeichen auf dem Bild auf die aus seiner Sicht vorhandene Nähe von Kahane zu linksextremen Strömungen, ihre Stasi-Vergangenheit und ihren Kampf gegen die AfD angespielt werden. Die Haltung der AfD sei unmissverständlich: Der Holocaust verpflichte zu einer besonderen Verantwortung gegenüber Israel. 

Die Kritik an Hohlochs politischer Positionierung war in den vergangenen Tagen gewachsen.  Bei einem Wahltalk von Potsdam TV zeigte SPD-OB-Kandidat Mike Schubert in dieser Woche Bilder, auf denen Hohloch mit Mitgliedern der rechtsradikalen Identitären Bewegung (IB) zu sehen ist. Hohloch sagte den PNN, diese seien vergangenes Jahr beim Sommerfest der Jungen Alternative Berlin aufgenommen worden. Ihm sei nicht bekannt gewesen, dass dort auch IB-Mitglieder gewesen seien. Es gebe gültige Abgrenzungsbeschlüsse und keine Zusammenarbeit mit dieser Organisation, so Hohloch.

Für Kritik sorgte zuletzt auch, dass Hohloch sagte, dass er als Oberbürgermeister nicht mehr an Anti-Rechts-Demonstrationen des parteiübergreifenden Bündnisses „Potsdam bekennt Farbe“ teilnehmen würde. Zur Begründung sagte er beim PNN-Wahltalk: Da müsse "erstmal der eigene Dreck vor der Haustür gekehrt werden". Und weiter: "So oft wie ich angegangen wurde von diesem Bündnis, oder meine Partei – und da steht tolerant drauf." Man werde darüber reden müssen, "wie das in Zukunft zusammengeht".

Zugleich ließ der AfD-Kreisverband auf seiner Facebook-Seite Hetze gegen Andersdenkende unkommentiert stehen.

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