Potsdam : Nur Party verstanden

Erzieher drehten Doku über Partizipation

Partizipation war für viele Schüler der 13a ein Fremdwort. Und auch manche Jugendliche, die sie interviewten, verstanden nur „Party-was?“ Die Erzieherklasse der Fachschule für Sozialwesen auf Hermannswerder hat einen ersten Versuch unternommen, dem etwas sperrigen Begriff der Kinder- und Jugendbeteiligung Leben einzuhauchen und einen Dokumentarfilm darüber gedreht. Erzieher, Sozialarbeiter und Pädagogen in Potsdamer Einrichtungen wie dem jwd im Lindenpark, den Zimtzicken, in der katholischen Marienschule oder der Wohngruppe der Arbeiterwohlfahrt wurden vor die Kamera geholt und zu ihren Erfahrungen mit Partizipation befragt. Aber vor allem durften die Kinder und Jugendlichen selbst erzählen.

„Es ist ein ganz großer Unterschied zwischen dem, was Erzieher darunter verstehen und die Jugendlichen selbst“, sagt Laura Franke. So könnten zwar Kinder etwa bei der Raumgestaltung ihrer Einrichtung mitwirken, aber der Erzieher gilt immer noch als letzte Instanz. Für die 25-Jährige sieht echte Partizipation anders aus: Schließlich gehe es um eine ausgeglichene Machtverteilung. So habe etwa der Mädchenverein „Zimtzicken“ eine Wunschliste an seiner Pinnwand, bei der die Mädchen die Aktivitäten selbst bestimmen.

Das Gegenstück dazu nennt der 22-jährige Biliam Tröger „Alibi-Partizipation“. Die Kinder und Jugendlichen würden oft nur der Form halber an Entscheidungsprozessen beteiligt, ohne dass an Autoritätsstrukturen gerüttelt wird. „Es geht aber immer auch darum, Macht abzugeben“, sagt Tanja Berger vom gemeinnützigen Verein Hochdrei, die das Projekt initiierte und zusammen mit der Filmemacherin Lucie Ribeiro durchführte.

Für die angehenden Erzieher war die Projektwoche noch in anderer Hinsicht erhellend: „Es hätte keine bessere Möglichkeit gegeben, uns Partizipation zu erklären, als uns darauf loszulassen“, schwärmt Laura Franke. Am heutigen Mittwochvormittag wird ihr 15-minütiger Film als Einführungsbeitrag beim ersten Potsdamer Fachforum für Kinder- und Jugendbeteiligung im Jugendzentrum Freiland gezeigt und diskutiert. giw

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