• Neues Wohnen nahe des Potsdamer Holländerviertels: Eine Tulpe für den Innenhof

Neues Wohnen nahe des Potsdamer Holländerviertels : Eine Tulpe für den Innenhof

Die PWG 1956 weiht das Quartier an der Französischen Kirche ein und blickt auf 60 Jahre zurück

Neues im holländischen Stil. Die Wohnungsgenossenschaft PWG hat an der Französischen Kirche neue Wohnhäuser gebaut – die an die Geschichte des Viertels erinnern. Doch auch die Brüche werden sichtbar. Fotos (4): Andreas KlaerAlle Bilder anzeigen
25.04.2016 22:50Neues im holländischen Stil. Die Wohnungsgenossenschaft PWG hat an der Französischen Kirche neue Wohnhäuser gebaut – die an die...

Der Clou ist die Dachterrasse. Von hier aus hat man einen schönen Blick direkt auf die grüne Hälfte des Bassinplatzes. Und nur ein paar Meter vom Ausguck auf dem Dach entfernt erhebt sich sanft die Kuppel der Französischen Kirche. Der Kontrast zur Harmonie bietet sich dem Besucher dann auf der gegenüberliegenden Seite: Hier ragen die hohen Geschossbauten des Potsdamer Klinikums in den Himmel.

Noch ist die Dachterrasse im neuen Wohnquartier an der Französischen Kirche nicht ganz fertig. Auch einige Wohnungen in dem Komplex sind noch nicht von der Bauverwaltung abgenommen. Doch die Eröffnung des neuen kleinen Viertels wurde am gestrigen Montag schon einmal gefeiert. Die Potsdamer Wohnungsgenossenschaft 1956 (PWG) hatte zu einem Hoffest mitten zwischen den neuen Häusern eingeladen. Der kleine Höhepunkt dabei: Die Enthüllung einer Skulptur des Bonners Künstlers Hans-Peter Callsen. Eine stilisierte, 3,50 Meter hohe Tulpe aus Metall hat der Rheinländer aus Potsdams deutscher Partnerstadt für den Innenhof des neuen Wohnkomplexes geschaffen. Dezent bunt ragt der metallene Frühlingsblüher in die Höhe – und erinnert an Holland, dem Kernland der europäischen Tulpenzüchter.

Nicht nur in dieser Tulpe, im gesamten Wohnquartier finden sich mehr als deutliche Hinweise auf den Nachbarstaat. Ein großer Teil der neuen Gebäude ist im Stil des Holländischen Viertels gebaut. Und das nicht ohne Grund: Schon einmal standen an gleicher Stelle neben der Französischen Kirche Häuser in eben jenem Stil. Die letzten beiden Gebäude ließ die DDR noch 1988 abreißen.

Nun also ist alles neu. Entstanden sind keine kompletten Kopien der alten Bauten, dennoch ist die Anlehnung ans Historische auf den ersten Blick sichtbar. Viele Fassaden wirken, als hätten sie schon immer an dieser Stelle gestanden. Doch Architekt Herbert Knopf hat den Bruch in der Geschichte auch von außen sichtbar werden lassen: Einzelne Fassaden kommen nicht im holländischen Backstein-Look daher.

Von den 30 Wohnungen sind 23 bereits vermietet, sagte PWG-Vorstand Matthias Pludra am Rande der Feierlichkeiten. Auch einige Gewerbeflächen gibt es in dem Komplex. Man bemüht sich derzeit um weitere Vermietungen. Zumindest die noch freien Wohnungen dürften schnell weggehen. Schließlich ist in Potsdam Wohnraum ein knappes Gut. Laut Pludra gibt es bereits eine Interessentenliste. Die Ein- bis Dreiraumwohnungen von 45 bis 90 Quadratmetern Wohnfläche werden von der Genossenschaft mit Warmmieten ab 12,50 Euro je Quadratmeter beworben. Die Investitionskosten für das Gesamtprojekt belaufen sich laut Pludra auf knapp sieben Millionen Euro.

Elf Wohnungen sind nach Angaben der PWG barrierefrei. In weiteren 16 Wohnungen gibt es den Angaben zufolge immerhin keine Schwellen – das nennt man barrierearm. Und noch eine Besonderheit gibt es in den neuen Häusern: In zwei Gemeinschaftsräumen können die voraussichtlich vorwiegend älteren Bewohner des Komplexes gemeinsame Veranstaltungen durchführen. Ein Generationenverein soll dabei helfen.

Bevor am gestrigen Nachmittag das Hoffest startete, blickte die Genossenschaft, zusammen mit Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD), mit einer Festveranstaltung in der benachbarten Französischen Kirche auf 60 Jahre PWG zurück. Vorstandssprecher Wolfram Gay erinnerte in seiner Rede an die Geschichte des Unternehmens, das am 5. März 1956 gegründet wurde. Die ersten Häuser der Genossenschaft entstanden in der Kantstraße in Potsdam-West, berichtete Gay. Er erinnerte daran, dass die Genossenschaftler dort und bei den Bauten in der benachbarten Fichtestraße die Baugruben noch selbst ausheben mussten. Viele Aufbaustunden waren damals Pflicht. „Es bildete sich dadurch aber auch ein Zusammengehörigkeitsgefühl“, sagte Gay.

Im Verlaufe der späteren Jahrzehnte folgten weitere Bauprojekte im Stadtgebiet. Hochhäuser an der Moschee gehören ebenso dazu wie Gebäude in der Burgstraße oder Plattenbauten in der Waldstadt und im Wohngebiet Am Stern.

Auch beim Aufbau des Schlaatzes mischte die Genossenschaft in den 1980er Jahren mit. Nach dem Ende der DDR gab sich die Arbeiterwohnungsgenossenschaft „Fortschritt“, wie sie bis dahin hieß, den heutigen Namen. Ein großes Bauprojekt der PWG war das vor gut zehn Jahren fertiggestellte Französische Quartier in bester Innenstadtlage. Heute hat die PWG über 4100 Wohnungen.

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