• Neues Seniorenzentrum Am Stern eröffnet: Alternde Gesellschaft wird für Potsdam zur Herausforderung

Neues Seniorenzentrum Am Stern eröffnet : Mehr Hochbetagte, wenig Pflegekräfte

Bei der Eröffnung des Seniorenzentrums Sternenblick in Potsdam - es ist das 19. in der Stadt. Der Pflegebedarf nimmt in den nächsten Jahren zu. 

Eröffnungsfeier des 19. Seniorenzentrums in Potsdam.
Eröffnungsfeier des 19. Seniorenzentrums in Potsdam.Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Durch den Gang weht der Duft von Rotkohl und Kassler, das Foyer ist mit blauen Luftballons geschmückt und im Saal spielt ein Blechblasquartett der Musikschule – am Freitag wurde die Eröffnung des Seniorenzentrums Sternenblick in der Otto-Haseloff-Straße gefeiert. Tatsächlich ist das Seniorenzentrum der Azurit-Gruppe, die bundesweit mehr als 50 stationäre Senioren- und Pflegezentren führt, schon seit Anfang Oktober in Betrieb. In dem fünfstöckigen Gebäude nahe der Tramhaltestelle Gaußstraße gibt es 114 Pflegeplätze in 74 Einzel- und 20 Doppelzimmern. Neben der stationären Pflege wird auch Kurzzeitpflege angeboten. Für an Demenz erkrankte Bewohner gibt es einen speziellen Wohnbereich.

Das Lesezimmer im Seniorenheim "Sternenblick".
Das Lesezimmer im Seniorenheim "Sternenblick".Foto: Andreas Klaer

1620 Plätze in Potsdam

Das Seniorenzentrum am Rande des Plattenbaugebiets ist das 19. in Potsdam. Alle zusammen bieten 1620 Plätze in voll- und teilstationären Pflegeeinrichtungen. Dazu kommen noch 37 ambulante Pflegedienste, die Menschen in ihren eigenen Wohnungen betreuen. Neben einigen kleinen Anbietern mit weniger als 20 versorgten Pflegebedürftigen gibt es auch eine Anzahl an größeren Diensten mit zumindest über 50 oder sogar über 100 Kunden. Im vorletzten Jahr – neuere Zahlen liegen noch nicht vor – waren in Potsdam 5330 Menschen pflegebedürftig. Das waren 750 mehr als fünf Jahre zuvor. Der Anteil an der Gesamtbevölkerung sei gleich geblieben, heißt es auf Nachfrage aus dem Rathaus. 
Bleibt es dabei, dürfte der Pflegebedarf in den nächsten Jahren weiter zunehmen. Das liegt an der Alterung der Gesellschaft. Obwohl Potsdam mit einem Durchschnittsalter von 42,3 Jahren eine sehr junge Stadt ist, leben auch hier immer mehr alte Menschen über 80 Jahren: 10.718 Hochbetagte waren es Ende 2017, das sind sieben Prozent mehr als im Jahr davor. Laut der Prognose der Stadtverwaltung werden bis zum Jahr 2045 rund 14.700 Hochbetagte in Potsdam erwartet. 

Für Betroffene könnte es immer schwieriger werden, sich eine Wohnung zu leisten

Es sei eine Herausforderung, weiterhin für gute Rahmenbedingungen für Senioren in Potsdam zu sorgen, heißt es aus dem Rathaus. Dabei gehe es nicht nur um stationäre und ambulante Pflegekapazitäten, sondern auch um entsprechende Beratungsangebote, zugänglichen Nahverkehr sowie ein Angebot an vielfältigen sozialen, kulturellen und sportlichen Aktivitäten. Außerdem steige der Bedarf an barrierefreien Wohnungen. Ein wachsendes Problem der künftigen Rentnergeneration sieht die Stadtverwaltung in den oftmals gebrochenen Erwerbsbiografien. Für die Betroffenen könnte es immer schwieriger werden, sich in Potsdam eine Wohnung zu leisten.

126 Altenpfleger werden gesucht

Schon heute sorgt vor allem der Fachkräftemangel für Probleme. Wie berichtet waren im Oktober in Potsdam nach Angaben der Arbeitsagentur 126 Stellen in der Altenpflege unbesetzt. Demgegenüber standen 84 arbeitslose Altenpfleger – also damit 42 weniger, als gebraucht würden. Nach Angaben des Brandenburger Sozialministeriums arbeiteten im Jahr 2015 in Potsdam 1669 Pflegekräfte. Der überwiegende Teil der Beschäftigten in der Pflege sind Frauen. Das Ministerium geht davon aus, dass der „Handlungsdruck bei der Fachkräftesicherung“ wächst. Es komme vor, dass Betten nicht belegt werden können, weil das qualifizierte Personal fehle.
Dass es ein Problem gibt, hatte jüngst auch ein Vergleich des Internetportals betreut.de zum Thema Seniorenfreundlichkeit unter den 50 größten deutschen Städten gezeigt. Potsdam schnitt darin in mehreren Kategorien gut ab, zum Beispiel bei der Lebensqualität und den Freizeitangeboten – beim Thema Pflege wurde die Stadt allerdings Drittletzter.