Potsdam : Noten für die Lehrer

Berlin verpflichtet zur Selbstevaluierung durch Fragebögen, Brandenburg bleibt bei Schulvisitationen

S. Templin

Mit dem neuen Qualitätspaket für Berliner Schulen sollen Lehrer nicht nur Noten vergeben, sondern auch selber welche erhalten: Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) plant, die Schüler anhand von Fragebögen die Leistung ihrer Lehrer einschätzen zu lassen. Im Internet geht das schon länger. Bereits seit 2008 bietet das Institut für Schulqualität Berlin-Brandenburg (ISQ) sein Selbstevaluationsportal online an. Freiwillig haben allerdings nur knapp sechs Prozent der Lehrkräfte in Berlin und Brandenburg diese Möglichkeit genutzt, was offensichtlich auch auf den sehr niedrigen Bekanntheitsgrad der Fragebögen zurückzuführen ist. Zumindest in Berlin soll sich das nun ändern: Künftig werden Berliner Lehrer dazu verpflichtet sein, sich den Beurteilungen durch die Schülerschaft zu stellen. In Brandenburg ist man von diesem Schritt weit entfernt: Weder der Sprecher des Bildungsministeriums, Stephan Breiding, noch Christine Schaade, Sprecherin des Landeselternrats, sind mit den Online-Fragebögen vertraut. Zwar lege man Wert auf Qualitätssicherung. Diese erfolge jedoch seit 2005 durch sogenannte alle vier bis fünf Jahre durchgeführte Schulvisitationen. Unter anderem beinhaltet dieser Prozess Unterrichtsbesuche von etwa 20-minütiger Dauer, Einsicht in Dokumente, Interviews mit allen an der Schule beteiligten Personengruppen und einen Visitationsbericht. Der Schwerpunkt dieses Verfahrens liegt auf der Bewertung der Schule und des dort erteilten Unterrichts insgesamt. Die Fragebögen des ISQ dagegen zielen auf eine individuelle Rückmeldung zu den einzelnen Lehrer ab.

Christine Schaade nimmt die Schulvisitationen als „großen Erfolg“ wahr. Von einer Pflicht zum Feedback durch Fragebögen zeigt sie sich wenig begeistert: Da die Teilnahme an den Befragungen anonym ist, könnten die Ergebnisse unzuverlässig sein, etwa wenn Schüler Konflikte mit der Lehrkraft unangemessen zum Ausdruck bringe. Da bei der Schulvisitation auch Schülervertreter, Eltern und Schulleitung miteinbezogen werden, bedürfe es kaum einer weiteren Form der Qualitätssicherung. „Das Einzige, was wir zu kritisieren haben, ist, dass nicht zeitnah genug eine Rückmeldung stattfindet, wenn Schulen schlecht abschneiden“.

Holger Gärtner, der das Projekt am ISQ leitet, ist überzeugt von der direkten Beurteilung von Lehrern: „Viele Lehrer waren erstaunt, wie verantwortungsvoll die Schüler antworten.“ Auch eine Verpflichtung zur Verteilung der Fragebögen an die Schüler sieht er positiv, da Lehrern durch den baukastenförmigen Aufbau des Selbstevaluationsportals viele Freiheiten bei der Gestaltung „ihrer“ Bögen gegeben seien. Es gebe verschiedene Fragebögen für die jeweiligen Hauptfächer sowie für Grund- und Oberschulen. Die Fragen seien geschlossen formuliert und orientierten sich an Kriterien wie deutlichem Sprechen, Wiederholung des Unterrichtsstoffs und Alltagsbezug. Wie sie mit den neuen Erkenntnissen umgehen, könnten die Lehrer selbst entscheiden. S. Templin

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