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Potsdam : Neues Stadtviertel in Babelsberg fast fertig

Zwischen Sandmännchen und Marlene Dietrich: Nach dreieinhalb Jahren Bauzeit ist neue Stadtviertel Campus am Filmpark fast fertig und füllt sich zunehmend mit Leben.

Mehr als 200 Miet- und Eigentumswohnungen umfassen die Wohnhäuser, die einen Grünanlage mit Spielplatz umschließen.
Mehr als 200 Miet- und Eigentumswohnungen umfassen die Wohnhäuser, die einen Grünanlage mit Spielplatz umschließen.Foto: Andreas Klaer/ PNN

Potsdam - Tief unten im märkischen Sand liegt es in Beton eingeschlossen – ein rot gekleidetes Sandmännchen. Dort wurde die Defa-Figur bei der Grundsteinlegung für den Campus Babelsberg versenkt – damals noch inmitten einer Brache zwischen der Stahnsdorfer Straße und der Marlene-Dietrich-Allee. Zuvor hatte auf dem Areal die Außenkulisse der Babelsberger Filmstudios gestanden: die Berliner Straße. Sie ist inzwischen in den südlichen Teil der Medienstadt umgezogen.
Fast dreieinhalb Jahr ist das nun her. Seither hat sich viel verändert. Ein ganz neues Stadtviertel ist entstanden – mit Wohnungen, Büroflächen, Einzelhandel, Parkhäusern und einer Kita. 80 Millionen Euro sind insgesamt investiert worden. Das Thema Film wird auch heute an einigen Stellen sichtbar. Wie in einer Berliner Straße sieht es allerdings nicht aus, eher nach gepflegter Vorstadt. Urban, aber dennoch aufgeräumt. Es sind nur wenige Autos zu sehen. 330 Stellplätze für Autos und 600 für Fahrräder gibt es, die meisten davon unterirdisch.

„Ist doch ganz gut geworden“, sagt Jan Kretzschmar. Der Geschäftsführer der Firma KW Development steht hinter der Entwicklung des Viertels. Die Idee sei zusammen mit Filmparkchef Friedhelm Schatz gekommen, dem Kretzschmar das Areal abkaufte. Man habe nicht lange überlegen müssen, was in der Medienstadt um Studio und Filmpark fehlt: Wohnungen, Einzelhandel und Raum für Unternehmen aus der Medienbranche.

Kurz vor Weihnachten herrscht um den kleinen Stadtplatz in der Mitte des Areals rege Betriebsamkeit. Vor kurzem hat im Erdgeschoss des großen Gebäudes in der Mitte des Viertels ein Edeka-Markt eröffnet. Es ist der mittlerweile fünfte im Stadtgebiet. Einkäufer fahren vor, Mitarbeiter des nahen Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) holen sich ein Sandwich und im Café im Eingangsbereich haben es sich mehrere ältere Damen mit Kaffee und einem Stück Kuchen gemütlich gemacht. 24 Sitzplätze gibt es vor dem Kassenbereich. Die Dekoration nimmt immer wieder Anleihen beim Film: Mal ist es eine Filmrolle, mal eine Klappe, oder ein charakteristischer Schriftzug. Das Parkhaus untendrunter mit seinen 58 Plätzen ist noch fast leer. „Wir müssen vielleicht an der Ausschilderung noch etwas machen“, sagt Kretzschmar. Auch an Elektromobilität wurde gedacht: In Kürze soll eine Ladestation für Elektroautos installiert werden.

In Szene gesetzt. Schwarz-weiße Filmszenen zieren eine Gebäudefassade.
In Szene gesetzt. Schwarz-weiße Filmszenen zieren eine Gebäudefassade.Foto: Andreas Klaer/ PNN

Das Gebäude ist sozusagen der Endstein des ganzen Viertels. 8000 Quadratmeter Büro- und Einzelhandelsfläche sind darin entstanden. In mehreren Etagen läuft noch der Innenausbau, andere sind schon bezogen. Zu den Mietern zählen unter anderem der rbb und das IT-Unternehmen Interlake System GmbH, das sich auf Cloud- und Learning-Solutions spezialisiert hat. Ebenfalls einen neuen Standort gefunden hat die Kinderwelt gGmbH, ein freier Träger der Kinder- und Jugendhilfe, die im Pentagon ihre Verwaltung einrichten wird und nebenan bereits die Kita „Ole Lukoie“ mit 129 Plätzen betreibt. Rund 20 Millionen Euro hat der Bau laut Kretzschmar gekostet. Mittlerweile hat der Hamburger Investmentfonds Warburg-HIH Invest Real Estate das Gebäude gekauft. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Vom Dach des wegen seiner fünfeckigen Grundfläche Pentagon genannten Gewerbegebäudes hat man einen guten Überblick. Auf der anderen Straßenseite ist die Kulisse von Jim Knopf und Lukas dem Lokomotivführer zu sehen. Richtung Osten stehen elf vier- und fünfgeschossige Stadtvillen zwischen der Stahnsdorfer Straße und der Marlene-Dietrich-Allee. Im Norden schließt sich ein hufeisenförmiges Gebäude und zwei eher quadratische Bauten mit Studentenappartements an. Daneben befindet sich die Kita Kinderland. Eine Hecke und mehrere Bäumchen sind schon gepflanzt, nur der Rundweg muss noch befestigt werden. „Hier kommen noch Bänke dazu“, sagt Kretzschmar. Ein paar hölzerne Liegen stehen schon da. „Im Sommer können die Mitarbeiter hier ihre Pause verbringen.“
In den Wohnhäusern auf der Ostseite ist man schon weiter. Sie wurden im vergangenen Jahr fertiggestellt und sind bereits bezogen. Gardinen und Weihnachtsbeleuchtung künden davon. 209 Eigentums- und Mietwohnungen wurden errichtet. Sie umschließen eine Grünanlage mit Spielgeräten und einem hölzernen Bootsrumpf für die Kinder der Umgebung. Eine alte Eiche mit meterdicken Stamm ist auch stehen geblieben. „Das wäre ein Frevel gewesen, die zu fällen“, sagt Kretzschmar.

Im Erdgeschoss des Hauses gegenüber des Edeka hat bereits ein Café eröffnet, das auch Mittagstisch anbietet. Zwei Gewerbeeinheiten seien nebenan noch frei, so Kretzschmar.

Ein-Zimmer-Appartements für 495 Euro warm

Erst zum Start des Wintersemesters im Oktober waren die 235 Studentenwohnungen bezugsfertig geworden. In ein paar Fenstern sieht man noch gestapelte Umzugskartons. Ab 495 Euro Warmmiete monatlich gibt es ein möbliertes Ein-Zimmer-Appartement mit Kochecke inklusive Strom und W-Lan. Die Wohnungen will Kretzschmar im Bestand behalten. Vor allem Studenten der benachbarten Filmuniversität und des nicht weit entfernten Hasso-Plattner-Instituts seien eingezogen. Außerdem habe das Klinikum Ernst von Bergmann ein gutes Dutzend Wohnungen für Auszubildende gemietet.

Optisch interessant sind vor allem die zwei Boarding-Häuser an der Stahnsdorfer Straße: Die Außenfassaden der Langzeit-Hotels für Mitarbeiter der Medienstadt sind mit schwarz-weißen Porträts klassischer Filmstars geschmückt. Marlene Dietrich lächelt dort auf die Passanten herab. Und auch die Gebäude am Stadtplatz haben ein paar Hingucker zu bieten: große, braune, viereckige Fassadeelemente, die die Gehäuse alter Fernsehgeräte symbolisieren sollen.